durch Gruppierung von Knoten |
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Einzelne Knoten können zu beliebigen Gruppen oder Clustern
zusammengefaßt werden. Im Extremfall des Spatial Hypertext kommt
eine Struktur nur noch durch solche Gruppierungen von Knoten in einer graphischen
Übersicht zustande (siehe
Abb. 3.5.4-18), Verweise spielen keine Rolle mehr (Marshall 1995,
S. 88-96).
Knotengruppen, die von der Software als solche erkannt werden, so daß
sich Änderungen des Layouts auf alle beteiligten Knoten gleichzeitig
auswirken können, bezeichnet man auch als composite
nodes (vgl. Halasz 1988, S. 843-845).
Wenn bereits bestehende Dokumente für eine Hypertextanwendung konvertiert
werden sollen, kann es sinnvoll sein, die Originalstruktur beizubehalten.
Dies gilt vor allem dann, wenn den zukünftigen Benutzern die
Originalstruktur bekannt ist oder wenn Hypertext- und Papierversion parallel
verwendet werden sollen. In diesen Fällen würden Abweichungen in
der Struktur die Benutzer verwirren. Außerdem haben Änderungen
den Nachteil, daß der Aufwand für die Konvertierung zunimmt
(McKnight 1991, S. 90, 126, McKnight 1990, S. 282).
In der Literatur wird immer wieder darauf hingewiesen, daß es für
die Benutzer einer Hypertextanwendung sehr wichtig ist, eine Vorstellung
von deren Struktur zu haben (vgl. Ansel Suter 1995, S. 86,
Kuhlen 1991, S. 124). Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom
Aufbau mentaler Modelle. Der Begriff des mentalen Modells
stammt ursprünglich von dem Kognitionswissenschaftler Johnson-Laird
(Johnson-Laird 1983, zit. nach Carlson 1990) und wird in der
Hypertextforschung wie folgt verwendet:
A mental model is a cognitive representation of a problem situation or system that is active in the sense that it can take inputs from the external world and return predictions of effects for those inputs. It can thus be "run" internally and the results used to make decisions about actions. Mental models allow us to both understand problem situations and predict consequences of actions contemplated for solving problems. Users develop mental models for systems through reading documentation, training, experience with systems, and comparing them with previously encountered systems" (Marchionini 1988, S. 72).
Mentale Modelle ermöglichen es den Nutzern einer Hypertextanwendung,
besser vorherzusehen, wohin die einzelnen Verweise führen. Daher
können sie angemessenere Navigationsentscheidungen treffen. Außerdem
gelingt es ihnen mit größerer Wahrscheinlichkeit, ihre jeweilige
Lage im Hypertextnetz richtig einzuschätzen und einen Orientierungsverlust
zu vermeiden (Edwards 1989, S. 122). In einem Experiment ergab
sich außerdem eine höhere Zufriedenheit bei Benutzern, die ein
mentales Modell von der Struktur des eingesetzten Hypertextes aufgebaut hatten
(Edwards 1989, S. 122).
Beim QM-Handbuch wurde
daher besonderer Wert darauf gelegt, allen Benutzern den Aufbau eines mentalen
Modells zu ermöglichen: Dessen Struktur wurde nicht nur in den Hilfe-Dateien
beschrieben und durch graphische Übersichten veranschaulicht, sondern
auch auf der Homepage als Logo abgebildet und erläutert (siehe
Kap. 3.5.6.5). Da der Einstieg ins
QM-Handbuch in der Regel über die Homepage erfolgt, werden auf diese
Weise zwangsläufig alle Benutzer mit einer Darstellung der Struktur
konfrontiert. Der Aufbau mentaler Modelle wird dadurch erleichtert.
Die hierarchische Grundstruktur des QM-Handbuchs, d. h. die Einteilung
in 9 Rubriken[21], wurde auch in der
Hypertextversion beibehalten. Dadurch sollte die Kontinuität im Hinblick
auf die Papierversion gewährleistet und Verwirrung vermieden werden.
Es galt allerdings auch, die Vorteile von Hypertext auszunutzen. Daher wurde
die hierarchische Grundstruktur um folgende Besonderheiten ergänzt:
Die Inhaltsverzeichnisse jeweils derselben Ebene wurden über
kreisförmige Pfade miteinander verbunden. Dies sollte es den Benutzern
ermöglichen, mehrere Inhaltsverzeichnisse nacheinander durchzusehen,
ohne ständig zur nächsthöheren Ebene zurückkehren zu
müssen. Das Durchsehen mehrerer Inhaltsverzeichnisse ist für diejenigen
Benutzer sinnvoll, die keine geeigneten Stichwörter für eine
Volltextsuche finden und die auch nicht wissen, wo die von ihnen gesuchten
Informationen eingeordnet sein könnten. Kreisförmige Pfade führen
dazu, daß eine dreidimensionale Struktur entsteht: Geht man von einer
zweidimensionalen hierarchischen Baumstruktur aus und bewegt jeweils den
ersten und letzten Knoten einer Ebene aufeinander zu, so entsteht ein
dreidimensionaler Kegel. In Anlehnung an die Termini "Hypercube" und "Hypertorus"
(Parunak 1989, S. 46) habe ich diesen Kegel als
"Hypercone[22]"
bezeichnet. Er bringt sowohl zyklische als auch hierarchische
Struktureigenschaften zum Ausdruck: Sein Querschnitt ist ringförmig
(daher zyklisch) und wird nach unten hin immer größer (daher
hierarchisch). Daß die Anzahl der Hierarchieebenen begrenzt und genau
definiert ist, kann verdeutlicht werden, indem jeder Hierarchieebene eine
andere Farbe zugeordnet wird. Beim QM-Handbuch ist die oberste Ebene blau,
die mittlere violett und die untere grau. Die Farbintensität nimmt von
oben nach unten ab. Dies hängt damit zusammen, daß die Farben
des Hypercone gleichzeitig den zugehörigen HTML-Seiten als Hintergrund
zugewiesen wurden. Die Benutzer sollten stets an der Hintergrundfarbe erkennen
können, auf welcher Hierarchieebene sie sich befinden. Allerdings haben
Hintergrundfarben den Nachteil, daß sie vom Text ablenken. Daher wurden
die hierarchietiefen Seiten, die viel Text enthalten, mit einem
unauffälligen Grau hinterlegt, während auf den hierarchiehohen,
leicht zu überblickenden Seiten ein blauer Hintergrund vertretbar ist.
