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2.1.4 Das Wort "Hypertext"


Noch vor der Entstehung des Internet, im Jahr 1965, prägte Theodor Nelson das Wort "Hypertext": "Let me introduce the word `hypertext' to mean a body of written or pictorial material interconnected in such a complex way that it could not conveniently be presented or represented on paper" (Nelson 1965, S. 96). Man erkennt, daß zwei Bedingungen erfüllt sein müssen, damit ein Text als Hypertext gelten kann:

  1. "interconnected": Der Text ist nicht linear, sondern eingeteilt in mehrere Untereinheiten, die von den Lesern in einer von ihnen gewählten Reihenfolge rezipiert werden können. Dies bedeutet, daß die Lektüre je nach Interesse ganz unterschiedlich verlaufen kann. Die Untereinheiten des Textes werden meist als Knoten, manchmal aber auch einfach als Dokumente, Seiten, Webseiten oder sogar als Dateien bezeichnet. Kuhlen (1991) spricht außerdem von "informationellen Einheiten", Landow (1993) von "lexias". Die Knoten sind normalerweise[4] durch sogenannte Verweise (auch "Links" oder "Hyperlinks" genannt) miteinander verbunden.
  2. "not [...] on paper": Von Hypertext spricht man nur, wenn die Verknüpfung der Texteinheiten mit Hilfe eines Computerprogrammes realisiert wird. Texte, die ebenfalls zahlreiche Querverweise enthalten und in der Regel nicht linear gelesen werden, die aber nur auf Papier vorliegen, werden als Proto-Hypertexte bezeichnet. Beispiele hierfür sind die Bibel, ein Lexikon oder auch Romane wie Ulysses von James Joyce (Ansel Suter 1995, S. 10f.).


Konkret stellt sich Hypertext dem Benutzer so dar, daß bestimmte Textstellen besonders gekennzeichnet sind (im WWW sind z. B. bestimmte Wörter blau und unterstrichen). Wenn der Benutzer auf eine solche Textstelle klickt, wird ein neues Dokument geladen, das nähere Informationen zu der gekennzeichneten Textstelle enthält. Man sagt, der Benutzer "folgt einem Verweis". Das neue Dokument wird auch als "Knoten" bezeichnet, die gekennzeichneten Textstellen nennt man "Anker". Ein Knoten kann nicht nur Schrift und Graphiken, sondern auch akustische Informationen oder Filme enthalten. Soll dieser multimediale Aspekt betont werden, spricht man statt von "Hypertext" auch von "Hypermedia".
Theodor Nelson prägte nicht nur das Wort "Hypertext", sondern hatte auch die Vision, alle Veröffentlichungen der Welt zu einem vernetzten "Docuverse" zusammenzufassen. Technisch sollte dies mit Hilfe des Publikationssystems Xanadu verwirklicht werden, an dessen Entwicklung nun schon seit über 30 Jahren gearbeitet wird (Gromov URL 2, Ansel Suter 1995, S. 23f.). Die Ziele des Projektes Xanadu werden wie folgt zusammengefaßt:

The Xanadu Australia formal problem definition is: We need a way for people to store information not as individual "files" but as a connected literature. It must be possible to create, access and manipulate this literature of richly formatted and connected information cheaply, reliably and securely from anywhere in the world. Documents must remain accessible indefinitely, safe from any kind of loss, damage, modification, censorship or removal except by the owner. It must be impossible to falsify ownership or track individual readers of any document. This system of literature (the "Xanadu Docuverse") must allow people to create virtual copies ("transclusions") of any existing collection of information in the system regardless of ownership. In order to make this possible, the system must guarantee that the owner of any information will be paid their chosen royalties on any portions of their documents, no matter how small, whenever and wherever they are used (Pam URL).


Im selben Jahr, in dem Theodor Nelson den Begriff Hypertext prägte, erfand Douglas Engelbart, ebenfalls Hypertextforscher, die Computer-Maus. Damit schuf er eine wichtige Voraussetzung für die Benutzung von Hypertext in der heutigen, bequemen Form.

[4] In neueren Ansätzen werden Verweise überflüssig, weil die Knoten von einer graphischen Übersicht aus erreicht werden können. Zwei zusammengehörige Knoten werden dann dadurch miteinander verbunden, daß sie in der graphischen Übersicht nebeneinander dargestellt werden (Spatial Hypertext, Marshall 1995).

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