Bei der Simulation von Assoziationen wurde eine sehr einfache Wortdefinition verwendet. Diese ist zur Erklärung einiger seltenerer Verhaltensmuster ungeeignet:
Der Kern dieser Schwierigkeiten besteht darin, daß dem Simulationsprogramm eine lokalistische Repräsentation zugrunde liegt, die nach physiologischen Erkenntnissen unplausibel ist. Bei einer Darstellung als konnektionistisches Netz entspräche jeder Knoten einem Wort und jede Verbindung einer assoziativen Verknüpfung zwischen Wörtern. Eine verteilte Repräsentation könnte hingegen dadurch realisiert werden, daß in bezug auf die Aussprache oder die Schreibweise ähnlichen Wörtern ähnliche Aktivitätsmuster im Netz zugeordnet würden. Die Aktivierung eines bestimmten Wortes würde damit gleichzeitig eine teilweise Aktivierung ähnlicher Wörter bewirken, wobei das Ausmaß der Aktivierung vom Grad der Ähnlichkeit abhinge. Da die Interpretation der Bedeutung von Verbindungsgewichten und erzeugten Aktivitätsmustern in einem System mit verteilter Repräsentation jedoch mit Schwierigkeiten verbunden ist, wurde ein solcher Ansatz bislang nicht realisiert.
Alternativ läßt sich aber auch bei einem lokalistischen System
eine Toleranz gegenüber Wortgrenzen erreichen. Hierzu müßte
ein Mechanismus geschaffen werden, der bei Stimulierung durch
ein Wort nicht nur den entsprechenden Knoten im Netz aktiviert,
sondern auch andere Knoten, denen orthographisch ähnliche
Wörter zugeordnet sind. (Ein Algorithmus zur Messung der
orthographischen Ähnlichkeit wird in Kapitel
angegeben.)
Die Aktivierung eines zusammengesetzten Wortes, etwa
Hammelfleisch, würde damit auch zu einer - wenn
auch schwächeren - Aktivierung der beiden Bestandteile
Hammel und Fleisch führen. Bei seltenen
Komposita, die nur wenige Kookkurrenzen aufweisen,
wären verbesserte Vorhersagen zu erwarten, wenn die
zu den Teilwörtern berechneten Assoziationen überlagert
würden (vergl. Kapitel
).
Auch für Klangassoziationen , wie etwa Herz
Schmerz oder unterirdisch
überirdisch,
wäre auf Grund desselben Mechanismus eine Verbesserung
der Vorhersagen zu erwarten, wenngleich sich hierbei
die Berechnung orthographischer Ähnlichkeiten
auf Lautschrift stützen sollte.
Entsprechende Überlegungen gelten auch für die eingangs
angesprochenen Probleme mit Fortsetzungsassoziationen
und falsch geschriebenen Stimuluswörtern.
Ob sich andererseits durch die Aktivierung von orthographisch ähnlichen Wörtern, die in keinem Zusammenhang zum Stimuluswort stehen, auch negative Einflüsse ergeben, und ob sich Entsprechendes etwa auch bei Versuchspersonen findet, wäre zu untersuchen.