HTML-Projekte haben den Vorteil, daß sie mit vertretbarem Aufwand
durchgeführt werden können: Hard- und Software sind meist schon
vorhanden, für die Erstellung der Anwendung ist kein Programmieren
notwendig, und die Benutzer sind bereits mit dem System vertraut oder
können es zumindest leicht
erlernen.[76]
Außerdem besteht keine Gefahr, daß das gewählte Format in
naher Zukunft nicht mehr unterstützt wird.
Das größte Problem ist die Durchführung von
Änderungen:
Alle beteiligten Autoren müssen sich ins HTML-Publishing einarbeiten
[77], Inhaltsverzeichnisse und Numerierungen
von Überschriften müssen von Hand angepaßt werden, es kann
leicht zu fehlerhaften Verweisen kommen, und eine Zugriffskontrolle ist nur
möglich, wenn Rechte auf der Ebene des Betriebssystems gesetzt werden.
Hinzu kommen Beschränkungen des HTML-Formats wie z. B. das Fehlen
bidirektionaler und typisierter Verweise.
Zusammenfassend können Vor- und Nachteile folgendermaßen beschrieben
werden: "HTML and Mosaic-like browsers can be good as a delivery mechanism
but not as a robust document management
strategy."[78] (Balasubramanian 1994a,
S. 19).
Als Alternativen wären z. B. Adobe Acrobat (PDF) oder Lotus Notes
in Frage gekommen.
Abbildung 3.6-1: PDF-Datei im Acrobat Reader
PDF (Portable Document Format) ist ein hypertextfähiges Dateiformat,
entwickelt von der Firma Adobe. Die Besonderheit daran ist, daß sich
Dateien jedes Anwendungsprogrammes in dieses Format konvertieren lassen.
Voraussetzung ist nur, daß die Daten in eine
Postscript[79]-Datei gedruckt werden
können. Diese Postscript-Datei wird dann mit dem Programm Acrobat Distiller
konvertiert. Die entstehende PDF-Datei kann mit Adobe Catalog indiziert und
mit Adobe Exchange nachbearbeitet werden. Zur Anzeige von PDF-Dokumenten
wird der kostenlose Acrobat Reader verteilt (Adobe Online Handbuch).
PDF hat gegenüber HTML einige Vorteile:
Allerdings sind PDF-Dateien am Bildschirm schlecht lesbar, weil entweder
die Schrift zu klein ist oder ständig in alle Richtungen gescrollt werden
muß. Die Erstellung von Verweisen ist aufwendiger als in HTML und muß
vor allem bei jeder neuen Version eines Dokumentes wiederholt werden: Da
der Text von PDF-Dateien nur zeilenweise bearbeitet werden kann, müssen
Änderungen im Original durchgeführt werden, das dann erneut konvertiert
wird. Dadurch verdoppelt sich der erforderliche Speicherplatz. Dies ist
problematisch, weil PDF-Dateien - vor allem im Vergleich zu HTML - an sich
schon recht groß sind.
Aus diesen Gründen eignet sich PDF für
eine Anwendung wie das QM-Handbuch eher weniger.
PDF ist dann sinnvoll, wenn ein aufwendiges Originallayout beibehalten werden
soll und wenn es eher auf den Ausdruck als auf die Bildschirmdarstellung
ankommt.
Abbildung 3.6-2: Lotus Notes
Die andere Alternative wäre eine Programmierung in Lotus Notes. Dabei
handelt es sich um ein Datenbanksystem, das zusätzliche Dienste wie
Zugriffskontrolle und Datenabgleich zwischen Servern anbietet und zu dem
auch Anwendungen wie E-Mail, Web-Browser und Terminkalender gehören
(Weber 1997b, S. 2). Einer der angebotenen Dienste ist seit der Version
4.5 ein Web-Server, der aus Notes-Datenbanken automatisch HTML-Dokumente
generiert. Gelesen werden können diese Dokumente entweder mit dem
Personal Web Navigator, der in den Notes Client integriert ist, oder
mit einem beliebigen anderen Browser.
Lotus Notes als Hypertextsystem bietet folgende Vorteile:
Der Nachteil ist, daß eine Notes-Applikation in einer eigenen Skriptsprache
programmiert werden muß und daher nicht ohne größeren Aufwand
implementiert werden kann. Außerdem sind teure Investitionen in Hard-
und Software notwendig.
[76] Dies ist ein wichtiges Kriterium der
Usability (Handhabbarkeit) (Nielsen 1990, S. 145, Hofmann 1995,
S. 64).
[77] Dies ist allerdings nicht sehr schwierig,
da es inzwischen WYSIWYG-Editoren gibt, so daß für einfache Aufgaben
nur noch grundlegende HTML-Kenntnisse notwendig sind
[78] Dies wurde sinngemäß auf
der Konferenz ECHT94 geäußert, über die Balasubramanian im
zitierten Artikel berichtet.
Mosaic, der Vorläufer von Netscape Navigator, war damals der bekannteste
Browser.
[79] "Postscript is a programming language
that describes the appearance of a printed page. It was developed by Adobe
in 1985 and has become an industry standard for printing and imaging. All
major printer manufacturers make printers that contain or can be loaded with
Postscript software, which also runs on all major operating system platforms.
A Postscript file can be identified by its ".ps" suffix."
(Svensson URL)