Ausgangspunkte von Verweisen (Anker) werden bei den
meisten Hypertextsystemen an der Benutzeroberfläche besonders hervorgehoben,
so daß die Leser ohne zusätzlichen Aufwand erkennen können,
welche Verweise zur Verfügung stehen und wo diese plaziert
sind[70]. Anker können entweder durch
Graphiken oder durch typographisch hervorgehobenen Text gekennzeichnet werden.
Es gibt dabei verschiedene Arten textueller und graphischer Anker:
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Graphiken, die als Verweisanker dienen, bezeichnet man als
"aktive Graphiken". Sehr häufig handelt es sich
dabei um Icons. Eine Graphik kann auch mehrere Anker enthalten. In
HTML-Anwendungen wird dies durch Image Maps realisiert.
Ein typisches Beispiel sind graphische Übersichten, die gleichzeitig
zur Navigation genutzt werden können (siehe
Kap. 3.5.5).
Graphische Verweisanker können für das Layout sehr vorteilhaft
sein. Allerdings besteht die Gefahr, daß sie nicht als Anker zu erkennen
sind, wenn auf den charakteristischen blauen Rahmen verzichtet wird und weder
aus dem Kontext noch aus der Graphik selbst hervorgeht, daß es sich
um einen Verweis handelt. Je weniger erfahren die Benutzer sind, desto wichtiger
ist hier eine eindeutige Kennzeichnung (Hardman 1989, S. 52). Auf keinen
Fall sollte es notwendig sein, nach Verweisen zu suchen, indem die Maus
über den Bildschirm bewegt und die Statuszeile oder die Form des Cursors
beobachtet wird ("playing mine sweeper with the mouse", Nielsen 1990a,
S. 108).
Beim QM-Handbuch wurden graphische Verweisanker
für die Navigationsleiste verwendet (siehe
Abb. 3.5.4-6). Da
es sich hierbei um sehr typische Icons handelt, wurde davon ausgegangen,
daß die Identifizierung der Verweise keine Probleme bereiten würde.
Bei textuellen Ankern wird der Verweis durch ein Stichwort oder einen kurzen
Satz charakterisiert. Dieser "aktive Text" wird typographisch hervorgehoben,
z. B. durch Unterstreichung, Farbwechsel, Umrahmung, Invertierung, Fettdruck
usw.
Es gibt zwei Möglichkeiten, textuelle Anker zu plazieren: direkt im
Fließtext als "embedded menus" (Nielsen 1990a,
S. 106) oder in einem getrennten Bereich.
Für getrennte Bereiche spricht, daß die Nutzer auf diese Weise
leichter zwischen Informationen und Verweisen unterscheiden können
(Hofmann 1995, S. 128). Feste räumliche Positionen sind auch
in Papier-Dokumenten üblich (z. B. Überschrift, Kopfzeile)
und erleichtern die Orientierung. Durch die räumliche Trennung von Text
und Verweisen reduziert sich außerdem die Bereitschaft der Leser, den
Verweisen zu folgen. Auf diese Weise wird die Gefahr eines unkontrollierten
Navigierens verringert
(Gerdes URL 1).
In den Text eingebettete Verweise stören den Leseprozeß, da
ständig Navigationsentscheidungen getroffen werden müssen (siehe
Kap. 3.5.6.1). Hinzu kommt, daß
typographische Hervorhebungen normalerweise inhaltlich motiviert sind und
zum Verständnis des Textes beitragen. Typographische Hervorhebungen
von Ankern weisen dagegen nur auf Systemfunktionen hin (Irler 1991,
S. 139). Es ist jedoch nicht auszuschließen, daß auch
Ankermarkierungen bei der Lektüre zunächst unbewußt als
inhaltliche Betonung interpretiert werden. Dies beeinflußt und behindert
das Verstehen des Textes. Außerdem kommen Hervorhebungen, die
tatsächlich inhaltliche Funktion haben, weniger zur Geltung. Die
typographischen Gestaltungsmöglichkeiten für solche inhaltlichen
Hervorhebungen sind eingeschränkt, da es nicht zu einer Verwechslung
mit Ankern kommen darf [71] (Hofmann 1995,
S. 73, Rada 1991, S. 29, Nielsen 1990a, S. 108,
Hardman 1988, S. 447).
Eingebettete Verweise sind unmittelbar während der Lektüre
verfügbar. Dadurch werden Serendipity-Effekte, d. h. Abschweifungen
zu ganz anderen interessanten Informationen (Kuhlen 1991, S. 38),
begünstigt. Die Vorteile des elektronischen Mediums werden besser
ausgenützt und das "Hypertext-Feeling" (nach Nielsen 1990a,
S. 106) gesteigert. Außerdem wird das Entstehen einer
hypertextspezifischen Kohärenz begünstigt, da die Ankerstichworte
im Kontext bleiben. Die Leser können Zusammenhänge erkennen und
nachvollziehen, aus welchem Grund auf einen bestimmten Knoten verwiesen wird.
