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Einführung

Das Wort "Navigation" geht zurück auf die lateinischen Substantive "navis" (Schiff) bzw. "navigatio" (Schiffahrt). Heute bezieht sich "Navigation" auch auf den Bereich der Luft- und Raumfahrt. Ein wichtiges Merkmal der modernen Navigation ist die Unterstützung durch das Global Positioning System (GPS). Dabei wird die aktuelle Position berechnet, indem Signale von Satelliten empfangen und ausgewertet werden (Beadles URL).

Navigation

Abbildung 3.5.4-1: Navigation (nach: http://www.navcen.uscg.mil/images/mainpageleftside.JPG,mainpagerightside.JPG)


Im übertragenen Sinn wird das Wort "Navigation" in der Hypertextforschung verwendet. "Navigation" wird dabei oft von "Browsing" abgegrenzt. Allerdings herrscht hier eine Begriffsverwirrung, die so weit geht, daß Woodhead schreibt: "Several commentators have taken pains to distinguish these two modes [navigation and browsing], yet have then confused the issue by using the terminology of one to describe the other" (Woodhead 1991, S. 102)[29]. Im weitesten Sinn bezeichnet "Navigation" ganz allgemein die Fortbewegung bzw. Informationssuche in einem Hypertextnetz. In diesem Sinn wird das Wort "Navigation" in dieser Arbeit verwendet. Es handelt sich um den Oberbegriff für alle Arten der Suche und Bewegung in einem Hypertext. Systemkomponenten, die die Navigation unterstützen, indem sie es den Benutzern ermöglichen, zu einer bestimmten Informationseinheit zu gelangen, heißen "Navigationshilfen". Beispiele für Navigationshilfen sind Verweislisten (Inhaltsverzeichnisse, Indizes), Suchsysteme, Guided Tours usw.



Anzahl der Navigationshilfen

Bei der Entwicklung einer Hypertextanwendung ist zunächst zu klären, ob es grundsätzlich sinnvoll ist, möglichst viele Navigationshilfen anzubieten, oder ob eine Beschränkung auf nur wenige Navigationshilfen günstiger ist.
Für den Einsatz vieler verschiedener Navigationshilfen spricht, daß es auch viele verschiedene Navigationsstrategien gibt. Verschiedene Navigationshilfen könnten verschiedene Ziele und Gewohnheiten der Benutzer unterstützen. Während sich zum Beispiel die einen Benutzer mit der Struktur des Hypertextnetzes auseinandersetzen, da sie über ein hierarchisches Inhaltsverzeichnis auf bestimmte Informationen zugreifen, bevorzugen andere Benutzer die Stichwortsuche. Für diese Benutzer spielt die Struktur des Hypertextes überhaupt keine Rolle, sie konzentrieren sich nur auf dessen Inhalt. Diese Art der Navigation bezeichnet man als "inhaltsorientierte Navigation" oder "Searching". Man grenzt sie ab von der "strukturorientierten Navigation" oder dem "Browsing". Das englische Wort "Browsing" steht in der Grundbedeutung für das Grasen von Kühen auf der Weide. Beim gemütlichen Grasen bewegen sich die Kühe nicht geradlinig von einem Punkt der Weide zu einem anderen, sondern sie decken eine größere Fläche ab. Es kommt nicht darauf an, auf dem kürzesten Weg zu einem bestimmten Zielpunkt zu gelangen, sondern darauf, unterwegs möglichst viel Gras "mitzunehmen". Dieser Aspekt ist es, der bei der übertragenen Bedeutung des Wortes "Browsing" im Vordergrund steht: Es kommt darauf an, während der Navigation möglichst viele Informationen "mitzunehmen", und zwar auch solche, nach denen man eigentlich gar nicht gesucht hat. Es kommt zu neuen Entdeckungen, und es wird, wie beim Abgrasen einer Weide, ein breiteres Feld abgedeckt. Im Gegensatz dazu ermöglichst es z. B. ein gutes Suchsystem, ohne Ablenkung und ohne Umwege direkt zu den gesuchten Informationen zu gelangen. Dies ist zwar effizienter, hat aber den Nachteil, daß keine Chance besteht, zufällig auf andere interessante Aspekte zu stoßen. Beim Browsing hingegen werden immer zusätzliche Informationen aufgenommen. Man kann nun noch unterscheiden, ob eine solche Aufnahme nicht gesuchter Informationen das eigentliche Ziel der Navigation oder nur ein Nebeneffekt ist. Im ersten Fall spricht man von "assoziativem Browsing" oder "Serendipity Browsing", im zweiten Fall von "gerichtetem Browsing" oder "Search Browsing"[30]. Beim gerichteten Browsing geht es dem Benutzer eigentlich nur darum, eine ganz bestimmte Information zu finden. Daß er dabei gleichzeitig auch auf andere Informationen stößt, war von ihm nicht beabsichtigt. Ein solches "Mitnehmen" anderer Informationen bezeichnet man als "Browsing-Effekt" (Kuhlen 1991, S. 128). Eine Steigerung hiervon ist der "Serendipity[31]-Effekt" (Kuhlen 1991, S. 129): In diesem Fall sind die neu entdeckten Informationen so interessant, daß der Benutzer zu einem anderen Thema abschweift. Der Unterschied zwischen Browsing- und Serendipity-Effekt ist, daß der Benutzer beim Serendipity-Effekt sein ursprüngliches Informationsziel aus den Augen verliert, während er es beim Browsing-Effekt weiterverfolgt.

