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3.5.7.2 Verweis-Dichte


Bei der Entwicklung einer Hypertextanwendung stellt sich die Frage, ob den Nutzern möglichst viele Verweise angeboten werden sollen oder ob es sinnvoll ist, die Zahl der Verweise zu beschränken.
Für eine hohe Verweis-Dichte spricht, daß eine solche Struktur dem Hypertext-Gedanken am nächsten kommt:
"We view hypertext as a philosophy of maximum access - giving the user freedom to access and explore as much information and metainformation as possible" (Bieber 1995, S. 102, Hervorhebung im Original). Nach dieser Position sollte der Autor keine Vorauswahl treffen, sondern den Lesern selbst in eigener Verantwortung die Entscheidung überlassen, welche Informationen für sie relevant sind. Allerdings besteht die Gefahr, daß die Leser mit dieser Freiheit überfordert sind. Jeder einzelne Verweis verlangt von ihnen eine Entscheidung über den weiteren Lesepfad. Diese Entscheidungsprozesse müssen zusätzlich zur eigentlichen Informationsaufnahme bewältigt werden und beanspruchen als eine Art "kognitive Fixkosten" ("cognitive overhead" Conklin 1991, S. 425f.[68]) stets einen Teil der Verarbeitungskapazität des Gehirns. Beim Einfügen von Verweisen muß der Nutzen des zusätzlichen Informationsangebotes und der Entscheidungsfreiheit des Lesers gegen diese "kognitiven Fixkosten" abgewogen werden.
Die optimale Verweis-Dichte hängt von verschiedenen Faktoren ab und kann nicht allgemeingültig festgelegt werden. Die untere Grenze liegt bei zwei Verweisen je Knoten (Ansel Suter 1995, S. 140, Krüger 1997, S. 40), da eine Wahlmöglichkeit gegeben sein sollte. Als obere Grenze gelten 7-10 Verweise pro Bildschirmseite (Ansel Suter 1995, S. 140, Tomek 1992, S. 114), da eine höhere Verweis-Dichte von Benutzern als störend (overwhelming) empfunden wird. Dies gilt allerdings nicht für Bookmark-Listen und ähnliche Zusammenstellungen.
Minicone Beim QM-Handbuch wurde bewußt darauf verzichtet, systematisch durch "Suchen und Ersetzen"[69] Verweise auf Glossar-Einträge einzufügen. Dies hätte an manchen Stellen die Verweis-Dichte und damit den "cognitive overhead" übermäßig erhöht, da jedem Vorkommen eines Stichwortes, auch mehrmals im selben Absatz, ein Verweis entsprechen würde.

[68] Für "cognitive overhead" findet man in der deutschsprachigen Literatur die Ausdrücke "kognitiver Ballast" (Kuhlen 1991, S. VIII, Ansel Suter 1995, S. 9), "kognitive Reizüberflutung" (Krüger 1997, S. 51) und "kognitive Überlastung" (Gerdes URL 2, Krüger 1992, S. 1503). Die wörtliche Übersetzung lautet allerdings "kognitive Fixkosten". "Cognitive overhead" ist demnach eine Metapher. (overhead="general business expenses (as rent or heating)" (Webster's 1996).
[69] Suchen nach jedem Vorkommen eines Stichwortes, Ersetzen durch einen Verweis auf den Glossareintrag zu diesem Stichwort.

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