Dies erhöht die Verständlichkeit des Hypertextes, wie durch ein
Experiment bestätigt wurde (Vora, Helander und Shalin 1994,
S. 323-329), bei dem Versuchspersonen in einem Verstehenstest bessere
Ergebnisse erzielten, wenn die Verweise in den Text eingebettet waren.
Beim QM-Handbuch wurden die meisten Verweise sowohl
in den Text eingebettet als auch in einem getrennten Bereich zur Verfügung
gestellt:
In der Literatur wird immer wieder darauf hingewiesen, daß es sehr
wichtig ist, den Nutzern zu verdeutlichen, was sie am Zielpunkt eines Verweises
erwartet (z. B. Ansel Suter 1995, S. 141, Kuhlen 1991, S. 108, Hofmann 1995,
S. 41, Nielsen 1990a, S. 107). Bei Verweislisten kann dies durch textuelle
Erläuterungen geschehen, die allerdings nicht zu ausführlich sein
sollten
(Luckhardt
URL 1). Verweise, die in bereits existierende Texte eingefügt werden,
können nicht auf diese Weise erläutert werden. Es ist jedoch
möglich, die Benutzer über die Art des Verweises zu informieren.
Beim QM-Handbuch gab es z. B. Überlegungen
[72] , durch das Layout zu verdeutlichen,
ob es sich jeweils um einen intra-, inter- oder extrahypertextuellen Verweis
handelt [73]. Vor allem die Kennzeichnung
extrahypertextueller Verweise wäre sehr sinnvoll, da diese Verweise
nicht funktionieren, wenn das QM-Handbuch außerhalb des Intranet von
einer CD-ROM aufgerufen wird. Intrahypertextuelle Verweise sind immer dann
uninteressant, wenn die Lektüre des gesamten Knotens geplant ist.
Die folgende Tabelle zeigt, wie die Unterscheidung der Verweise realisiert
werden könnte: durch einen erläuternden Text in Klammern, durch
unterschiedliche Schriftarten (z. B. die Proportionalschrift Courier für
intrahypertextuelle Verweise, die serifenlose Schrift Arial für
extrahypertextuelle Verweise) oder dadurch, daß eine kleine Graphik
hinter den Verweis gesetzt wird (z. B. eine Weltkugel für
extrahypertextuelle Verweise ins Internet). Die graphische Hervorhebung ist
am aufwendigsten zu realisieren und problematisch für Browser, die nicht
graphikfähig sind. Die textuellen Erläuterungen können den
Lesefluß stören. Die typographische Hervorhebung ist am
unauffälligsten, es besteht aber die Gefahr, daß die Unterscheidung
von vielen Benutzern gar nicht wahrgenommen wird.
Es liegt nahe, die häufigste Verweisart, d. h. in den meisten Fällen
die interhypertextuellen Verweise, als Default zu betrachten und nicht zu
markieren. Die verschiedenen Methoden können natürlich kombiniert
werden (z. B. textuelle Hervorhebung intrahypertextueller Verweise, graphische
Hervorhebung extrahypertextueller Verweise).
| textuell | typographisch | graphisch | |
|---|---|---|---|
| intrahypertextuell | Dies betrifft auch die Server (s.o.) und Router (s.u.). | Dies betrifft auch die Server und Router. | Dies betrifft auch die
Server |
| interhypertextuell | Dies betrifft auch die Server. | Dies betrifft auch die Server. | Dies betrifft auch die Server. |
| extrahypertextuell | Dies betrifft auch die Server (EXTERN!)[74]. | Dies betrifft auch die Server. | Dies betrifft auch die
Server |
Tabelle 3.5.7-1: Methoden zur Kennzeichnung verschiedener Verweisarten
[70] Der alternative Ansatz des "Button-less
hypertext design" (Irler 1990, S. 267) ist bei HTML-Anwendungen
unüblich und nur mit großem Aufwand zu verwirklichen. Daher wird
hier nicht näher darauf eingegangen.
[71] Leider wird dies nicht immer beachtet:
So werden in HTML-Dokumenten manchmal Unterstreichungen zur Hervorhebung
verwendet, obwohl dies irritierend sein kann, da Verweise durch Unterstreichung
und blaue Farbe gekennzeichnet werden.
[72] Eine Realisierung war aus Zeitgründen
nicht möglich, wird jedoch auch weiterhin in Erwägung gezogen.
[73] Dies kann natürlich auch erkannt
werden, indem der Mauszeiger über den Verweis bewegt und die Statuszeile
beobachtet wird. Es ist jedoch angenehmer, wenn hierfür kein
zusätzlicher Aufwand nötig ist.
[74] Idee nach
Luckhardt
URL 2
[75] Idee nach dem AOLpress-Tutorial
(America
Online URL)