Es führt manchmal zu Verwirrung, daß sowohl der Browsing- als auch der Serendipity-Effekt beim gerichteten Browsing auftreten, nicht aber beim assoziativen Browsing, das doch auf Englisch als „Serendipity Browsing" bezeichnet wird (siehe auch Abb. 3.5.4-2). Der Zusammenhang wird aber deutlich, wenn man „Serendipity" mit „Abwesenheit eines Informationsziels" gleichsetzt und sich klar macht, daß das assoziative Browsing von vornherein auf Serendipity beruht, während beim gerichteten Browsing Serendipity nur als unbeabsichtigter und teilweise sogar unerwünschter „Effekt" auftritt. Analog dazu kann man beim assoziativen Browsing nicht von einem Browsing-„Effekt" sprechen, da das Browsing hier ganz bewußt gewählt wird und mehr ist als nur ein Effekt. Die Begriffe „Browsing-Effekt" und „Browsing" als Art der Navigation dürfen nicht miteinander verwechselt werden. In Abb. 3.5.4-2 taucht das Wort „Browsing" zweimal auf: rechts oben als Art der Navigation und links unten als Effekt.

Bei der Verfolgung seines Informationsziels kann der Benutzer verschiedene Strategien anwenden. Parunak (1989, S. 43f.) erläutert einige dieser Strategien anhand ihrer Entsprechung aus dem Bereich der geographischen Navigation:
Die primitivste Strategie ist die Identifier Strategy. Dem Suchenden ist dabei lediglich ein eindeutiges Merkmal seines Zieles bekannt. Er muß nun das gesamte in Frage kommende Gebiet nach diesem Merkmal absuchen. Parunak nennt das Beispiel eines Hubschrauberpiloten, der ein Haus mit einem neongelben Stern auf dem Dach finden soll. In einer ähnlichen Situation befindet sich ein Informationssuchender, dem gesagt wird: "Auf dem Webserver des FASK Germersheim gibt es eine Seite mit dem Titel `Informationen zur EDV'." Natürlich liegt es nahe, sich nicht mit solchen Angaben zufriedenzugeben, sondern nach dem genauen Ort zu fragen. Auf diese Frage sind verschiedene Antworten denkbar. Die erste Möglichkeit ist, den Weg zu beschreiben: "Folge immer der Hauptstraße und biege bei der Kirche links ab." bzw. "Wähle auf der Homepage den Verweis `Computeranlagen für Forschung und Lehre' und klicke dort auf `fachliche Informationen.'" Ein solches Vorgehen bezeichnet Parunak als Path Strategy.
Eine Alternative hierzu ist die Address Strategy, d. h. die Angabe der genauen Adresse: "Das Haus befindet sich in der Fischerstraße 6, D-12 345 Kleineningen." bzw. "Die URL ist http://www.fb06.uni-mainz.de/cafl/fachlich.html."
Parunak nennt noch zwei weitere Strategien, die allerdings bei der Hypertextnavigation kaum eine Rolle spielen. Es handelt sich um die Direction Strategy (Angabe der Richtung) und die Distance Strategy (Angabe der Entfernung). Die beiden Strategien werden oft kombiniert: "Fliege noch 10 km nach Südosten." Bei der Hypertextnavigation spielen diese Strategien deshalb keine Rolle, weil dort nicht in einem realen Raum navigiert wird und daher Richtungen und Entfernungen an sich keine Bedeutung haben. Man kann ihnen allerdings mit Hilfe einer graphischen Übersicht eine Bedeutung geben. Dennoch ist es unwahrscheinlich, daß man aufgefordert wird: "Suche Deinen Standort in der graphischen Übersicht. Bewege Dich nun auf dem dritten Ast von links zwei Hierarchieebenen abwärts."
Bei der Hypertextnavigation kommt allerdings oft eine andere Strategie zum Einsatz, die man als "logische Strategie" bezeichnen könnte und die im realen Raum nur in Ausnahmefällen angewendet werden kann, da der reale Raum nur in Ausnahmefällen logisch aufgebaut ist. Es steckt zum Beispiel keinerlei Logik hinter der Tatsache, daß Frankfurt nördlich von Stuttgart liegt. Wer dies nicht weiß, kann es nicht durch logische Schlußfolgerungen herausfinden. Er muß vielmehr auf einer Karte nach beiden Orten suchen. In einem Hypertext, der von seinem Autor bewußt strukturiert wurde, ist es dagegen durchaus möglich, den richtigen Weg durch "Mitdenken" zu finden. Man kann z. B. davon ausgehen, daß in einem hierarchisch strukturierten Hypertext allgemeinere Informationen hierarchiehöher angesiedelt sind als speziellere Informationen und daß Informationen über Betriebssysteme in der Rubrik "EDV" zu finden sind und nicht in der Rubrik "Biologie".
Die "logische Strategie" wird von Parunak nicht erwähnt, da er sich auf Strategien konzentriert, die auch bei der geographischen Navigation eine Rolle spielen. Sie ist jedoch eine der wichtigsten Strategien des ungerichteten Browsing.

