Hierarchie |
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Hierarchischer Zugriff bedeutet, daß der Benutzer
mit Hilfe mehrerer Inhaltsverzeichnisse navigiert, die immer detaillierter
werden. Auf der Einstiegsseite werden nur wenige Wahlmöglichkeiten geboten.
Hat sich der Benutzer auf dieser Einstiegsseite für einen Verweis
entschieden, so gelangt er wieder zu einem Inhaltsverzeichnis, auf dem das
von ihm gewählte Thema weiter aufgeschlüsselt ist. Dieser Vorgang
kann sich über mehrere Hierarchieebenen fortsetzen, bis der Benutzer
schließlich zu den von ihm gesuchten Informationen gelangt.
Der hierarchische Zugriff wurde in empirischen Untersuchungen recht positiv
bewertet (vgl. Edwards 1989, S. 119, Simpson 1989,
Vail 1989, S. 412). Er hat den Vorteil, daß er einfach zu
erlernen und zu verwenden ist. Die Benutzer müssen nicht etwa komplizierte
Suchanfragen stellen, sondern nur eine aus mehreren vorgegebenen
Möglichkeiten auswählen. Sie brauchen sich auch nicht an die
Terminologie des Fachgebietes zu erinnern, sondern können die gesuchten
Informationen durch Wiedererkennen finden (Landauer 1993, S. 80).
Außerdem sind Inhaltsverzeichnisse den Benutzern aus der klassischen
gedruckten Literatur bekannt
(Gerdes
URL 1, Gloor
URL 4). Allerdings kann Einfachheit auch Nachteile mit sich bringen:
In manchen Fällen ist der einfachere Weg zeitaufwendiger und bedeutet
eine Einschränkung der
Flexibilität[36]. So sind beim
hierarchischen Informationszugriff unter Umständen deutlich mehr
Navigationsschritte notwendig als bei einem direkten Zugriff über Index,
Suchsystem oder graphische Übersicht
(siehe Abb. 3.5.4-17).
Außerdem kann die Flexibilität beeinträchtigt sein, wenn
der Benutzer gezwungen ist, der Hierarchie zu folgen und keine
"Abkürzungen" zu Informationen wählen kann, deren Position ihm
bekannt ist (Krüger 1990, S. 66). Die Einfachheit des
hierarchischen Zugriffs darf andererseits auch nicht überschätzt
werden. In vielen Sachgebieten ist eine eindeutige hierarchische Kategorisierung
nicht möglich. Es kann dann für die Benutzer schwierig sein, die
Kategorisierung des Autors nachzuvollziehen und den richtigen Weg zu den
gesuchten Informationen zu finden (Krüger 90, S. 66,
Landauer 1993, S. 80).
Gute Voraussetzungen für einen hierarchischen Zugriff hat ein Benutzer
dann, wenn er sich erstens so weit mit dem Sachgebiet auskennt, daß
er eine Vorstellung von der möglichen Einordnung der gesuchten Informationen
hat, wenn es zweitens in dem Sachgebiet eine allgemein akzeptierte und relativ
eindeutige Kategorisierung gibt und wenn der Leser drittens mit dem Hypertext
bereits vertraut ist (Landauer 1993, S. 80). Je unterschiedlicher
sich das Sachgebiet kategorisieren läßt, desto wichtiger ist es
für die erfolgreiche Nutzung des hierarchischen Zugriffs, daß
der Leser die Struktur des Hypertextes kennt. Es konnte auch ganz allgemein
gezeigt werden, daß bei einem hierarchischen Zugriff die Zeit, die
für die Lösung bestimmter Aufgaben benötigt wird, deutlich
abnimmt, je länger die Benutzer mit dem Hypertext arbeiten
(Edwards 1989, S. 116f.).
Beim QM-Handbuch treffen diese Voraussetzungen
zumindest für einen Teil der Benutzer zu. Allein für diese Benutzer
lohnt es sich, einen hierarchischen Zugriff anzubieten. Hinzu kommt, daß
das QM-Handbuch an sich schon hierarchisch strukturiert ist und daß
es daher mehr als ungewöhnlich wäre, diese Hierarchie nicht als
Navigationshilfe auszunutzen. Die folgenden Abbildungen zeigen die immer
mehr ins Detail gehenden Inhaltsverzeichnisse der drei Ebenen des
QM-Handbuchs.
Abbildung 3.5.4-14: |
Abbildung 3.5.4-15: |
Abbildung 3.5.4-16: |
[36] Ein Beispiel hierfür aus dem täglichen Leben ist die Entscheidung, ob der Hauptstraße gefolgt wird oder ob ein kürzerer Schleichweg gewählt wird. Es ist einfacher, der Hauptstraße zu folgen, da keine Gefahr besteht, sich zu verirren. Gleichzeitig kann es zeitaufwendiger sein, da mehr Kilometer zurückgelegt werden müssen.