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3.5.6.2 Layout allgemein


Das Layout von Knoten ist für die Praxis des HTML-Publishing ein sehr wichtiges Thema. Allerdings entstehen dabei keine hypertextspezifischen Probleme. Es gelten dieselben Richtlinien wie für das Electronic Publishing allgemein, und diese Richtlinien unterscheiden sich wiederum kaum von denjenigen für die Gestaltung herkömmlicher Papierdokumente. In der Hypertextliteratur wird daher eher selten ausführlich auf das Layout eingegangen. Einzelne Aspekte werden jedoch immer wieder herausgegriffen. In diesem Abschnitt soll gezeigt werden, um welche Aspekte es sich dabei handelt.

Zur Einführung werden zunächst die wichtigsten, außerhalb der Hypertextforschung aufgestellten Layout-Regeln kurz zusammengefaßt:

  • Übertreibungen vermeiden:
    • höchstens 2-3 Schriftgrößen verwenden (Webschool URL)
    • nur 2 Schriftarten mischen (Roth URL 1)
    • höchstens 2-3 Schriftgestaltungsmittel (Fettdruck, Kapitälchen usw.) einsetzen (Webschool URL)
    • nur wenige Farben verwenden (Roth URL 2)
    • Layout durch unbedruckte Flächen (white space) auflockern (Schneider 1992, S. 25, Apple URL 2)
  • Seitenlayout, z. B. Überschriften und Hintergrund, einheitlich gestalten (Roth URL 2, Webschool URL)
  • Gliederung des Textes verdeutlichen (z. B. durch Leerzeilen und unterschiedliche Schriftgrößen bei Überschriften) (Schneider 1992, S. 36, Göpferich 1996/97, S. 42)
  • Schriftart und Schriftgröße dem Texttyp anpassen (Schneider 1992, S. 35)
  • psychologische Wirkung von Farben berücksichtigen (z. B. rot=Gefahr) (Roth URL 2)
  • Hervorhebung durch GROSSBUCHSTABEN (Versalienschreibweise) vermeiden (Göpferich 1996/97, S. 42), was im Internet besonders wichtig ist, weil dies dort als SHOUTING verrufen ist (Apple URL 2)


Interessanterweise werden in der Hypertextliteratur alle Aspekte angesprochen, die mit Farbe zu tun haben. Auch hier wird gefordert, Farben sparsam zu verwenden (höchstens fünf Farben pro Bildschirmseite) und die übliche Farbsymbolik zu berücksichtigen (Hofmann 1995, S. 68). Außerdem wird darauf hingewiesen, daß Farben nicht nur ästhetische Funktion haben, sondern auch zur Verdeutlichung von Zusammenhängen und Unterschieden zwischen einzelnen Elementen dienen können. ("color for a reason", Grice 1991, S. 41) (Hannemann 1992, S. 96, Hofmann 1995, S. 85). In diesem Fall muß darauf geachtet werden, daß für farbenblinde Benutzer[48] ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zur Verfügung steht (Grice 1989, S. 41, Hofmann 1995, S. 68). Den unbegründeten Einsatz von Farben lehnt Grice (1989, S. 41) ab, da die Benutzer seiner Meinung nach stets versuchen, Farben eine Bedeutung zuzuordnen.
Ein weiteres Thema, das auch in der Hypertextliteratur behandelt wird, ist die Auflockerung des Layouts durch unbedruckte Flächen. Grice (1989, S. 40) spricht von der "text density", die bei Online-Dokumenten noch geringer sein sollte als bei gedruckten Dokumenten.
Sehr häufig wird in der Hypertextliteratur betont, daß die Knoten in feste Bereiche eingeteilt werden sollten, so daß gleiche Elemente immer an der gleichen Stelle zu finden sind (Ventura 1990, S. 224, Hofmann 1995, S. 126). Hierzu kann wie bei gedruckten Dokumenten ein Layout-Raster definiert werden. Zum Beispiel wurde von Ansel Suter das in der nachfolgenden Abbildung gezeigte Raster verwendet, für das sie eine sehr interessante Begründung anführt:

In Analogie zu der Kopfzeile in Büchern wird strukturelle Information am oberen Rand (B) präsentiert. Die Positionierung reflektiert graphisch die Tatsache, dass alles, was dort angezeigt wird, auch hierarchisch über dem aktuellen Thema einzuordnen ist. Den Elementen, die von den Autoren themenspezifisch gestaltet werden, wird die grösste Fläche freigehalten (A). Diese wichtigen Elemente werden im linken Teil des Layouts angesiedelt, da die Lesebewegung im lateinischen Alphabet von links oben nach rechts unten verläuft. So fällt der Blick der Leser beim Blättern immer zuerst auf die Information, die sich geändert hat. Die immer gleichbleibenden Navigations- und Interaktionselemente werden dagegen in einem schmalen Bereich am rechten Rand zusammengefaßt (C). Dies kommt der Tatsache entgegen, dass die Mehrzahl der Benutzer als Rechtshänder die Computer-Maus mit der rechten Hand bedient. Maus und allgemeine Interaktionselemente liegen somit physisch rechts von den Inhalten (Ansel Suter 1995, S. 109).

