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7.1. X-chromosomale Vererbung (XLRP)

Für die x-chromosomale Vererbungsform hat man zwei Genorte gefunden. Zum einen fand man den Genort für RP2, die eine starke Myopie als Erstsymptom aufweist und ca. im 3. Lebensjahr[51] beginnt. Er wurde in der Kopplungsanalyse mit den Mikrosatellitenmarkern DXS57, DXS426, DXS7, DXS255 und DXS14[52] in Verbindung gebracht und auf dem kurzen Arm des X-Chromosoms (Xp11.21-11.4.1) lokalisiert.[53]

Der Genort für RP3, eine Form, die mit Nachtblindheit beginnt und später, (10 4 Lebensjahr[54]) auftritt, liegt auf der Region Xp11.22-Xp22.13. Auf diesem Genort liegt ein Gen, das als GTPase-Regulator dient und "Retinitis-pigmentosa-GTPase-Regulator" (RPGR) genannt wird. Das Genprodukt ist eng verwandt mit einer Familie von Proteinen, die für die "Zellzykluskontrolle, DNA-Synthese und für die Regulierung zellulärer Transportfunktionen"[55] verantwortlich ist. RPGR kommt nicht nur in der Netzhaut vor, sondern es findet sich auch im Herzmuskel und in der Lunge. Warum Schäden, die durch dieses Gen entstehen, das auch an anderen Stellen im Kö rper exprimiert wird, sich auf das Auge beschränken, ist unklar. Das erst vor Kurzem entdeckte Gen kö nnte daher aufschlußreich sein für die Erforschung der Entstehung von RP.

"Die Beantwortung der Frage, warum eine Genmutation in einem überall im Kö rper exprimierten Gen ausgerechnet das Auge und seine Funktionen so stark, bis hin zur Erblindung, betrifft, kö nnte der Schlüssel zur Aufklärung der Pathophysiologie der Erkrankung werden."[56]

Bei diesen beiden Formen der RP konnten keine Unterschiede im Schweregrad und bezüglich der Befunde im Augenhintergrund[57] festgestellt werden.

Man vermutet, daß es mö glicherweise noch einen dritten Genort für die x-chromosomale Form der RP gibt.[58]

Eine Unterform der x-chromosomalen Vererbung ist die Chorioideremie (CHM). Hierbei degeneriert die Aderhaut mit oder ohne Beteiligung des retinalen Pigmentepithels (RPE), wodurch die Photorezeptoren nicht mehr mit Blut versorgt werden und degenerieren, und sich Pigmentierungen der Netzhaut einstellen. Es konnten 14 Mutationen im CHM-Gen auf Xq21 gefunden werden, wie z.B. zusätzliche Nukleotide in Exon 5 sowie Exon 8 und eine Punktmutation, die zu einem frühzeitigen Stop-Codon in Exon 7 führt, und ein Fehler am Ende des Introns vor dem Exon 12[59]. All diese Mutationen führen einen frühzeitigen Stop in der Übersetzung des Gens herbei. Somit fehlt das Genprodukt, die A-Komponente der Rab-Geranyl-Geranyl-Transferase, auch Rab Escort Protein (REP)[60] genannt. Rab-Proteine steuern den vesikulären Transport von Stoffen zu den entsprechenden Zellorganellen. Dazu muß Geranyl-Geranyl an Rab angelagert werden. Die A-Komponente der Rab-GG-tase präsentiert das Rab-Protein der B-Komponente, der katalytischen Einheit des Enzyms. Fehlt die A-Komponente (REP), kann Rhodopsin nicht vom endoplasmatischen Retikulum zum Außensegment transportiert werden. Das Gen für REP wurde als das Chorioideremie-Gen auf dem X-Chromosom lokalisiert. Der Genort für ein Chorioideremieähnliches Gen, CHML (= Choroideremia like) liegt auf 1q31-qter, demselben Genort wie der des Usher-Syndroms Typ II. Man vermutet, daß die Netzhaut besonders empfindlich auf das Fehlen von REP reagiert.

[51] Hum. Genet. vol. 85 (1990): 635-642, S 635.

[52] J. Med. Genet. vol. 29 (1992): 615-623, S 615.

[53] J. Med. Genet. vol. 29 (1992): 615-623, S 615.

[54] Hum. Genet. vol. 85 (1990): 635-642, S 635.

[55] RP-Aktuell II/96, No 60, 29-30, S 30

[56] ebd.

[57] ebd. 622

[58] Clinical Genetics vol. 40 (1991): 435-440, S 438.

[59] Human Molecular Genetics vol. 3.7 (1994): S 1049f.

[60] Cell vol. 73 (June 18. 1993): 1091-1099, S 1091.


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