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8. Schlu

Diese Arbeit sollte dazu dienen, Sachkenntnisse über RP zu liefern sowie eine Einführung in die Terminologie dieses Gebietes zu bieten, um die Kommunikation über dieses Thema zwischen zwei Sprachsystemen zu erleichtern. Gerade die Retinitis-Pigmentosa-Forschung läuft innerhalb eines internationalen Rahmens, wo eine Sprachmittlertätigkeit von besonderer Relevanz ist.

Die Kommunikation findet sowohl innerhalb als auch zwischen verschiedenen Gruppen statt, die sich auf unterschiedlichen Ebenen der Sprache bewegen. In dieser Arbeit sollte versucht werden ansatzweise aufzuzeigen, was bei der Übersetzung von deutschen und englischen Texten über RP beachtet werden muß, um die Kommunikation zwischen Gruppen dieser beiden Sprachen zu ermö glichen. Die Sprachmittlertätigkeit ist nicht nur ein Übertragen von einer Sprache in die andere, sondern sie ist automatisch auch Vermittlung von Information seitens des Dolmetschers oder der Übersetzerin an eine Adressatengruppe. Deshalb ist es erforderlich, sich die nö tigen Sachkenntnisse anzueignen, um der jeweiligen Adressatengruppe gerecht zu werden. Es besteht hierbei die Gefahr, den Adressatenkreis entweder zu überfordern oder ein zu niedriges Niveau vorauszusetzen. Beides lö st Unwillen und somit eine geringere Aufnahmebereitschaft aus. Insbesondere ergibt sich dieses Problem auf einem Gebiet, in dem sich Interessierte bzw. Betroffene in Gruppen zusammengetan haben, wie dies bei der Krankheit Retinitis Pigmentosa der Fall ist. Gerade bei Menschen mit Krankheiten oder Behinderungen, die sich in Selbsthilfegruppen organisieren, ist das Informationsniveau sehr hoch. Zum einen besteht das Bedürfnis, mehr über die Krankheit zu erfahren, weshalb RP-Betroffene sich umfassend informieren und als "sehr krankheitsbewußt"[507] gelten. Zum anderen ist durch die Mitgliedschaft in einer Organisation der Zugang zu Sachinformationen wesentlich erleichtert, da Patienteninformationen in großem Umfang verö ffentlicht werden. Somit entsteht zwischen der Gruppe der Fachleute und der Gruppe von Interessierten, die aber mit diesem Thema noch keine Berührung hatten, eine Gruppe, die keiner dieser beiden Ebenen richtig zugeordnet werden kann, wobei sich eine Art "Fachlaienschaft" entwickelt hat, der ein hö heres Niveau zugemutet werden kann als der Allgemeinbevö lkerung. Andererseits ist diese Gruppe wiederum sehr heterogen, wobei die Herausforderung darin besteht, die Information für diese Adressatengruppe so aufzubereiten, daß sie mö glichst viele der Mitglieder, unter denen sich auch medizinisch vorgebildete Personen befinden, einbezieht. Bei der Übersetzung von Fachtexten für Fachleute ist der Adressatenkreis klar definiert, wodurch sich wenig Schwierigkeiten bezüglich der Formulierungen und der Wahl der Termini ergeben. Bei der Übersetzung von Texten für die beiden anderen genannten Adressatenkreise wäre es jedoch erforderlich, sich nicht nur die nö tigen Sachkenntnisse anzueignen, sondern auch Untersuchungen dahingehend anzustellen, wie detailliert und komplex die dargebotene Information für den jeweils angesprochenen Personenkreis sein kann. Dazu gehö rt auch, herauszufinden, welche Termini bei welcher Adressatengruppe als bekannt vorausgesetzt werden kö nnen, und ob Lehnwö rter tatsächlich weniger verstanden werden als deutsche Fachwö rter. In Texten, die in Zeitungen an die Allgemeinbevö lkerung gerichtet sind, fanden sich häufig deutsche Synonyme für entlehnte Fachwö rter. Es würde allerdings den Rahmen dieser Arbeit sprengen, herauszufinden, inwieweit z.B. die deutsche Entsprechung von "Photorezeptor" oder "Retinales Pigmentepithel" wie "Lichtempfänger" und "Pigmenthaut" tatsächlich bei der Mehrheit als bekannt vorausgesetzt werden kö nnen, bzw. ob solche Benennungen zumindest semantisch so weit motiviert sind, daß ihre Bedeutung leicht ableitbar ist, oder ob es für den einen oder anderen Leserkreis nicht sinnvoller wäre, wie es im Englischen notwendig ist, da meist keine Synonyme für Lehnwö rter existieren, die Fachtermini in einen definitorischen oder assoziativen Kontext zu stellen, um sicherzugehen, daß das Ziel, eine Kommunikation herzustellen, tatsächlich erreicht wird.

Die Kommunikation unter Fachleuten und Betroffenengruppen aus unterschiedlichen Ländern ist ein wesentlicher Faktor, der die Erforschung der RP unterstützt. Somit leisten auch die SprachmittlerInnen, die sich um diese Kommunikation bemühen, einen Beitrag, die Erforschung dieser erblichen Netzhautdegeneration voranzutreiben.

[507] Klin. Mbl. Augenheilk. vol. 198 (1991): 351-353, S 353.


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