Diplom und was dann?

Vor diesem Problem steht jeder Studierende früher oder später.
Es gilt dann als erstes zu entscheiden, ob man sich selbständig machen möchte oder einen anderen Weg einschlagen will. In dieser Hinsicht gibt es die Möglichkeit eines Aufbaustudiums oder sich eine Festanstellung zu suchen (in der Marketingabteilung einer Firma oder deren interne Übersetzungsabteilung, als Dozent an der Uni, beim Bundeskriminalamt, bei der EU,...).

Im Rahmen der Selbständigkeit als Übersetzer/Dolmetscher gibt es im Grossen und Ganzen drei Möglichkeiten:
1) Als freier Mitarbeiter bei einem Übersetzungsbüro arbeiten.

Der Vorteil bei einem Übersetzungsbüro zu arbeiten, ist, dass dieses die Nachfrage nach Übersetzungen bündelt.

Für den Berufsanfänger bedeutet das, dass er, da er noch keine eigenen Kunden hat, tendenziell mehr Arbeit bekommen und zunächst Erfahrungen sammeln kann. Im Gegenzug dazu bietet ein gutes Übersetzungsbüro dafür, dass es eine bestimmte Marge einbehält, auch Leistungen. Der Übersetzer muss sich nicht um die Verwaltung der Aufträge kümmern, das Büro akquiriert und betreut die Kunden, führt die Buchhaltung, steht für Nachfragen zur Verfügung. In der Regel wird der freie Mitarbeiter für Vermögens-, Sach- und Personenschäden bei dem Büro mitversichert. Gerade für Neulinge kann all das von Vorteil sein.


2) Selbständig Arbeiten als "Einzelkämpfer"

Hier ist Klinkenputzen angesagt, um Direktkunden zu werben. Ausserdem sollte man sich durch einen Besuch beim Steuerberater erkundigen, welche organisatorischen Formen man wählt und welche rechtlichen Konsequenzen damit verbunden sind.
Als Direktkunden kommen Firmen, Behörden, Privatkunden, usw. in Frage. Man sollte sich Strategien zurecht legen, wie man an Firmen u.a. herantritt, um diese als Kunden zu akquirieren.

3) Gründung eines Übersetzerbüros

Bei der Gründung eines Übersetzerbüros gilt oben Gesagtes. Zusätzlich muss man sich überlegen welche Gesellschaftsform man wählt, eine GbR, eine Partnerschaftsgesellschaft, eine GmbH, ... Je nach den individuellen Bedürfnissen sollte man sich zusammen mit einem kompetenten Steuerberater - und nachdem man sich selbst gründlich informiert hat - entscheiden. Wichtig ist vor allem, sich über die rechtlichen und steuerrechtlichen Konsequenzen im Klaren zu sein, welche mit der jeweiligen Geschellschaftsform verbunden sind.

Der Erfolg in der Selbständigkeit ist, wie sich jeder denken kann, von dem professionellen Auftreten des Übersetzers gegenüber dem Kunden abhängig. Er sollte sich als Unternehmer gebärden, sich als kompetenten Dienstleister darstellen, der ein gleichwertiger Partner ist.

Man sollte sich auch darüber im Klaren sein, dass zu der Tätigkeit als Selbstständiger nicht nur Übersetzen gehört, sondern Buchhaltung, sich um die Steuern kümmern (Muss ich MwSt berechnen? Wenn nicht, sollte ich, um eine Umsatzsteuervoranmeldung machen zu können, MwSt berechnen?), die Kunden betreuen, die Aufträge verwalten, sich überlegen welche Art von Versicherungen man benötigt (Eine Vermögenshaftpflichtversicherung? Und/oder eine Berufshaftpflichtversicherung? Eine Büroinhaltsversicherung? Bleibe ich in der gesetzlichen Krankenversicherung oder wechsle ich in die Private?). Kurzum, man sollte sich kaufmännisches Wissen aneignen.


Leider bleibt festzustellen, dass diese Kentnisse an der Universität nicht vermittelt werden, um sie muss sich der "Jungunternemer" selbst kümmern. Die Universität sieht Ihre Augabe darin, den Studierenden bis zum Diplom zu führen und dann ... lässt sie ihn im Regen stehen, denn alles weitere ist ja kaufmännisch und nicht akademisch. Zu begrüssen wäre es, wenn in der Zukunft zumindest Grundlagen vermittelt werden könnten.
Bisher konnte man sich vor allem durch Existenzgründerseminare und Beratungen mit Steuerberatern und Rechtsanwälten in Teilgebieten kundig machen.
Im Jahre 2002 wurde das ZIK, das Zentrum für Interkulturelle Kompetenz gegründet. Es bietet vor allem Weiterbildungsseminare zu Themen wie "Einstieg ins Berufsleben" an. Diese sind nicht ganz billig, aber geben durchaus die richtigen Anstösse, was wichtig ist und helfen sich einen Überblick zu verschaffen; hinzu kommt, dass man sich für Informationen auch an den BDÜ wenden kann.