Es ist üblich, auch beim assoziativen Browsing, dem nicht zielgerichteten Herumstöbern in einem Hypertext, verschiedene Strategien zu unterscheiden, obwohl man hier strenggenommen gar nicht von "Strategien" sprechen kann. Denn unter einer Strategie versteht man einen "genaue[n] Plan des eigenen Vorgehens, der dazu dient, ein [...] Ziel zu erreichen" (Duden). Das charakteristische Merkmal des assoziativen Browsing ist jedoch gerade das Fehlen von konkreten Informationszielen und damit auch von Plänen zum Erreichen solcher Ziele. Natürlich werden auch mit dem assoziativen Browsing bestimmte Ziele verfolgt, diese sind jedoch viel allgemeiner und erfordern keine Ausarbeitung genauer Pläne:
Beim sog. Wandering geht es z. B. einfach nur darum, irgendwelche interessanten Informationen zu entdecken. Etwas konkreter ist das Scanning, bei dem ein größeres Gebiet oberflächlich abgedeckt werden soll. Ähnlich ist die Situation beim Exploring, wo es allerdings weniger auf die Inhalte ankommt als auf den Umfang und die Art der Informationen des Hypertextes.
Diese Unterscheidung verschiedener Browsing-Strategien geht auf Canter 1985 zurück und wurde von McAleese (1989b) auf Hypertext übertragen[32].
In der folgenden Abbildung sind alle erwähnten Navigationsstrategien noch einmal zusammengestellt.


