Vor- und Nachteile des Fernunterrichts

Ein großer Vorteil des Fernunterrichts über das Internet ist, dass diese Art des Unterrichts verschiedene Gruppen von "Lernenden" anspricht: Schüler, Studenten, Berufstätige, Menschen, die nach einer Pause wieder Fuß in der Arbeitswelt fassen möchten...

Ein Schüler, der aufgrund einer Krankheit für längere Zeit ans Bett gefesselt ist, hat die Chance, den Unterricht von daheim aus zu verfolgen und verliert so den Anschluss an seine Klassenkameraden nicht.
Das gleiche gilt für einen Studenten, der ein Semester bzw. ein Jahr im Ausland verbringt: Per Fernunterricht kann er sein Studium an der Heimatuniversität weiterverfolgen.

Arbeitnehmer können von ihrem Arbeitsplatz aus ihr Fachwissen erweitern und aktualisieren, eventuell sogar ein Universitätsstudium absolvieren, und dies zu von ihnen frei gewählten Zeiten.

Der Aspekt "freie Zeiteinteilung" ist gerade für Mütter, die nach dem Mutterschutz wieder in ihren alten Berufen - die oft drastische Veränderungen durchgemacht haben - einsteigen wollen, von großer Bedeutung. So haben sie die Möglichkeit, sich fortzubilden, wenn ihre Kinder in der Schule oder im Kindergarten sind oder schlafen.

Lernende, die durch große Entfernung oder körperliche Beeinträchtigungen benachteiligt sind, können nun an einem (Fern-)Studium teilnehmen. Des weiteren können Lernende mit verschiedenen sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Hintergründen und Erfahrungen zusammengebracht werden.

Dadurch, dass ein Kurs praktisch zu jeder Zeit und an jedem Ort verfügbar ist, wird er so auch wesentlich mehr Lernenden zugänglich.

Die Kursteilnehmer können nach ihrem eigenen Rhythmus lernen und sich auf das konzentrieren, was sie wirklich brauchen oder lernen müssen. Somit wird der Lernvorgang an sich verbessert, und Motivation und Merkfähigkeit werden gesteigert.

Die eingesetzten Computer erhöhen Flexibilität und Interaktivität und es können Kosten für ständige Lehreinrichtungen gespart werden.

Ein weiterer Vorteil ist, dass "Gastredner", die ansonsten nicht zum Kurs kommen könnten, in die Unterrichtsstunden integriert werden können.

Da der gesamte Kurs, inklusive den Interaktionen der Lernenden, unabhängig vom Lehrer, als Artefakt existiert, kann er auch von anderen Lehrkräften oder Fachexperten eingesehen, im Detail begutachtet und ständig verbessert werden.

Außerhalb des üblichen Umfelds eines Klassenzimmers erfordert der Fernunterricht von den Lernenden einen beträchtlichen Grad an Reife und Engagement; falls dieser nicht vorhanden ist, kann sich das als Nachteil erweisen.
Die Lernenden können vielleicht nicht immer einschätzen, was wirklich wichtig ist oder was später noch benötigt wird. Zudem benötigen viele eine klare Struktur und Hilfe bei der Zeiteinteilung.

Man muss des weiteren unbedingt im Auge behalten, dass der Erfolg des Kurses von der Technik abhängt - wenn diese versagt, kann dadurch auch der Kurs scheitern. Manche Lernenden haben keinen oder schwer Zugang zu der erforderlichen Technik, bzw. haben möglicherweise nicht die nötigen Computerkenntnisse und somit nicht die erforderliche Motivation, um erfolgreich arbeiten zu können.
Als Folge davon könnten bestimmte Lernende derartige Kurse meiden oder sich nur auf die Technik konzentrieren, anstatt auf den Kursinhalt. Oftmals haben Studierende mit besserem Computerzugang auch bessere Erfolgschancen.

Was das Verhältnis der Lernenden untereinander betrifft, muss man bedenken, dass die Motivation, die durch den Kontakt oder auch Wettbewerb mit anderen Studierenden entsteht, beim Fernunterricht fehlt. Auch die Interaktion zwischen den Lernenden oder Lehrern fehlt außerhalb des Kurses.

Die angebotenen Kurse sind oftmals nicht flexibel genug, um ausreichend auf unerwartete Einblicke, Verständnisschwierigkeiten oder Reaktionen der Lernenden einzugehen. Die Spontaneität geht zum größten Teil verloren.

Der Lehrer steht bei dieser Art des Unterrichts vor einer neuen Herausforderung: Sein Unterrichtsstil muss die Bedürfnisse und Erwartungen von vielfältigen, oft unterschiedlichen Lerngruppen berücksichtigen, und der Lehrer muss ohne persönlichen Kontakt und direkte Erfahrungen mit dem Kurs ein Verständnis für die Eigenschaften und Bedürfnisse der Lernenden entwickeln.