Bei Verwendung der Assoziationsformel
kann ein Stimuluswort nur zu solchen anderen Wörtern
Assoziationsstärken ungleich Null entwickeln, die im
Textkorpus in einer bestimmten Umgebung des Stimuluswortes
auftreten. Seltene Stimuluswörter entwickeln daher nur
zu ungerechtfertigt wenigen Wörtern assoziative Verbindungen.
Dieses Problem kann nicht nur in der im vorigen Abschnitt
beschriebenen Weise angegangen werden.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, sogenannte indirekte Assoziationen zu berechnen. Hierzu werden in einer ersten Phase die Assoziationen zu einem Stimuluswort berechnet. Alle Wörter mit einer Assoziationsstärke von ungleich Null dienen anschließend als Stimuli für eine zweite Phase, in der für jedes dieser Wörter erneut die Assoziationen berechnet werden. Die erhaltenen Assoziationslisten werden unter Berücksichtigung der Aktivität des jeweiligen Stimuluswortes überlagert.
Die Verwendung indirekter Assoziationen ist in jedem Fall sinnvoll, wenn bei
der Berechnung direkter Assoziationen mehreren Wörtern eine identische
Assoziationsstärke zugeordnet wurde und diese in eine
nicht zufällige Rangfolge gebracht werden sollen. Die
Ergebnisse sind hierbei besser als die mit den Korrekturverfahren
des vorigen Abschnittes erzielten. Die in Kapitel
vorgestellten
Simulationsergebnisse, bei denen nur die vordersten Rangplätze
berücksichtigt werden, konnten allerdings durch
die Berechnung indirekter Assoziationen nicht verbessert
werden. Einige frühere Arbeiten gehen darauf ein,
daß sich das Konzept der indirekten Assoziationen
gut in ein Netzwerkmodell des Gedächtnisses
einfügt (Rapp & Wettler, 1990;
Rapp & Wettler, 1991a; Rapp & Wettler, 1991b;
Wettler & Rapp, 1989).