Was beinhaltet Fremdsprachenlernen und übersetzerische Kompetenz?



Jeder kennt diese Situation aus der eigenen Schulzeit: Man lernt Vokabeln auswendig, die man dann in abgeänderter Form und nach bestimmten Grammatikregeln, die man ebenso lernen musste, in Lückentexte einsetzt. Viele Lehrer und Dozenten befürworten diese Lernmethode, da Studenten somit das Sprachstudium an Universitäten mit fundierten Kenntnissen der jeweiligen Fremdsprache beginnen können.

Die Praxis sieht aber zumindest dann anders aus, wenn man nicht Schulsprachen, sondern z.B. Portugiesisch, Arabisch, Chinesisch oder Niederländisch studieren möchte. Also besucht man die Grundkurse der jeweiligen Sprache mit dem Ziel ein kompetenter Übersetzer zu werden. Doch was bedeutet "kompetent"? Traditionell versteht man unter "übersetzerischer Kompetenz" die Beherrschung sowohl der Fremd- als auch der Muttersprache, das Verständnis dessen, was übersetzt werden soll (Fachkompetenz) und das Vermögen diesen Sinn von der einen in die andere Sprache zu transferieren. Dieses Vermögen beinhaltet nach Pym (zitiert in Kiraly, "Why" 19) folgende zwei Komponenten:


Wendet man das Vokabel- und Grammatiklernen aus der Schule auf das professionelle Übersetzen an, stellt sich die Frage, inwieweit striktes Auswendiglernen von Wörtern einen Sinn ergibt. Dadurch wird der Eindruck erweckt, dass jedem Wort in der Ausgangssprache eine bestimmte Bedeutung in der Zielsprache zukommt und umgekehrt. Dadurch ist allerdings die Gefahr der Eins-zu-Eins-Übersetzung von Texten gegeben, was fast nie eine zufrieden stellende bzw. oft falsche Übersetzung zur Folge hat. Ein zweisprachig aufgewachsener Nichtübersetzer würde beispielsweise einen Satz oder Text wohl kaum Wort für Wort übersetzen, sondern die Sätze so umformulieren, wie sie in der jeweiligen Sprache tatsächlich gebildet werden.

In einer Befragung wollten wir von drei professionellen Übersetzern wissen, auf welche Weise sie Fremdsprachen erlernt und übersetzerische Kompetenz erworben haben.


Übersetzen steht also in engem Zusammenhang mit dem Sprechen der Sprache. Als Konsequenz daraus ergibt sich, dass ein Übersetzer eine Sprache nicht nur in der "Theorie" beherrscht, sondern sie auch aktiv in einer kommunikativen Situation anwenden kann. Er muss ein gründliches und eindeutiges Textverständnis erwerben, um einen Text sicher und kompetent zu übersetzen.


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