In der folgenden Abbildung erkennt man, daß sich unterhalb des eigentlichen
Kegels ein kleiner grauer Sockel befindet. Dieser soll verdeutlichen, daß
die grau dargestellte Ebene aus zwei Teilen besteht: den Inhaltsverzeichnissen
und den eigentlichen Texten.
Die Inhaltsverzeichnisse wurden von den Texten getrennt und in eigene Dateien
gespeichert, da sie auf diese Weise sehr schnell geladen werden können.
Sie ermöglichen es den Benutzern, sich eine Vorstellung vom Inhalt der
jeweils zugehörigen Textdatei zu machen. In manchen Fällen können
sie auf diese Weise bereits im Voraus erkennen, daß die gesuchten
Informationen darin vermutlich nicht enthalten sind. Das zeitaufwendige Laden
nicht relevanter Texte kann dadurch vermieden werden.
Inhaltsverzeichnisse und Texte gehören eng zusammen, da jedem
Inhaltsverzeichnis genau ein Text entspricht. Von jedem Inhaltsverzeichnis
aus können die Benutzer jeweils nur zu einem bestimmten Text gelangen.
Eine Wahlmöglichkeit zwischen mehreren Texten besteht nicht. Da die
Anzahl der Texte gleich groß ist wie die Anzahl der Inhaltsverzeichnisse,
bleibt auch in der Darstellung des Hypercone der Durchmesser des
Kegelquerschnittes konstant. Der Kegel wird nach unten hin nicht breiter,
sondern erhält den oben erwähnten Sockel.
Die enge Zusammengehörigkeit von Texten und Inhaltsverzeichnissen wird
auch durch die Zuordnung derselben Farbe (grau) zum Ausdruck gebracht.
Abbildung 3.5.1-2: Hypercone
Anhand des "Hypercone" lassen sich nur die wichtigsten Aspekte der Struktur
des QM-Handbuchs beschreiben. Hinzu kommen noch folgende Besonderheiten,
die aus der Darstellung des "Hypercone" nicht hervorgehen:
Ein Dokument des QM-Handbuchs besteht nicht nur aus Text und
Inhaltsverzeichnissen, sondern auch aus drei Tabellen mit Informationen
über das Dokument selbst ("Metainformationen").
Dabei handelt es sich um Bearbeitungsinformationen,
Bearbeitungsliste und
Referenzdokumente (siehe Abbildungen). Zu den
Bearbeitungsinformationen gehört z. B. der Name des Autors und
das Datum, ab dem das Dokument gültig ist. In der Bearbeitungsliste
werden Änderungen des Dokumentes protokolliert. Referenzdokumente sind
diejenigen Dokumente, auf die im Text verwiesen wird. Derartige Metainformationen
sind für Benutzer, die sich für den Inhalt eines Dokumentes
interessieren, in vielen Fällen irrelevant. Daher wurden sie in eigene
Dateien ausgelagert, so daß nur noch diejenigen Benutzer damit konfrontiert
werden, die dies ausdrücklich wünschen und die die entsprechenden
Verweise aktivieren.
Abbildung 3.5.1-3: |
Abbildung 3.5.1-4: |
Abbildung 3.5.1-5: |
Metainformationen, Text und Inhaltsverzeichnis eines Dokumentes gehören
eng zusammen. Die zugehörigen Knoten bilden daher ein Cluster (eine
Gruppe). Es wurde versucht, den Benutzern diese Tatsache graphisch zu
verdeutlichen:
Abbildung 3.5.1-6: Cluster
Die bisher beschriebene Struktur des QM-Handbuchs bildet lediglich ein
Grundgerüst. Sie ist nicht in dem Sinn zu verstehen, daß nur Verweise
möglich sind, die zur Verwirklichung dieser Struktur beitragen.
Zusätzlich zu solchen organisatorischen Verweisen, die den Benutzern
des QM-Handbuchs die Navigation entlang hierarchischer oder kreisförmiger
Pfade ermöglichen, wurden bei Bedarf auch Verweise auf beliebige andere
Zielpunkte innerhalb des QM-Handbuchs eingefügt ("referentielle
Querverweise", Ansel Suter 1995, S. 90). Die Struktur sollte dazu
beitragen, den Hypertext übersichtlich zu gestalten und die Navigation
zu erleichtern. Sie sollte jedoch nicht dessen Flexibilität
einschränken und zu einem Verzicht auf sinnvolle Querverweise
führen.
[21] Qualitätsmanagement-Handbuch,
Qualitätsmanagement-Richtlinien, Handbuch Prüfungen und Tests,
Handbuch Projektentwicklung, Handbuch Systementwicklung, Handbuch Dokumentation,
Handbuch Service und Wartung, Handbuch Consulting/Vertrieb, PD-LAN Handbuch
(=Handbuch zum firmeninternen Computernetz).
[22] cone: engl. Kegel