Tandemübersetzung

Neben den einzelnen Instituten für bestimmte Sprachen gibt es das Institut für Interkulturelle Kommunikation / Fach Germanistik, an dem ausländische Studenten der Universität Germersheim unterrichtet werden. Deutsche hingegen studieren an den jeweiligen Instituten ihrer Sprachen. So finden also keine Übersetzungskurse statt, an denen sowohl Deutsche als auch Muttersprachler teilnehmen können.

Im Fall des hier geschilderten fakultativen Projektes, das als Intensivkurs neben dem normalen Unterricht stattfand, sah die Kursgestaltung wie folgt aus:

Zwei Übersetzungskurse schlossen sich zusammen und die Studenten bildeten Gruppen von jeweils drei Personen (lateinamerikanischer, spanischer und deutscher Herkunft). Ins Spanische und Deutsche wurden vier verschiedene Textsorten übersetzt: darunter u.a. eine Glosse und ein Werbetext. Da der Arbeitsaufwand recht hoch war, trafen sich die Studenten zusätzlich neben den regulären Projektstunden, um gemeinsam an ihren Übersetzungen zu arbeiten.

Die Tatsache, dass in den Gruppen stets ein "Sprach- und Kulturexperte" anwesend war, ließ einen regen Wissensaustausch, hohe Motivation, großes Verantwortungsgefühl und beständig wachsende Sicherheit entstehen.

Diese Sicherheit führte jedoch teilweise dazu, dass sich die Muttersprachler zu sehr auf ihre sprachliche Kompetenz verließen, ohne sie zu hinterfragen. Durch eine derartige Herangehensweise können jedoch Fehler entstehen, die sich beim üblichen Übersetzen, ohne die Anwesenheit eines Muttersprachlers, nicht ergeben würden. Ein Verbesserungsansatz für solche Projekte könnte also das Integrieren von Nachschlagewerken sowie Hinweise des Dozenten auf Fehler sein. Außerdem könnten sich die Gruppen untereinander austauschen und korrigieren, was die Kommunikation, den Wissensaustausch und die Sensibilisierung für die eigene Sprachkompetenz zusätzlich fördern würde.

Studenten und Dozenten, die an dem Tandemprojekt teilgenommen haben, sind davon überzeugt, dass diese Art des Unterrichts sehr effektiv ist und außerdem gut auf die Berufswelt vorbereitet. Schließlich sind Übersetzer immer auf Kooperation mit Experten oder anderen Übersetzern angewiesen.

Vielleicht kann dieses Projekt Anregungen für weitere Projekte dieser Art geben, so dass ein "interkulturelles Übersetzen" an unserer Universität zu einem festen Bestandteil des Curriculums werden könnte.


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