Agenten |
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Agenten sind Programme, die sich an ihre Umwelt anpassen
können und daher ansatzweise intelligent zu sein scheinen. Sie kommen
nicht immer zu den gleichen Ergebnissen, sondern nehmen Ereignisse in ihrer
Umgebung wahr und reagieren darauf. Oft sind sie sogar zu proaktivem Verhalten
fähig, d. h. sie machen Aufträge, die vom Benutzer an sie
herangetragen werden, scheinbar zu ihren eigenen Zielen und stellen Pläne
auf, um diese Ziele zu erreichen. Agenten handeln flexibel und autonom
(Wagner 1997).
Für Hypertextsysteme sind zwei Arten von Agenten interessant: affektive
Benutzerschnittstellen und autonome Assistenten.
Affektive Benutzerschnittstellen sollen Computerprogrammen
einen persönlichen Anstrich geben. Die Benutzer werden nicht mit
nüchternen Dialogfenstern konfrontiert, sondern kommunizieren mit animierten
Comicfiguren, die in jeder Situation geeignete Tips zu geben versuchen. Das
bekannteste Beispiel ist die Büroklammer von Microsoft Office 97
(offiziell "Karl Klammer" genannt).
Solche Bildschirmcharaktere sind vor allem geeignet, um Anfängern mit
Vorbehalten und Ängsten den Einstieg in die EDV zu erleichtern. Sie
wirken sympatischer als unpersönliche Dialogfenster und ermöglichen
durch Mimik und Körpersprache auch non-verbale Kommunikation. Für
Experten können sie allerdings ein großes Ärgernis sein,
da sie sich mit als dumm empfundenen Vorschlägen in deren eigene Arbeit
einmischen. Unter Experten wird im Internet die Frage diskutiert: "How do
I get that brain-dead Office Assistant to leave me alone?"
(Schulman URL)[38]. Vorsicht ist also geboten. Die Assistenten sollten
abschaltbar sein oder sich zumindest sehr stark an den Kenntnisstand des
jeweiligen Benutzers anpassen.
Autonome Assistenten haben keine Auswirkung auf die Benutzeroberfläche,
sondern erledigen selbständig bestimmte Aufgaben für den Benutzer.
Ein Beispiel ist der Web-Einkaufsassistent Jango
(Excite URL).
Er durchsucht sämtliche Online-Shops, die ein bestimmtes Produkt im
Angebot haben, und liefert eine Preisübersicht.
Abbildung 3.5.4-20: Einkaufsassistent Jango
Agenten können Benutzern helfen, sich in einem Hypertext zurechtzufinden.
Die Firma FunArts, die für Microsoft die Office-97-Assistenten entworfen
hat, bietet die Entwicklung ähnlicher Assistenten auch für private
Websites an
(FunArts URL)[39]. Die Assistenten könnten die Besucher z. B.
darüber informieren, was sich hinter den einzelnen Verweisen verbirgt,
und Vorschläge für die weitere Navigation machen - vielleicht sogar
in Abhängigkeit vom bisher zurückgelegten Weg innerhalb der Website.
Auf solchen Vorschlägen für die weitere Navigation liegt der
Schwerpunkt bei dem Forschungssystem Letizia
(Lieberman
URL 1, 2).
Letizia nützt die Zeit, die der Websurfer für die Lektüre
einer geladenen Seite benötigt, um nach weiteren
Navigationsmöglichkeiten zu suchen und diese in einem eigenen Fenster
zu präsentieren. Der Benutzer kann gleichzeitig browsen und die Vorteile
eines Suchsystemes ausnutzen, ohne seine Aufmerksamkeit dem Suchsystem zuwenden
zu müssen. Letizia legt während des Browsens ein Benutzerprofil
an, das auch abgespeichert und vor der nächsten Sitzung wieder geladen
werden kann. Beim Suchen wird der Inhalt der Webseiten, auf die direkt und
indirekt von der aktuellen Seite verwiesen wird, mit den Interessensgebieten
des Benutzers, wie sie sich aus dem Profil ergeben, verglichen. Um den Inhalt
einer Seite zu beurteilen, wird nach Wörtern gesucht, die auf dieser
Seite häufig, im allgemeinen Wortschatz aber eher selten vorkommen
(TFIDF - term frequency times inverse document
frequency).
