Es ist immer schwierig, Prognosen über die Zukunft neuer Technologien
aufzustellen. Im Fall von Hypertext kann man jedoch mit ziemlicher Sicherheit
davon ausgehen, daß dessen Bedeutung weiter zunehmen wird
(Nielsen 1995, S. 333). Allerdings nur in dem Sinn, daß Hypertext
Bestandteil von immer mehr Anwendungen sein wird. Aus der Sicht der Benutzer
wird Hypertext eher aus dem Bewußtsein verschwinden und immer weniger
Beachtung finden; denn in Zukunft wird Hypertext zu einer immer
größeren Selbstverständlichkeit werden und daher von den
Benutzern überhaupt nicht mehr als Besonderheit registriert.
Das Aktivieren von Verweisen wird in Zukunft noch mehr vereinfacht. Dies
wird möglich durch zwei neue Techniken:
Spracherkennungssysteme und hyperbolische
Benutzeroberflächen.
Spracherkennungssysteme ermöglichen es, Software mit gesprochener Sprache
zu bedienen. Das Sprachsignal des Benutzers wird mit einem Mikrophon aufgenommen,
digitalisiert und nach einem bestimmten Klassifikationsverfahren ausgewertet.
Spracherkennung kann Hypertext insbesondere auch denjenigen Benutzern
zugänglich machen, die aufgrund einer Behinderung nicht mit Maus und
Tastatur umgehen können.
Unter hyperbolischen Benutzeroberflächen versteht man
Benutzeroberflächen, die dreidimensional wirken und die auf Blicke des
Benutzers reagieren. Die Augenbewegungen des Benutzers werden mit Hilfe einer
in den Bildschirm eingebauten Kamera verfolgt. Fixiert der Benutzer ein Objekt,
z. B. das Icon eines Programmes, so rückt dieses Objekt scheinbar
in den Vordergrund. Fixiert der Benutzer das Icon länger, so wird das
Programm gestartet. Auf dieselbe Weise können natürlich auch Verweise
aktiviert werden: "Envision a PC that lets you trace a series of hyperlinked
documents as you glance at the keywords" (Mauth 1997, S. 3). Der
Prototyp einer solchen Benutzeroberfläche wurde am Heinrich-Hertz Institut
(HHI) in Berlin entwickelt
(HHI URL).
Wenn diese Technik gut funktioniert, wäre dies ein großer Schritt
in Richtung eines Zieles, das 1996 von Marc Nanard formuliert wurde:
A hypertext is an interface which should completely hide the computer. The reader "interacts" only with "responsive documents". I would conclude with a single thought: if the computer is still obvious in an application, it is probably not yet a true hypertext application! So, we still have a long way to go (Nanard 1996, S. 16).