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2.1.9 Die Zukunft von Hypertext


Es ist immer schwierig, Prognosen über die Zukunft neuer Technologien aufzustellen. Im Fall von Hypertext kann man jedoch mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, daß dessen Bedeutung weiter zunehmen wird (Nielsen 1995, S. 333). Allerdings nur in dem Sinn, daß Hypertext Bestandteil von immer mehr Anwendungen sein wird. Aus der Sicht der Benutzer wird Hypertext eher aus dem Bewußtsein verschwinden und immer weniger Beachtung finden; denn in Zukunft wird Hypertext zu einer immer größeren Selbstverständlichkeit werden und daher von den Benutzern überhaupt nicht mehr als Besonderheit registriert.
Das Aktivieren von Verweisen wird in Zukunft noch mehr vereinfacht. Dies wird möglich durch zwei neue Techniken: Spracherkennungssysteme und hyperbolische Benutzeroberflächen.
Spracherkennungssysteme ermöglichen es, Software mit gesprochener Sprache zu bedienen. Das Sprachsignal des Benutzers wird mit einem Mikrophon aufgenommen, digitalisiert und nach einem bestimmten Klassifikationsverfahren ausgewertet. Spracherkennung kann Hypertext insbesondere auch denjenigen Benutzern zugänglich machen, die aufgrund einer Behinderung nicht mit Maus und Tastatur umgehen können.
Unter hyperbolischen Benutzeroberflächen versteht man Benutzeroberflächen, die dreidimensional wirken und die auf Blicke des Benutzers reagieren. Die Augenbewegungen des Benutzers werden mit Hilfe einer in den Bildschirm eingebauten Kamera verfolgt. Fixiert der Benutzer ein Objekt, z. B. das Icon eines Programmes, so rückt dieses Objekt scheinbar in den Vordergrund. Fixiert der Benutzer das Icon länger, so wird das Programm gestartet. Auf dieselbe Weise können natürlich auch Verweise aktiviert werden: "Envision a PC that lets you trace a series of hyperlinked documents as you glance at the keywords" (Mauth 1997, S. 3). Der Prototyp einer solchen Benutzeroberfläche wurde am Heinrich-Hertz Institut (HHI) in Berlin entwickelt (HHI URL).
Wenn diese Technik gut funktioniert, wäre dies ein großer Schritt in Richtung eines Zieles, das 1996 von Marc Nanard formuliert wurde:

A hypertext is an interface which should completely hide the computer. The reader "interacts" only with "responsive documents". I would conclude with a single thought: if the computer is still obvious in an application, it is probably not yet a true hypertext application! So, we still have a long way to go (Nanard 1996, S. 16).

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