Layout-Raster

Abbildung 3.5.6-1: Layout-Raster (Ansel Suter 1995, S. 109)

Beispiel für einen Knoten nach diesem Layout-Raster

Abbildung 3.5.6-2: Beispiel für einen Knoten nach diesem Layout-Raster (Ansel Suter 1995, S. 113)


Wenn für eine Hypertextanwendung Dokumente konvertiert werden, die bisher auf Papier vorlagen und in dieser Form genutzt wurden, so muß entschieden werden, inwieweit das vertraute Layout beibehalten wird. Hofmann empfiehlt hierzu, nur die wichtigsten, unumgänglichen Änderungen vorzunehmen, die von potentiellen Nutzern in Tests selbst vorgeschlagen werden (Hofmann 1995, S. 125). Auch Myka ist der Ansicht, daß die charakteristischen Merkmale der Originaldokumente möglichst weitgehend erhalten bleiben sollten (Myka 1995, S. 6).
Im HTML-Publishing sollte das Layout eigentlich nur eine untergeordnete Rolle spielen. Eigentlich ist es gerade der Grundgedanke von HTML, daß lediglich die Struktur eines Dokumentes durch Tags, d. h. Auszeichnungselemente wie <table>, <title>, <address>, <blockquote>, <strong> usw., beschrieben wird. Das konkrete Layout, z. B. die Gestaltung der verschiedenen Überschriften, wird dann vom Browser festgelegt. Seit das Internet verstärkt zur Imagepflege genutzt wird, geben sich viele Anbieter damit nicht mehr zufrieden. Mit verschiedenen Tricks[49] und durch die Verwendung physikalischer Auszeichnungselemente[50], die inzwischen die Tags zur logischen Strukturierung ergänzen, wird versucht, den Browsern das Layout weitgehend vorzugeben. Cascading Style Sheets sind der Höhepunkt dieser Entwicklung. Sie ermöglichen sogar Einzüge, Blocksatz, Kapitälchen, Unterlegungen und die freie Positionierung von Elementen.[51]
Minicone Für das QM-Handbuch wurde eine derart aufwendige Formatierung nicht für notwendig gehalten, weil es sich um eine informative Anwendung handelt. So wurden die Wahl der Schriftart und -größe sowie die Gestaltung der Überschriften, Aufzählungen, Verweisanker usw. "den Browsern überlassen". Dadurch entstehende Abweichungen vom Original-Layout wurden akzeptiert, da es nicht für notwendig gehalten wurde, dieses Layout streng nachzuahmen. Es sollte lediglich ein Anknüpfungspunkt zur bisherigen Form des QM-Handbuchs geschaffen werden. Hierfür genügte es, ein charakteristisches Merkmal zu übernehmen. Daher wurde die Einrückung des Fließtextes beibehalten:


Einrückung des Fließtextes im Vergleich zu den Überschriften

Abbildung 3.5.6-3: Einrückung des Fließtextes im Vergleich zu den Überschriften


Wie bereits in Kapitel 3.5.3 erwähnt, dienen Farben im QM-Handbuch als zusätzliche Orientierungshilfe und können somit als color for a reason angesehen werden. Das Einfügen von white space (z. B. vor Überschriften) wurde als selbstverständlich betrachtet und speziell in die Konfiguration des Konvertierprogrammes aufgenommen.
Auch der Gedanke des Layout-Rasters wurde berücksichtigt - allerdings nur, soweit dies ohne Frames möglich war. Mit Frames kann der Bildschirm in mehrere Bereiche eingeteilt werden. Ohne Frames gilt dies nur für Knoten als Ganzes. Wenn ein Knoten mehrere Bildschirmseiten umfaßt, sind nie alle Bereiche auf einmal zu sehen. Auch Navigations- und Orientierungselemente sind dann oft nur durch Scrollen erreichbar. Andererseits steht für die einzelnen Bereiche mehr Platz zur Verfügung.
Beim QM-Handbuch konnte auf Frames verzichtet werden, da zwischen Navigations- und Textknoten unterschieden wird. Auf den Navigationsseiten ist auch ohne Frames fast immer eine Navigationsleiste sichtbar, da diese Knoten eher klein sind (höchstens zwei Bildschirmseiten). Die Navigationsknoten der untersten Hierarchieebene enthalten detaillierte Inhaltsverzeichnisse, anhand derer die Benutzer jeweils prüfen können, ob das zugehörige Dokument ihren Vorstellungen entspricht. Erst nach dieser Prüfung verzweigen die Nutzer zu den Knoten mit dem Text des Dokumentes. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Lektüre des Textes. Ein ständig sichtbarer Navigationsframe würde eine Ablenkung darstellen und stets einen Teil der Bildschirmfläche in Anspruch nehmen, so daß noch häufiger gescrollt werden müßte.
Die Knoten des QM-Handbuchs wurden horizontal in die Bereiche Navigationsleiste - (Orientierungshilfe)[52] - Titel - Fließtext - (Orientierungshilfe) - Navigationsleiste eingeteilt (siehe Abbildung). Die Gestaltung der Orientierungshilfe(n) unterscheidet sich je nach Knoten-Art. Das Layout-Raster wurde nicht angewendet auf die Metainformationsknoten, da diese nur eine Ergänzung der Inhaltsknoten darstellen sollen.


Layout des QM-Handbuchs

Abbildung 3.5.6-4: Layout des QM-Handbuchs

[48] Dies betrifft ca. 8 % der Männer und 0,5 % der Frauen (ColorMax URL).
[49] z. B. Positionierung durch Tabellen oder transparente GIF-Bilder
[50] z. B. <font face="Arial", size="14", color="FF00EE">
[51] Die Implementierung in den aktuellen Browsern ist allerdings noch nicht sehr ausgereift (vgl. Behme 1997, S. 130-135). Von älteren Browsern werden Style Sheets ignoriert.
[52] nicht bei allen Knotentypen vorhanden

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