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Vergleich der Vorhersagen für das Englische und das Deutsche

Tabelle gif vergleicht die für das Englische erhaltenen quantitativen Resultate mit denen für das Deutsche. Die angegebenen Werte können wie folgt interpretiert werden: Im Englischen wird die assoziative Antwort einer Versuchsperson im Mittel von 21,9% der übrigen Versuchspersonen gegeben, während es im Deutschen nur 8,7% sind. Diese schon von Russell & Meseck (1959) erkannte größere Einheitlichkeit der gegebenen Antworten im Englischen zeigt sich auch in den Simulationsergebnissen. Die entsprechenden Werte haben mit 12,6% bzw. 6,9% ein ähnliches Größenverhältnis, wenngleich auf einem niedrigeren Niveau. Werden nur Stimuluswörter mit hoher Prägnanz betrachtet, auf die die Versuchspersonen also besonders einheitlich assoziieren, so steigern sich die für das Englische und das Deutsche erhaltenen Werte sowohl im Assoziationsexperiment als auch in der Simulation im etwa gleichen Maße (um einen Faktor zwischen zwei und drei).

 

englisch deutsch
Prozentsatz der Versuchspersonen, die die vorhergesagte 12,6% 6,9%
assoziative Antwort geben
Prozentsatz weiterer Versuchspersonen, die die assozia- 21,9% 8,7%
tive Antwort einer Versuchsperson geben
Prozentsatz der Versuchspersonen, die auf prägnante 32,6% 15,6%
Stimuluswörter tex2html_wrap_inline23588 die vorhergesagte Antwort geben
Prozentsatz weiterer Vpn, die auf prägnante Stimulus- 45,5% 18,1%
wörter tex2html_wrap_inline23588 die assoziative Antwort einer Vp geben
Prozentsatz der Fälle, in denen die vorhergesagte Ant- 17,0% 19,0%
wort mit der beobachteten Primärantwort übereinstimmt
Prozentsatz der Fälle, in denen die Antwort einer Vp 37,5% 22,5%
mit der beobachteten Primärantwort übereinstimmt
Prozentsatz der Fälle, in denen die vorhergesagte 35,0% 57,0%
Antwort von keiner Versuchsperson genannt wird tex2html_wrap_inline23590
Prozentsatz der Fälle, in denen die Antwort einer 5,9% 19,8%
Versuchsperson von keiner anderen Vp genannt wird tex2html_wrap_inline23590
Tabelle: Vergleich der Ergebnisse von Computersimulation und Assoziationsexperiment für die beiden Sprachen Deutsch und Englisch. Alle Prozentangaben sind Mittelwerte. Bemerkungen: tex2html_wrap_inline23588 ) als ``prägnant'' gelten solche Stimuluswörter, deren assoziative Antworten eine hohe Übereinstimmung aufweisen. Für das Englische wurden diejenigen 27 Stimuluswörter als prägnant angesehen, deren Primärantwort von wenigstens 500 der 1008 Versuchspersonen genannt wird. Für das Deutsche gelten diejenigen 26 Stimuluswörter als prägnant, auf deren Primärantwort mindestens 100 der insgesamt 331 Versuchspersonen entfallen. tex2html_wrap_inline23590 ) beim Vergleich der für das Englische und das Deutsche angegebenen Werte sollte berücksichtigt werden, daß das amerikanische Assoziationsexperiment mit 1008, das deutsche hingegen mit nur 331 Versuchspersonen durchgeführt wurde.

 

Insgesamt sind die Unterschiede der in Experiment und Simulation erhaltenen Werte für das Deutsche etwas geringer als für das Englische, die Vorhersagen für das Deutsche also besser. Diese Beurteilung wird dadurch bestätigt, daß der Rechner in der Simulation für das Deutsche 19 mal zur von den Versuchspersonen meistgenannten assoziativen Antwort kommt, während dies für das Englische nur 17 mal der Fall ist. Der Unterschied läßt sich dadurch erklären, daß das englische Korpus trotz seines größeren Umfanges den Sprachgebrauch  im Alltag schlechter widerspiegelt als das Deutsche, da zu einem größeren Teil Fachtexte eingegangen sind und beispielsweise Transkripte  gesprochener Sprache ganz fehlen. Bei vielen der in Tabelle gif aufgelisteten Assoziationen schlägt diese Fachsprache durch (so etwa bei tex2html_wrap_inline23592 ). Offenbar ist der Versuch, durch Mischen unterschiedlichster Fachtexte  eine Neutralisation des fachspezifischen Sprachgebrauchs zu erreichen, nur teilweise geglückt.

Zwar wird in der englischen Simulation nur bei 35 der 100 Stimuluswörter eine assoziative Antwort berechnet, die von keiner Versuchsperson genannt wird, während dies im Deutschen 57 mal der Fall ist. Wie der Vergleich mit den entsprechenden Werten im Assoziationsexperiment (5,9 respektive 19,8) zeigt, dürfte diese Verbesserung jedoch nicht auf ein repräsentativeres Korpus, sondern auf die höhere Versuchspersonenzahl sowie insgesamt einheitlichere assoziative Antworten im Englischen zurückzuführen sein.


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Reinhard Rapp
Fri Jul 18 19:19:31 MET DST 1997