Die Philosophie des Konstruktivismus kann auf einen Satz reduziert werden: "Alles, was gesagt wird, wird von einem Beobachter gesagt" (Maturana 25). So trivial dieser Satz anfangs scheinen mag, so tiefgründig entpuppt er sich, je länger man darüber nachsinnt. Die Konstruktivisten beschäftigen sich damit, wie Vorstellungen von der Wirklichkeit entstehen. Maturana und andere Konstruktivisten sind der Auffassung, dass eine Außenwelt existiert, aber sie verneinen, dass diese äußere Welt so wie sie "ist" erkannt werden kann. (Pörksen 12)
Der Begriff der Wahrheit wird von Ernst von Glasersfeld, einem der Gründer des Konstruktivismus, durch den Begriff der Viabilität (d.h. Brauchbarkeit, Nützlichkeit bzw. Passfähigkeit) ersetzt. Eine Theorie sollte also brauchbar sein. (Pörksen 46) Von Glasersfeld stützt sich teilweise auf die Ergebnisse von Jean Piaget, einem Entwicklungspsychologen, der in seinem Buch Der Aufbau der Wirklichkeit beim Kinde beschrieben hat, dass sich ein Kind aktiv Wissen aneignet; es lernt, wenn seine eigenen Handlungen nicht seinen Erwartungen entsprechen, also nicht viabel sind (Pörksen 66). Diese Annahme hat weitreichende Auswirkungen wenn man sie auf die Didaktik anwendet. Zunächst aber werden zwei Arten des Konstruktivismus vorgestellt.
Der Radikale Konstruktivismus und der soziale Konstruktivismus gehen davon aus, dass der Mensch nicht direkt die objektive Realität erkennen kann, sondern dass er sich sein Weltbild, auf Grundlage des bereits Gewussten, selbst konstruiert.
Der Radikale Konstruktivismus vertritt die Auffassung, dass jeder Mensch allein sich sein Bild von der Welt erschafft. Der soziale Konstruktivismus hingegen behauptet, dass der Mensch nur durch den Umgang mit anderen, also im sozialen Diskurs, Erkenntnisse über seine Umwelt erlangt. Bei beiden Arten des Konstruktivismus spielt das Kriterium der Viabilität die entscheidende Rolle, d.h. die "Wahrheit an sich" ist nicht wichtig, sondern die Nützlichkeit. (Douillet 15)
Da der Lerner keinen direkten Zugriff auf die Realität hat, da sein Gehirn letztlich nur elektrische Signale verarbeitet, konstruiert er auf Grundlage dieser Signale seine Realität.
Die Vorstellung, dass Wissen eine Art Substanz ist, die vom Kopf des Lehrers in den des Lerners transferiert werden kann wird von den Konstruktivisten aufgegeben. Lernen wird als ein kreativer, schöpferischer Akt eines jeden Einzelnen gesehen. Wenn jeder Lerner seine eigene Art und Weise hat, den Lernstoff zu verarbeiten, dann gibt es "so viele eigene und unvorhersehbare Lernwege wie es Lerner gibt" (Thissen 8).
Ernst von Glasersfeld fordert, dass der Lernende wie ein intelligentes, selbstständig denkendes Individuum behandelt werden soll. (Pörksen 65)
|
Diese Seite wurde erstellt von Karen Hoehnke, Veronika Koch und Ulrike Lutz.
|
|
Zuletzt aktualisiert am 30.01.2003
|