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3.5.7.3 Anker-Darstellung

Ausgangspunkte von Verweisen (Anker) werden bei den meisten Hypertextsystemen an der Benutzeroberfläche besonders hervorgehoben, so daß die Leser ohne zusätzlichen Aufwand erkennen können, welche Verweise zur Verfügung stehen und wo diese plaziert sind[70]. Anker können entweder durch Graphiken oder durch typographisch hervorgehobenen Text gekennzeichnet werden. Es gibt dabei verschiedene Arten textueller und graphischer Anker:


  • graphisch
    • aktive Graphiken
      • Icons
      • sonstige
    • sensitive Graphiken
      • Übersichten zur Navigation
      • sonstige
  • textuell / typographisch
    • eingebettet
    • getrennt


Graphiken, die als Verweisanker dienen, bezeichnet man als "aktive Graphiken". Sehr häufig handelt es sich dabei um Icons. Eine Graphik kann auch mehrere Anker enthalten. In HTML-Anwendungen wird dies durch Image Maps realisiert. Ein typisches Beispiel sind graphische Übersichten, die gleichzeitig zur Navigation genutzt werden können (siehe Kap. 3.5.5).
Graphische Verweisanker können für das Layout sehr vorteilhaft sein. Allerdings besteht die Gefahr, daß sie nicht als Anker zu erkennen sind, wenn auf den charakteristischen blauen Rahmen verzichtet wird und weder aus dem Kontext noch aus der Graphik selbst hervorgeht, daß es sich um einen Verweis handelt. Je weniger erfahren die Benutzer sind, desto wichtiger ist hier eine eindeutige Kennzeichnung (Hardman 1989, S. 52). Auf keinen Fall sollte es notwendig sein, nach Verweisen zu suchen, indem die Maus über den Bildschirm bewegt und die Statuszeile oder die Form des Cursors beobachtet wird ("playing mine sweeper with the mouse", Nielsen 1990a, S. 108).
Minicone Beim QM-Handbuch wurden graphische Verweisanker für die Navigationsleiste verwendet (siehe Abb. 3.5.4-6). Da es sich hierbei um sehr typische Icons handelt, wurde davon ausgegangen, daß die Identifizierung der Verweise keine Probleme bereiten würde.


Bei textuellen Ankern wird der Verweis durch ein Stichwort oder einen kurzen Satz charakterisiert. Dieser "aktive Text" wird typographisch hervorgehoben, z. B. durch Unterstreichung, Farbwechsel, Umrahmung, Invertierung, Fettdruck usw.
Es gibt zwei Möglichkeiten, textuelle Anker zu plazieren: direkt im Fließtext als "embedded menus" (Nielsen 1990a, S. 106) oder in einem getrennten Bereich.
Für getrennte Bereiche spricht, daß die Nutzer auf diese Weise leichter zwischen Informationen und Verweisen unterscheiden können (Hofmann 1995, S. 128). Feste räumliche Positionen sind auch in Papier-Dokumenten üblich (z. B. Überschrift, Kopfzeile) und erleichtern die Orientierung. Durch die räumliche Trennung von Text und Verweisen reduziert sich außerdem die Bereitschaft der Leser, den Verweisen zu folgen. Auf diese Weise wird die Gefahr eines unkontrollierten Navigierens verringert (Gerdes URL 1).
In den Text eingebettete Verweise stören den Leseprozeß, da ständig Navigationsentscheidungen getroffen werden müssen (siehe Kap. 3.5.6.1). Hinzu kommt, daß typographische Hervorhebungen normalerweise inhaltlich motiviert sind und zum Verständnis des Textes beitragen. Typographische Hervorhebungen von Ankern weisen dagegen nur auf Systemfunktionen hin (Irler 1991, S. 139). Es ist jedoch nicht auszuschließen, daß auch Ankermarkierungen bei der Lektüre zunächst unbewußt als inhaltliche Betonung interpretiert werden. Dies beeinflußt und behindert das Verstehen des Textes. Außerdem kommen Hervorhebungen, die tatsächlich inhaltliche Funktion haben, weniger zur Geltung. Die typographischen Gestaltungsmöglichkeiten für solche inhaltlichen Hervorhebungen sind eingeschränkt, da es nicht zu einer Verwechslung mit Ankern kommen darf [71] (Hofmann 1995, S. 73, Rada 1991, S. 29, Nielsen 1990a, S. 108, Hardman 1988, S. 447).
Eingebettete Verweise sind unmittelbar während der Lektüre verfügbar. Dadurch werden Serendipity-Effekte, d. h. Abschweifungen zu ganz anderen interessanten Informationen (Kuhlen 1991, S. 38), begünstigt. Die Vorteile des elektronischen Mediums werden besser ausgenützt und das "Hypertext-Feeling" (nach Nielsen 1990a, S. 106) gesteigert. Außerdem wird das Entstehen einer hypertextspezifischen Kohärenz begünstigt, da die Ankerstichworte im Kontext bleiben. Die Leser können Zusammenhänge erkennen und nachvollziehen, aus welchem Grund auf einen bestimmten Knoten verwiesen wird. Dies erhöht die Verständlichkeit des Hypertextes, wie durch ein Experiment bestätigt wurde (Vora, Helander und Shalin 1994, S. 323-329), bei dem Versuchspersonen in einem Verstehenstest bessere Ergebnisse erzielten, wenn die Verweise in den Text eingebettet waren.

