Das computergestützte Klassenzimmer

Nach konstruktivistischen Gesichtspunkten beginnen die Studenten bereits als unabhängige Lerner, die selbst entscheiden, was und wieviel sie lernen. Die Studenten müssen nicht nur lernen, welche technischen Hilfsmittel ihnen bei den Übersetzungen zur Verfügung stehen, sondern sie müssen in der Lage sein, auch nach dem Studium neue Programme selbst verstehen zu lernen.
Dabei stellt sich zuerst die Frage nach der sinnvollen Verteilung der Lehrmittel:

1. Ein Computer pro Student
Der Dozent hilft den Studenten zunächst das nötige Grundwissen aufzubauen. Je mehr Wissen sie erlangen, desto mehr zieht er sich vom Unterricht zurück und gibt nur noch Denkanstöße. Am effektivsten lernen die Studenten den Computer zu benutzen, wenn man sie ein Übersetzungsproblem lösen lässt und ihre Übersetzung anschließend auch das richtige Layout haben soll.
Vorteil: Die Studenten bauen aktives, fachliches Wissen auf und lernen professionelles Arbeiten.
Nachteil: Kostspielig.

2. Ein Computer pro Klasse:
Das Unterrichtsmaterial wird mit Hilfe eines Overhead Projektors oder Beamers, der an einen Computer angeschlossen ist, an die Wand projeziert.
Vorteil: Die ganze Klasse konzentriert sich auf ein und dasselbe Lernbeispiel. Kostengünstig.
Nachteil: Bei Gruppenarbeit entwickeln die Studenten möglicherweise nicht so viele eigene Ideen wie bei Nr.1. Diese Art des Unterrichts könnte die Studenten dazu verleiten, nicht aktiv mitzudenken und das Gelernte zu verwerten, sondern eine passive Rolle anzunehmen.

Ist die Frage der Lehrmittelverteilung geklärt, stellt sich die Frage der Lehrmethode. Don Kiraly bietet dazu in seinem Buch "A Social Constructivist Approach to Translator Education" vier Methoden an, die auch bezogen auf computergestützten Unterricht anwendbar sind:

1.One-to-many technique: Austausch zwischen einem Dozent und der Klasse
2.Many-to-many technique: Austausch der Studenten untereinander (mit oder ohne Dozent) durch Diskussionen, Rollenspiele, Brainstorming oder Projektgruppen.
3.One-to-one technique: Austausch zwischen dem Dozent und einem Studenten, oder zwischen zwei Studenten durch online Betreuung oder Email Tandem.
4.One-alone technique: Eigenständiges Lernen durch Benutzung von Online-Datenbanken, Online-Zeitschriften, Internetanwendungen und Newsgroups.


Hindernisse überwinden:
Den Computer für Übersetzungen zu nutzen kann angesichts der hochentwickelten Computerprogramme für den Studenten, der praktisch ohne derartige Kenntnisse an die Uni kommt, ein unüberwindliches Hindernis darstellen. Es ist klar, dass er sich im Laufe seines Studiums mehr als nur grundlegende Kenntnisse diesbezüglich aneignen muss um im Berufsleben bestehen zu können - aber wie kann man ihn an die Programme heranführen? Ein Ansatz ist es, Hard- und Softwarekenntnisse in der Weise zu vermitteln, wie eine fremde Sprache gelernt wird in einem möglichst natürlichen Umfeld. Dazu muss der Dozent realistische Situationen schaffen, in denen der Student sein eigenes computerbezogenes Wissen aufbauen kann. Dies kann beispielsweise in Form von Workshops geschehen, in denen eine Gruppe von Studenten mit Computerkenntnissen die anderen, nicht so erfahrenen Studenten in das Übersetzen mit dem Computer einführt und betreut.


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