previous next Up Title Contents Index

Index (Similarity)      
         Index

Unter einem Index versteht man eine alphabetisch geordnete Liste von Schlüsselwörtern. Ein Index kann zwei Funktionen erfüllen:
Zum einen stellt er eine Verbindung zwischen ähnlichen Dokumenten her. Wenn ein Indexeintrag auf mehrere Seiten verweist, kann davon ausgegangen werden, daß diese Seiten etwas miteinander zu tun haben, wird doch in ihnen das gleiche Stichwort zumindest erwähnt. Mit Hilfe eines Indexes können also ähnliche Seiten gefunden werden. Dies kann sogar automatisiert werden und ist ein beliebter Ansatz zur maschinellen Erstellung von Verweisen. Dabei werden einfach diejenigen Seiten miteinander verknüpft, die gemeinsame Indexeinträge enthalten (Gloor URL 3).
Zum anderen ermöglicht es ein Index mit Hypertextfunktionalität, unmittelbar auf die Seiten zuzugreifen, die zu einem bestimmten Stichwort aufgeführt sind. Mit Hilfe eines Indexes kann man also ähnlich wie mit Hilfe eines Suchsystems direkt zu relevanten Stellen springen, ohne sich mit der Struktur des Hypertextes auseinandersetzen zu müssen. Der Index gehört daher zu den inhaltsorientierten Navigationshilfen. Dies hat den Nachteil, daß Strukturzusammenhänge zwischen Knoten nicht deutlich werden. Es kann zu Orientierungsproblemen kommen, da sich die Benutzer plötzlich an einer ganz anderen, ihnen unbekannten Stelle des Hypertextnetzes befinden. Der Vorteil liegt darin, daß der Zugriff auf die gesuchten Informationen beschleunigt werden kann und daß weniger Navigationsschritte erforderlich sind als etwa bei der Informationssuche über hierarchische Inhaltsverzeichnisse (siehe Abbildung).


weniger Navigationsschritte bei Verwendung eines Indexes
Abbildung 3.5.4-17: weniger Navigationsschritte bei Verwendung eines Indexes (Krüger 1990, S. 65)


Im Vergleich zu einem Suchsystem liefert ein Index in der Regel weniger Stellen, die dann aber zu einem größeren Teil relevant sind. Dies gilt natürlich nur, wenn der Index zumindest teilweise von Hand erstellt wurde und die Seiten, auf die verwiesen wird, sorgfältig ausgewählt wurden (von einem Menschen, nicht von einer Maschine). Bietet der Index nur eine Auflistung aller Seiten, in denen die einzelnen Stichwörter vorkommen, so entspricht das Ergebnis genau dem eines primitiven Suchsystems.
Ob ein Index eine gute Navigationshilfe darstellt, wird in der Literatur unterschiedlich bewertet. Es wurden mehrere empirische Untersuchungen durchgeführt, aus denen sich kein einheitliches Bild ergab:
In einem Experiment von Hammond und Allinson (1989, zit. nach Nielsen 1990a, S. 134) erzielten die Versuchspersonen nur geringfügig bessere Ergebnisse, wenn ihnen ein Index zur Verfügung stand. Das Verhältnis zwischen Knoten, die zum ersten Mal besucht wurden und Knoten, die die Benutzer bereits gesehen hatten und zu denen sie wieder zurückkehrten, änderte sich allerdings deutlich: War ein Index vorhanden, so war der Anteil an neuen, noch nicht besuchten Knoten signifikant größer. Dies deutet auf eine effektivere Navigation hin, da Wiederholungen vermieden werden.
Negativ bewertet wurde der Index in einer Studie von Simpson (1989, zit. McKnight 1991, S. 80). Die Studie ergab, daß der Zugriff über hierarchische Inhaltsverzeichnisse vorteilhafter ist als der Zugriff über einen alphabetischen Index.
Ein Versuch von Campagnoni und Ehrlich (1989, S. 279) ergab, daß bei der Beantwortung von 6 Fragen der zur Verfügung stehende Index nur für weniger als zwei (1,92) Fragen genutzt wurde. Durchschnittlich konnten 1,6 Fragen mit Hilfe des Indexes korrekt beantwortet werden.
Wright und Lickorish (1990, zit. nach Rouet 1992, S. 137) kamen nach einem Experiment zu dem Ergebnis, daß für unterschiedliche Situationen unterschiedliche Navigationshilfen geeignet sind. Sie legten ihren Versuchspersonen zwei verschiedene Hypertexte vor. Beim ersten Hypertext führte die Verwendung des Indexes zu kürzeren Zugriffswegen und zu einer besseren Bewertung. Beim zweiten Hypertext hing es von der Art der Fragen ab, ob diese mit oder ohne Index besser beantwortet werden konnten.

Die Untersuchungen zeigen, daß ein Index nicht eindeutig positiv oder negativ zu bewerten ist, sondern daß er in manchen Fällen nützlich ist und in anderen nicht. Insbesondere kommt es darauf an, wie erfahren die Benutzer sind und wie gut sie mit dem Index umgehen können.
Bei der Verwendung eines Indexes müssen zwei Schwierigkeiten bewältigt werden: Erstens muß man bereits eine Vorstellung davon haben, unter welchem Stichwort man im Index nachschauen kann. Zweitens muß man, wenn mehrere Indexeinträge in Frage kommen, aus dem Eintrag auf den Inhalt des jeweiligen Knotens schließen, um möglichst schnell auf den richtigen Knoten zuzugreifen. Dies können erfahrene Benutzer besser leisten als Anfänger, so daß sich ein Index für erfahrene Benutzer eher lohnt als für Anfänger.

Minicone Da das QM-Handbuch ausschließlich von erfahrenen Benutzern verwendet wird, lag es nahe, einen Index zur Verfügung zu stellen. Der Index wurde von Hand erstellt. Dabei wurden die Stichwörter nur den Überschriften entnommen, der Fließtext wurde nicht ausgewertet. Dies hat den Nachteil, daß einige relevante Stellen nicht über den Index zu finden sind. Es hat aber den Vorteil, daß alle Stellen, auf die im Index verwiesen wird, mit hoher Wahrscheinlichkeit relevant sind.

previous next Up Title Contents Index