Minicone Beim QM-Handbuch wurden die meisten Verweise sowohl in den Text eingebettet als auch in einem getrennten Bereich zur Verfügung gestellt:

In der Literatur wird immer wieder darauf hingewiesen, daß es sehr wichtig ist, den Nutzern zu verdeutlichen, was sie am Zielpunkt eines Verweises erwartet (z. B. Ansel Suter 1995, S. 141, Kuhlen 1991, S. 108, Hofmann 1995, S. 41, Nielsen 1990a, S. 107). Bei Verweislisten kann dies durch textuelle Erläuterungen geschehen, die allerdings nicht zu ausführlich sein sollten (Luckhardt URL 1). Verweise, die in bereits existierende Texte eingefügt werden, können nicht auf diese Weise erläutert werden. Es ist jedoch möglich, die Benutzer über die Art des Verweises zu informieren.
Minicone Beim QM-Handbuch gab es z. B. Überlegungen [72] , durch das Layout zu verdeutlichen, ob es sich jeweils um einen intra-, inter- oder extrahypertextuellen Verweis handelt [73]. Vor allem die Kennzeichnung extrahypertextueller Verweise wäre sehr sinnvoll, da diese Verweise nicht funktionieren, wenn das QM-Handbuch außerhalb des Intranet von einer CD-ROM aufgerufen wird. Intrahypertextuelle Verweise sind immer dann uninteressant, wenn die Lektüre des gesamten Knotens geplant ist.

Die folgende Tabelle zeigt, wie die Unterscheidung der Verweise realisiert werden könnte: durch einen erläuternden Text in Klammern, durch unterschiedliche Schriftarten (z. B. die Proportionalschrift Courier für intrahypertextuelle Verweise, die serifenlose Schrift Arial für extrahypertextuelle Verweise) oder dadurch, daß eine kleine Graphik hinter den Verweis gesetzt wird (z. B. eine Weltkugel für extrahypertextuelle Verweise ins Internet). Die graphische Hervorhebung ist am aufwendigsten zu realisieren und problematisch für Browser, die nicht graphikfähig sind. Die textuellen Erläuterungen können den Lesefluß stören. Die typographische Hervorhebung ist am unauffälligsten, es besteht aber die Gefahr, daß die Unterscheidung von vielen Benutzern gar nicht wahrgenommen wird.

Es liegt nahe, die häufigste Verweisart, d. h. in den meisten Fällen die interhypertextuellen Verweise, als Default zu betrachten und nicht zu markieren. Die verschiedenen Methoden können natürlich kombiniert werden (z. B. textuelle Hervorhebung intrahypertextueller Verweise, graphische Hervorhebung extrahypertextueller Verweise).

  textuell typographisch graphisch
intrahypertextuell Dies betrifft auch die Server (s.o.) und Router (s.u.). Dies betrifft auch die Server und Router. Dies betrifft auch die Server und Router.
interhypertextuell Dies betrifft auch die Server. Dies betrifft auch die Server. Dies betrifft auch die Server.
extrahypertextuell Dies betrifft auch die Server (EXTERN!)[74]. Dies betrifft auch die Server. Dies betrifft auch die Server[75].

Tabelle 3.5.7-1: Methoden zur Kennzeichnung verschiedener Verweisarten


[70] Der alternative Ansatz des "Button-less hypertext design" (Irler 1990, S. 267) ist bei HTML-Anwendungen unüblich und nur mit großem Aufwand zu verwirklichen. Daher wird hier nicht näher darauf eingegangen.
[71] Leider wird dies nicht immer beachtet: So werden in HTML-Dokumenten manchmal Unterstreichungen zur Hervorhebung verwendet, obwohl dies irritierend sein kann, da Verweise durch Unterstreichung und blaue Farbe gekennzeichnet werden.
[72] Eine Realisierung war aus Zeitgründen nicht möglich, wird jedoch auch weiterhin in Erwägung gezogen.
[73] Dies kann natürlich auch erkannt werden, indem der Mauszeiger über den Verweis bewegt und die Statuszeile beobachtet wird. Es ist jedoch angenehmer, wenn hierfür kein zusätzlicher Aufwand nötig ist.
[74] Idee nach Luckhardt URL 2
[75] Idee nach dem AOLpress-Tutorial (America Online URL)

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