Navigationsstrategien

Abbildung 3.5.4-2: Navigationsstrategien


Es sollte deutlich geworden sein, daß viele verschiedene Arten der Navigation existieren. Daraus ergibt sich das Argument, daß die verschiedenen Arten der Navigation durch verschiedene Navigationshilfen unterstützt werden sollten. Besonders sinnvoll könnte es sein, inhalts- und strukturorientierte Navigationshilfen zu kombinieren. Dies wird in der Tat von sehr vielen Autoren befürwortet. Es wird argumentiert, daß die Nutzer häufig genau wissen, was sie suchen, und darauf möglichst direkt zugreifen möchten. Es kommt nun aber erfahrungsgemäß bei der Informationssuche oft zu Problemen und zu Orientierungsschwierigkeiten (Halasz 1988, S. 842, Malcolm 1991, S. 21). Dies liegt daran, daß die einzelnen Navigationshilfen nicht perfekt sein können und daß auch die Autoren nicht allwissend sind und daher z. B. keine Struktur entwickeln können, die für alle Benutzer unmittelbar einleuchtend ist (Brown 1992, S. 68). Aufgrund dieser Schwächen der einzelnen Zugriffsmethoden ist es sinnvoll, mehrere Methoden zu kombinieren, die einander ergänzen und ihre Schwächen gegenseitig ausgleichen können (Ansel Suter 1995, S. 107f.). Lucarella formuliert schlicht: "the two approaches [Browsing (hypertext) / Searching (conventional retrieval)] serve different goals and, just for that, it is reasonable to combine them together." (Lucarella 1990, S. 83). Ebenso Brown: "[...] the reader should have all the tools that can be reasonably provided, and if these tools are orthogonal to one another, all the better." (Brown 1992, S. 68). Besonders wichtig ist dies in großen, heterogen strukturierten und für die Benutzer nicht mehr überschaubaren Hypertexten (Halasz 1998, S. 842, Nielsen 1990, S. 137). Die Kombination inhalts- und strukturorientierter Navigationshilfen bietet sich außerdem dann an, wenn der Autor die zukünftigen Benutzer und deren Aufgaben nicht kennt (Schwabe 1995, S. 20) oder wenn er verschiedene Benutzerklassen berücksichtigen möchte (Krüger 1990, S. 46).
Es gibt natürlich auch Aspekte, die gegen eine solche Kombination verschiedenartiger Navigationshilfen sprechen. In erster Linie ist hier der erhöhte Aufwand bei der Entwicklung der Hypertextanwendung zu nennen (Mackinlay 1995, S. 180). Ein zweites Argument liefern Edwards und Hardman (1989). Sie haben in einem Experiment untersucht, ob es vorteilhafter ist, den Benutzern eines Hypertextes nur inhaltsorientierte, nur strukturorientierte oder sowohl inhalts- als auch strukturorientierte Navigationshilfen zur Verfügung zu stellen. In dem Experiment haben diejenigen Versuchspersonen, denen beide Arten von Navigationshilfen zur Verfügung standen, eindeutig am schlechtesten abgeschnitten. Sie arbeiteten am wenigsten effizient, hatten die ungenauesten Vorstellungen von der Struktur des Hypertextes und verloren am häufigsten die Orientierung. Edwards und Hardman führen dies darauf zurück, daß die Benutzer beim Aufbau eines mentalen Modells gestört werden, wenn sie zwischen inhalts- und strukturorientierter Navigation wechseln: "Taken together, these results suggest that there is something about the form of the Mixed hypertext that makes it inherently more difficult to use than the others. Perhaps this difficulty is a result of the continual disruption of attempts by subjects at forming survey-type cognitive maps of the hypertext." (Edwards 1989, S. 117). Interessant ist, daß dieses Problem nicht auftritt, wenn ein Hypertext mehrfach strukturiert wird und die Benutzer über verschiedene Strukturen auf die gesuchten Informationen zugreifen können. Dies ergab ein Experiment von Vora, Helander und Shalin (1994). Sie legten Versuchspersonen einen Hypertext vor, bei dem die Navigation ausschließlich mit Hilfe von graphischen Übersichten erfolgte und die Benutzer zwischen mehreren graphischen Übersichten, denen verschiedene Strukturen zugrundelagen, wählen konnten. Die Benutzer kamen damit sehr gut zurecht, und es schien nicht zu Konflikten zwischen verschiedenen mentalen Modellen zu kommen.
Ein weiteres Argument gegen die Kombination inhalts- und strukturorientierter Navigationshilfen ist, daß der Cognitive Overhead zunimmt (Cunliffe 1997, S. 88, Ansel Suter 1995, S. 108, Krüger 1990, S. 90), da die Benutzer sich immer wieder für die richtige Navigationshilfe entscheiden müssen und die Bedienung der verschiedenen Navigationshilfen lernen müssen. Man erkennt hier einen Konflikt, den man als "Konflikt Optionen-Einfachheit" bezeichnen könnte und der bei jeder Art von Software auftritt: Je mehr Optionen zur Verfügung stehen, desto komplizierter wird die Bedienung. Einfachheit ist jedoch ein sehr wichtiges Kriterium der Usability (Handhabbarkeit).[33] Andererseits kann durch zusätzliche Optionen die Funktionalität eines Programmes erweitert werden, was natürlich ebenfalls positiv zu bewerten ist. Man darf nicht den Fehler machen, das Wort "user-friendly" nur noch in der Bedeutung "friendly to the novice user" zu gebrauchen. Wie Engelbart betont, müssen auch die Bedürfnisse fortgeschrittener Benutzer berücksichtigt werden (Vannini 1994, S. 21). Daher ist es wichtig, einen guten Kompromiß zwischen Optionen und Einfachheit zu finden. Man muß sich die Tatsache bewußt machen, daß jede zusätzliche Option weniger Vorteile erbringt ("law of diminishing returns" Marchionini 1988, S. 79, Krüger 1990, S. 91). Eine Möglichkeit zur Reduktion des Konfliktes zwischen Optionen und Einfachheit besteht darin, zusätzliche Optionen hinter einem Advanced-Button zu verstecken oder nur in einem Expertenmodus zugänglich zu machen.