Abbildung 3.5.4-21: Letizia http://lieber.www.media.mit.edu/people/lieber/Lieberary/Letizia/AIA/AIA-fg2.gif
Ein drittes Beispiel für einen Navigationsagenten ist der sogenannte
"Surf Monkey". Er ist Bestandteil eines Browsers, der speziell für Kinder
entwickelt wurde und ein kindgerechtes Surfen im Internet ermöglichen
soll. Die Funktion des Agenten wird anhand des folgenden Zitates, in dem
Surf Monkey den Kindern vorgestellt wird, deutlich:
Duck and cover, Internet users... Surf Monkey is GO! But what is Surf Monkey? He's a peer. He's a pal. He's the liveliest Internet guide a child could ever wish for. Surf Monkey is the newest and best way to access the Internet if you're a kid. Had some problems getting on the Internet in the past? No worries! Surf Monkey is there to assist you every step of the way. And once he's sure that you have a solid connection and everything's been properly installed, he'll put you in control of a rocket ship that's ready to take you to the farthest reaches of the Internet, and beyond! Surf Monkey is more than a guide and helper; he's a buddy who's eager to share the fun of the Internet experience with you. He'll take you to cool and interesting places and help out when the Internet gets a little too weird or complicated to handle by yourself. He'll sympathize with you when downloading a page seems to take forever, and entertain you with wisecracking comments and amusing actions. One single Surf Monkey is way more fun than a barrel of regular monkeys. Cybot Surf Monkey will never say "no" to you, but every once in a while somebody's got to be the Voice of Authority. In Surf Monkey's world, that voice belongs to Cybot, a robot from Cyberspace Control whose job it is to block access to unsuitable Internet content. He's pedantic to the extreme (MediaLive URL).
Die wichtigste Funktion von Surf Monkey ist es, die Interaktion zwischen
Kind und Computer sympatischer zu gestalten und dem Browser eine kindgerechte
Oberfläche zu geben. Es handelt sich also um ein Beispiel für eine
affektive Benutzerschnittstelle. Gleichzeitig soll Surf Monkey die Kinder
bei der Navigation unterstützen, indem er interessante bzw. lehrreiche
Webseiten vorschlägt, Error-Meldungen erläutert und Wartezeiten
mit eigenen Kommentaren überbrückt. Ob Surf Monkey als autonomer
Assistent gelten kann, der ähnlich wie Letizia mit Hilfe von Heuristiken
nach geeigneten Webseiten sucht, oder ob er nur gespeicherte Listen abarbeitet,
ging aus den Produktbeschreibungen nicht hervor.
Ein Agent zur Unterstützung der Navigation
bietet sich natürlich eher für Hypertextanwendungen an, die
größer und nicht so ernst sind wie ein QM-Handbuch. Da die
Verwirklichung dieses Ansatzes ohne Programmieraufwand ohnehin nicht
möglich ist, schied er für das QM-Handbuch von vornherein aus.
Die folgende Abbildung faßt zusammen, welche Navigationshilfen für
das QM-Handbuch zur Verfügung stehen und für welche Situation die
einzelnen Navigationshilfen geeignet sind:
Übersicht:
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Abbildung 3.5.4-23: Navigationshilfen im QM-Handbuch
[38] "Rename the Actors folder at
<Drive:>\Program Files\Microsoft Office\Office\Actors to Dead_Actors."
(Schulman URL).
[39] "Having worked for several years on
the development of synthetic actors and the software that controls them,
FunArts is now able to create online animated characters with perceived
intelligence that support rich and believable interactions. There is no more
forward-thinking way to differentiate your site"
(FunArts URL).