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2.2.5 Informatik


Der informationstechnisch orientierte Zweig der Hypertextforschung befaßt sich mit der Programmierung von Hypertextsystemen. Es werden verschiedene Architekturen ausgearbeitet, d. h. es wird überlegt, wie die Programme aufgebaut sein können. Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten. Zunächst muß man sich klarmachen, daß ein Hypertextsystem vier Hauptfunktionen zur Verfügung stellen muß:


Funktionen in Hypertextsystemen
Abbildung 2.2.5-1: Funktionen in Hypertextsystemen
(stark vereinfacht nach der Flag Taxonomy,
Østerbye 1996, S. 130
)


Es müssen nicht nur der Inhalt (d. h. die eigentlichen Texte) gespeichert werden, sondern auch die Verweise. Während der Inhalt dann einfach nur am Bildschirm angezeigt wird, handelt es sich bei Verweisen um Handlungsanweisungen, die noch "in die Tat umgesetzt" werden müssen: Wenn der Benutzer einen Verweis aktiviert, muß das Anzeigemodul dies dem Umsetzungsmodul mitteilen. Das Umsetzungsmodul muß auf die gespeicherten Verweisinformationen zugreifen, um herauszufinden, wohin der Verweis führt. Dann muß es dem Anzeigemodul mitteilen, daß dieses die Anzeige des aktuellen Knotens beenden soll und welchen neuen Knoten es nun zu öffnen hat.
Obwohl vier Funktionen zu unterscheiden sind, besteht kaum ein Hypertextsystem aus vier einzelnen Modulen, sondern es werden immer mindestens zwei Funktionen zusammengefaßt. Es gibt nun mehrere Möglichkeiten, welche Funktionen zusammengefaßt werden können (Østerbye 1996, S. 130):


Monolithic Monolithic: Alle Funktionen werden von einem Modul übernommen.
Hyperbase Hyperbase: Ein Modul ist zuständig für die gesamte Speicherung - sowohl von Inhalt als auch von Verweisen. Das Anzeigemodul kann nicht direkt auf den gespeicherten Inhalt zugreifen, alles läuft über das Umsetzungsmodul.
Embedded Link Embedded Link: Verweise und Inhalt werden zusammen in einer Datei gespeichert und können daher auch nur zusammen ausgewertet werden. Dies gilt z. B. für HTML-Dateien.
Link Server Link Server: Ein unabhängiges Modul ist zuständig für Speicherung und Anzeige des Inhaltes. Hinzu kommt der Linkserver, der die Verweise sowohl speichert als auch umsetzt.
Open Hyperbase

Abbildung 2.2.5-2: Architekturen von Hypertextsystemen (Østerbye 1996, S. 130)

Open Hyperbase: Der Schwerpunkt liegt hier auf der Tatsache, daß das Anzeigemodul völlig unabhängig ist. Es kann sich z. B. um Microsoft Word handeln. Diesem Anzeigemodul wird nun durch ein zusätzliches Programm Hypertextfunktionalität hinzugefügt. Die Speicherung des Inhalts kann entweder vom Anzeigemodul übernommen werden, wenn er dazu in der Lage ist, oder diese Funktionalität wird ebenfalls durch das zusätzliche Programm hinzugefügt.


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