Unter Breadcrumbs versteht man die Kennzeichnung bereits
gelesener Knoten. In HTML-Anwendungen wird dies dadurch realisiert, daß
die Anker derjenigen Verweise, die zu bereits gelesenen Knoten führen,
eine andere Farbe annehmen (standardmäßig werden diese Verweise
durch violette Farbe gekennzeichnet, während Verweise zu neuen Knoten
blau sind).
Die Orientierungshilfe der Breadcrumbs (dt. "Brotkrümel") erhielt ihren
Namen in Anlehnung an das Märchen "Hänsel und Gretel" von den
Gebrüdern Grimm
(Grimm URL).
Darin streuen Hänsel und Gretel, die von ihren Eltern tief in den Wald
geführt und dort ausgesetzt werden, Brotkrümel entlang des Weges.
Die Brotkrümel sollen es ihnen ermöglichen, den Weg zurück
zu ihrem Elternhaus zu finden.
In Hypertext können Breadcrumbs diese Funktion aus zwei Gründen
nicht so ohne weiteres erfüllen: Erstens ist es in Hypertexten mit
unidirektionalen Verweisen nur in Ausnahmefällen möglich, auf demselben
Weg zum Ausgangspunkt zurückzukehren, auf dem man gekommen ist. Zweitens
wird in Hypertexten häufig so intensiv navigiert, daß sich an
manchen Stellen mehrere "Spuren von Brotkrümeln" kreuzen. Konkret
heißt dies, daß man von einem bestimmten Hypertextknoten aus
zu mehreren bereits gelesenen Knoten verzweigen kann. Es ist also
nicht möglich, anhand der Breadcrumbs zu erkennen, welches derjenige
Rückweg ist, den man zum gegenwärtigen Zeitpunkt einschlagen
möchte.
Breadcrumbs sind jedoch auch in Hypertexten sehr nützlich, da sie helfen
können, unerwünschte Wiederholungen zu vermeiden, d. h.
unbeabsichtigt mehrmals denselben Knoten zu besuchen (Wright 1989,
S. 160, Nielsen 1990b, S. 303, Kuhlen 1991, S. 158).
Im Märchen Hänsel und Gretel allerdings verfehlten die Brotkrümel
letztendlich doch ihren Sinn, da sie von Vögeln weggepickt wurden. In
Hypertextsystemen ist häufig ein derartiges "Wegpicken" ebenfalls
implementiert (Bernstein 1991, S. 43,
Gloor
URL 2): Im HTML-Browser Netscape werden z. B. die violetten
Verweise nach Ablauf einer bestimmten Zeitspanne wieder blau. Dadurch soll
vermieden werden, daß die Anzahl der als gelesen markierten Knoten
zu groß wird. Schließlich ist damit zu rechnen, daß sich
nach einer gewissen Zeit der erneute Besuch eines Knotens wieder lohnt, da
man sich an den Inhalt des Knotens nicht mehr erinnern kann oder da sich
der Inhalt geändert hat.