Das im vorigen Abschnitt erhaltene Ergebnis, daß die Präsentationsreihenfolge bei Wortpaaren für das Assoziieren offenbar keine Rolle spielt, ermöglicht es, diese Variable bei der Simulation zu vernachlässigen, und die Assoziationstabellen von Versuchsdurchgang A und B zu einer 31 Versuchspersonen umfassenden Gesamttabelle zusammenzufassen. Diese wird zum Überprüfen der Simulationsergebnisse verwendet.
Nach dem Assoziationsgesetz wäre es naheliegend, zur
Bestimmung der Assoziationen zu Wortpaaren diejenigen
Stellen des Textkorpus auf Kookkurrenzen hin zu
analysieren, an denen beide Wörter zusammen vorkommen.
Da bei realisierbaren Korpusgrößen
jedoch schon bei Einzelwortstimuli ernsthafte Sparse-Data-Probleme
auftreten, die sich bei mehreren Stimuluswörtern vervielfachen,
ist diese Vorgehensweise nicht zweckmäßig.
Der hier realisierte Ansatz zur Berechnung der Assoziationen
auf Wortpaare beruht darauf, diese auf die Assoziationen
zu den beiden Einzelwortstimuli zurückzuführen. Unter den vielen
denkbaren Möglichkeiten, die Assoziationen zu Einzelwortstimuli
zu kombinieren, wurden die Addition und die Multiplikation
herausgegriffen. In beiden Fällen werden zunächst die
Assoziationen zu den beiden Stimuluswörtern einzeln berechnet.
Die Verknüpfung der erhaltenen Assoziationsvektoren (vergl.
Abbildung
) erfolgt im
einen Fall jedoch durch Addition, im anderen durch Multiplikation:
Abbildung: Die Assoziationsvektoren zu den beiden Stimuluswörtern Musik
und Mädchen werden entweder positionsweise addiert oder
aber multipliziert.
Bei der Suche nach einer geeigneten Assoziationsformel zur
Berechnung der Assoziationen auf Einzelwörter müssen verschiedene
Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Einerseits hat die
verwendete Formel Einfluß auf die obige Fallunterscheidung.
Tritt etwa ein Logarithmus auf, so kann eine spätere
Summation effektiv eine Multiplikation bedeuten.
Andererseits sollten die Wertebereiche der zu Stimuluswörtern
unterschiedlicher Korpushäufigkeit berechneten Assoziationsstärken
in derselben Größenordnung liegen.
So ist etwa die in Kapitel
verwendete
Assoziationsformel (Formel
) ungeeignet, weil sie
keine Normalisierung auf Grund der Korpushäufigkeit des Stimuluswortes
vornimmt. Bei der Überlagerung der Assoziationen zu einem
häufigen Stimuluswort mit denen zu einem seltenen wird also
der Einfluß des seltenen Stimuluswortes gering sein.
Die Formel
weist
diesen Nachteil zwar nicht auf, benachteiligt aber Stimulus/Response-Paare
mit hoher Korpushäufigkeit (vergl. Kapitel
).
Solche Überlegungen führten zu der Forderung, daß die assoziative Verbindungsstärke zwischen zwei Wörtern i und j innerhalb eines Wertebereiches zwischen 0 und 1 genau dann maximal sein soll, wenn folgende beiden Bedingungen erfüllt sind:
Ausgedrückt durch Häufigkeiten:
Aus Symmetriegründen:
Für die Berechnung der Assoziationsstärke ergibt sich somit die Formel
Um zu berücksichtigen, daß Versuchspersonen meist mit
Wörtern mittlerer Korpushäufigkeit antworten,
wurde unter Berücksichtigung der Ergebnisse von
Abb.
in Kapitel
eine einfache Fallunterscheidung durchgeführt:
Diese Formel ist zwar gegenüber zufälligen Schwankungen der
Kookkurrenzhäufigkeiten seltener Wörter empfindlicher als
Formel
. Da solche Schwankungen aber bei
unterschiedlichen Stimuluswörtern in den wenigsten Fällen dieselbe
assoziative Antwort begünstigen werden, ist dieser
Gesichtspunkt bei der Berechnung der Assoziationen zu
Mehrwortstimuli von geringerer Bedeutung als bei der Berechnung
der Assoziationen zu einzelnen Stimuluswörtern.
Zur Durchführung der Simulation wurden zunächst die
Kookkurrenzhäufigkeiten für die zehn in
Abschnitt
angegebenen Stimuluswörter
unter Verwendung des deutschen Korpus aus Kapitel
und einer
Fenstergröße von
Wörtern ausgezählt. Aus diesen
Kookkurrenzhäufigkeiten wurden für jedes Wort mittels Formel
die Assoziationsstärken zu allen im Korpus vorkommenden 978 010
unterschiedlichen Wörtern berechnet. Zur Berechnung der Assoziationen
zu Paaren von Stimuluswörtern wurden zwei Möglichkeiten
in Betracht gezogen: einerseits die Addition, andererseits
die Multiplikation der zu den Stimuluswörtern gehörenden
Assoziationsvektoren.