Advanced Button

Abbildung 3.5.4-3: Advanced Button


zusätzliche Optionen

Abbildung 3.5.4-4: zusätzliche Optionen


Abschließend soll hier noch einmal betont werden, daß trotz der genannten Gegenargumente (zusätzlicher Aufwand, Behinderung des Aufbaus mentaler Modelle, abnehmende Einfachheit) die Kombination inhalts- und strukturorientierter Navigationshilfen von den meisten Hypertextforschern befürwortet wird (vgl. Mackinlay 1995, S. 179: "Most researchers believe these two approaches complement each other. The open question is how to combine them synergistically.").


Minicone Daher wurden auch beim QM-Handbuch inhalts- und strukturorientierte Navigationshilfen kombiniert. Den Benutzern sollten möglichst viele Navigationshilfen zur Verfügung gestellt werden. Ein Grund hierfür war auch, daß es beim QM-Handbuch verschiedene Benutzerklassen gibt, die die Struktur des QM-Handbuches unterschiedlich gut kennen und für die daher verschiedene Navigationsstrategien geeignet sind:

Das Argument von Edwards, daß bei einer Kombination inhalts- und strukturorientierter Navigationshilfen der Aufbau eines mentalen Modelles behindert werden könnte, spielt beim QM-Handbuch auch deshalb keine so große Rolle, weil das mentale Modell über die graphischen Übersichten aufgebaut werden kann. Außerdem verfügen alle Benutzer des QM-Handbuches als Mitarbeiter einer Softwarefirma über Erfahrung mit Hypertextanwendungen, wovon Edwards im Jahr 1989 nicht ausgehen konnte.
Da es sich ausschließlich um erfahrene Benutzer handelt, mußte beim QM-Handbuch auch nicht aus Gründen der Einfachheit auf zusätzliche Optionen verzichtet werden. Die Informationssuche sollte vielmehr mit allen Mitteln unterstützt werden. Schließlich war die Erleichterung der Informationssuche das Ziel der Konvertierung des QM-Handbuches.




Nach der grundsätzlichen Entscheidung, ob eher viele oder wenige Navigationshilfen zur Verfügung gestellt werden sollen, folgt im nächsten Schritt die Wahl der geeigneten Navigationshilfen.




Arten von Navigationshilfen

Nach Gloor gibt es sieben Kategorien von Navigationshilfen:


Klassifikation von Navigationshilfen nach Gloor

Abbildung 3.5.4-5: Klassifikation von Navigationshilfen nach Gloor
http://www.birkhauser.com/hypermedia/cyb24.gif

[29] Auf die Diskussion um verschiedene Definitionen von Navigation und Browsing wird hier nicht eingegangen, da in dieser Arbeit praxisrelevante Fragen im Vordergrund stehen sollen.
[30] Die deutschen Ausdrücke wurden von Kuhlen (1991, S. 128-131) geprägt, die englischen von Cove und Walsh (1988, zit. nach Ansel Suter 1995, S. 12).
[31] Serendipity wird definiert als "the faculty of making fortunate discoveries of things you were not looking for". Das Wort wurde 1754 von dem englischen Schriftsteller Horace Walpole geprägt und geht zurück auf das persische Märchen "The Three Princes of Serendip". Serendip ist eine alte Bezeichnung für die Insel Sri Lanka. Das Märchen handelt von drei Prinzen, die sich auf Wanderschaft befinden und dabei ständig neue, unverhoffte Entdeckungen machen (Webster URL).
[32] Canter und McAleese nennen noch zwei weitere Strategien: Searching und Browsing. Diese beiden Strategien gehören jedoch nicht zum assoziativen Browsing. Searching entspricht der inhaltsorientierten Navigation, Browsing steht hier für das gerichtete Browsing.
[33] Dies wird deutlich, wenn man sich die fünf Faktoren ansieht, aus denen sich nach Nielsen (1990, S. 143) die Usability zusammensetzt: "1) Easy to learn", "2) Efficient to use", "3) Easy to remember", "4) Few errors", "5) Pleasant to use".

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