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Labeled vs. unlabeled links


Labeled links [66] sind Verweise, bei denen durch ein "Label" (Name, Etikett) den Benutzern die Art der Beziehung zwischen den beteiligten Knoten verdeutlicht wird. Dies könnte ein Ausgleich dafür sein, daß es in Hypertexten nicht immer möglich ist, wie in konventionellen Texten den Zusammenhang zwischen einzelnen Informationseinheiten durch in den Text integrierte sprachliche Mittel zu verdeutlichen. Wenn z. B. zwischen zwei Informationseinheiten eine kausale Beziehung besteht, kann dies in einem konventionellen Text zum Ausdruck gebracht werden durch Konjunktionen ("da, weil"), Adverbien ("deswegen, daher"), überleitende Sätze ("Dies kann folgendermaßen begründet werden:") usw. Solche sprachlichen Mittel, die direkt in den Text integriert sind, stehen an der Grenze zwischen Hypertextknoten nur bedingt zur Verfügung, weil Knoten kohäsiv geschlossen sein müssen (Kuhlen 1991, S. 87) und weder mit Teilsätzen ("...,weil") noch mit sprachlichen Referenzen ("dies, folgendermaßen, deswegen") beginnen oder enden dürfen. Die einzige Möglichkeit besteht darin, durch sogenannte "syntactical links" (Myka 1995, S. 5) sowohl die Verweise als auch die Art der Beziehung sprachlich zum Ausdruck zu bringen (z. B. durch Sätze wie "Dies wird in Kapitel xy näher begründet"). Allerdings steht in Hypertexten mit den labeled links ein weiteres Mittel zur Verfügung, um den logischen Zusammenhang zwischen Informationseinheiten zu verdeutlichen. Labels beruhen natürlich auch auf Sprache, sind aber nicht syntaktisch in den eigentlichen Text eingebunden.
Labeled links können auf verschiedene Weise realisiert werden:


labeled links in der graphischen Übersicht

Abbildung 3.5.7-7: labeled links in der graphischen Übersicht (nach Vora 1994, S. 324)



labeled links durch Icons

Abbildung 3.5.7-8: labeled links durch Icons


Es gibt verschiedene Studien zu der Frage, ob es überhaupt notwendig bzw. sinnvoll ist, den semantischen Gehalt von Verweisen durch labeled links zum Ausdruck zu bringen:




Die Abweichungen in den Ergebnissen legen nahe, daß mehrere Fälle zu unterscheiden sind:

[66] Nicht zu verwechseln mit typed links, bei denen ebenfalls verschiedene Verweisarten unterschieden und benannt werden, bei denen es aber darauf ankommt, daß die Software die einzelnen Verweistypen unterschiedlich behandelt. Linktypen müssen also bereits bei der Entwicklung der Software vorgesehen werden, während Labels bei der Entwicklung einer Anwendung frei vergeben werden können.
[*] Nach einem Mausklick auf das Wort „Begründung" wird folgender Text angezeigt: „Paßwörter, die sowohl Buchstaben als auch Ziffern enthalten, bieten größeren Schutz gegenüber sogenannten Crack-Programmen, die sehr schnell hintereinander verschiedene Paßwörter an eine Login-Routine senden, um Zugriff unter einer fremden Benutzerkennung zu ermöglichen. Solche Programme arbeiten mit Zufallszahlen oder testen alle lexikalisierten Wörtern verschiedener Sprachen. Daher ist ein Paßwort wie ‘Rentier’ sehr viel leichter zu knacken als z. B. ‘Ren14tier’."
[67] Mit einigem Aufwand kann dies auch in HTML-Anwendungen realisiert werden: Zu jedem Verweis wird eine Seite angelegt, auf der durch ein Label die Art der Beziehung zwischen Ausgangs- und Zielknoten erklärt wird. Der Verweis zeigt auf diese Erklärungsseite, nicht auf den Zielknoten. Die Erklärungsseite wird für einige Sekunden angezeigt und dann automatisch durch den Zielknoten ersetzt. Dies wird erreicht, indem in den Head der Erklärungsseite folgende HTML-Zeile eingefügt wird: <meta http-equiv="Refresh" content="5; URL=Zielknoten.html">. Problematisch ist, daß die Erklärungsseite auch angezeigt wird, wenn mit der Back-Funktion des Browsers vom Zielknoten zum Ausgangsknoten zurückgekehrt wird (vgl. Stotts 1995, S. 6f.).

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