Versuche mit dem Natural Approach am FASK

Im SS 2002 wurde im Rahmen eines sprachwissenschaftlichen Proseminars über Spracherwerbstheorien auf die Initiative von Dr. Kiraly hin ein Anfängerkurs Ungarisch angeboten, der von zwei Studenten aus einer Universität in Budapest abgehalten wurde. Diese Studenten hatten keinerlei Erfahrung mit der Methode des Natural Approachs, dennoch nahmen sie die Herausforderung an.

Eine Woche vor Beginn des Proseminars machte sie Dr. Kiraly mit dem Natural Approach vertraut. Dr. Kiraly und sein 12-jähriger Sohn dienten dabei als Testpersonen, an denen die Studenten verschiedene Unterrichtskonzepte erprobten. Das Proseminar wurde auf eine Woche für jeweils fünf Stunden täglich festgesetzt. Daran nahmen 25 Studenten, Dr. Kiraly eingeschlossen, teil, der unter den gleichen Vorraussetzungen wie die restlichen Teilnehmer des Kurses unterrichtet wurde. Während des Unterrichts wurde nur Ungarisch gesprochen; dabei wurde Wert auf interaktive Mitarbeit gelegt. Die Studenten mussten beispielsweise einen Hindernislauf mit verbundenen Augen durchführen, bei dem sie sich voll und ganz aufeinander verlassen mussten. Während des Unterrichts waren keine Hilfsmittel erlaubt, und es durfte nichts schriftlich festgehalten werden.

Nach dieser Unterrichtswoche entschlossen sich vier Studenten, den Ungarischkurs bis zum Ende des Semesters fortzusetzen. Die Erfahrung, die alle Teilnehmer des Kurses mit dem Natural Approach gemacht haben, war für sie ein einmaliges Erlebnis. Nicht zuletzt haben sie gemerkt, dass ihr Lernerfolg von der Zusammenarbeit in der Gruppe ausging. Trotz der positiven Resonanz auf die Methode des Natural Approach mussten die Teilnehmer feststellen, dass sie das Gelernte schnell wieder vergaßen.

Zur selben Zeit berichtet Katrin Kohl von der University of Oxford von einer Umkehrung des Trends zurück zum traditionellen Grammatikunterricht: "In reaction to the grammar-based approaches derived from Classics, communicative approaches tend to look to the Romantic premise that natural is best - which helps to explain their equally narrow approach to communication. To take but one example, Krashen/Terrell's The natural approach (1988) presents grammar-based methods as a Renaissance aberration associated with old schoolmasters and Latin declensions. In contrast, the natural approach is exemplified by the noble savage who predates grammar studies, by immigrant workers in Europe and by language learners in the marketplace of underdeveloped regions of Africa (pp7-9)."

Wer dennoch neugierig auf den Natural Approach geworden ist, kann im Sommer 2003 an der Universidad VIC an einem Sprachkurs teilnehmen.