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4.3. Schreibweisen von englischen Lehnw rtern

Je nach Grad der Integration des Lehnwortes gibt es verschiedene Erscheinungsformen und Schreibweisen.

Die "Vorstufe" der Eingliederung ist die Originalschreibung in Anführungsstrichen, der Kursivdruck, die Voranstellung von "sogenannt" bzw. "sog." oder die Schreibung in Klammern.[464] Diese Schreibweisen kö nnen miteinander kombiniert werden. Besonders dann, wenn der Terminus in einem Artikel das erste Mal erwähnt und den LeserInnen bekannt gemacht wird, wird eine dieser Schreibweisen alleine oder in Kombination gewählt.

"sogenannte 'tight junctions'"[465]

"... läßt sich gut mit einer speziellen Untersuchung, der "Fluoreszein-Angiographie" beurteilen.[466]

"Gelö st wurde das Problem durch die Konstruktion sogenannter YACs (Yeast Artificial Chromosomes), ..."[467]

"Das LFCM wurde entwickelt, um objektive, nichtinvasive,

quantifizierende in-vivo-Messungen des Tyndall-Phänomens

("Flare") im Kammerwasser der Vorderkammer zu ermö glichen."[468]

"Zum Vergleich wurde jedem RP-Patienten eine im Geschlecht und Alter entsprechende Vergleichsperson [...] gegenübergestellt (matched pairs)."[469]

Wenn der englische Terminus als bekannt vorausgesetzt wird, wird er ohne die o.g. Zusätze verwendet.

"Cald und Mitarbeiter untersuchten die tight junctions des retinalen Pigmentepithels ..."[470]

"Dieses Vorgehen erlaubt es, gegenüber der cone-rod-degeneration [...] abzugrenzen."[471]

"Wegen der penden Resorptionstendenz entschieden wir uns zur Vitrektomie mit Silikonimplantation und Membrane peeling."[472]

Lehnwö rter werden meist erst dann groß geschrieben, wenn sie sich etabliert haben.[473] Termini wie "Marker" oder "Mikro-Chip" haben sich soweit etabliert, daß sie wie deutsche Substantiva behandelt werden. Dies gilt vor allem auch für Anglizismen der Gemeinsprache, die durch die Medien oder den Freizeitbereich aus dem Englischen übernommen werden. Sie werden oft in Überschriften verwendet, um den Artikel interessanter zu gestalten, wie in dem Beispiel "Realer Cyberspace für Blinde"[474].

Wie sich aus o.g. Beispielen ersehen läßt, ist die Groß- und Kleinschreibung jedoch kein verläßlicher Indikator für den Grad, in dem sich ein Lehnwort etabliert hat.[475]

"Die Großschreibung englischer Substantiva ist nicht das Endergebnis eines Integrationsprozesses, sondern der Normalfall -- auch bei neu eingeführten Wö rtern."[476]

Der Genus des Lehnwortes im Deutschen richtet sich nach seiner Endung.[477] Etymologie und Bedeutung des Wortes haben zwar ebenfalls einen Einfluß auf die Genusbildung,[478], die Formähnlichkeit ist jedoch wichtiger als die Bedeutungsähnlichkeit.[479]

Englische Lehnwö rter werden entweder so eingebaut, daß sie nicht flektiert werden müssen, oder sie werden hybridisiert wie z.B. "klonen", "lasern" etc.[480] Lehnwö rter werden meist mit "s" im Plural verwendet.[481]

Einige Anglizismen sind morphologisch und phonologisch bereits so sehr an das deutsche Sprachsystem angepaßt, daß es nicht mehr ersichtlich ist, daß es sich um einen Anglizismus handeln kö nnte. Außerdem ist oft nicht mehr nachvollziehbar, ob das Lehnwort direkt aus dem Lateinischen oder erst über das Englische ins Deutsche gelangt ist. Der Terminus "visueller Kortex", ein Synonym für das deutsche Fachwort "Sehrinde", kö nnte einerseits aus dem Lateinischen entlehnt worden sein; andererseits existiert im Englischen der Terminus "visual cortex". Wie weiter oben bereits erwähnt, werden Latinismen, die häufig synonym zu deutschen Fachwö rtern verwendet werden, oft nicht an das deutsche Sprachsystem angepaßt, sondern direkt und ohne Ä nderung der lateinischen Wortstellung aus dem Lateinischen übernommen. Somit kö nnte es sich im Gegensatz dazu bei dem Terminus "visueller Kortex" eher um einen Anglizismus handeln.

Das Englische, das in der internationalen Kommunikation eingesetzt wird, hat bereits Einfluß auf die Bildung von Benennungen für neu entdeckte Proteine. Diese werden entweder nach dem Ort ihres Vorkommens, wie bei "Peripherin" oder nach ihrer Funktion, wie bei "Arrestin" benannt. Die Wurzel stammte bisher entweder aus dem Griechischen oder Lateinischen. Mittlerweile werden die Benennungen auch direkt aus englischen Stammwö rtern gebildet. "Recoverin" ist an der Resynthese von cGMP beteiligt, so daß der Phototransduktionsprozeß von neuem beginnen kann. Die Photorezeptoren "erholen" sich von der Umwandlung von Licht in elektrische Impulse und werden wieder "bereit" für neue Lichtimpulse. Das Protein "Recoverin" ist gemäß seiner Funktion aus dem englischen Verb "to recover" und der Endung "in" für Proteine gebildet worden. Ein Problem wird hier die Aussprache sein, die an das phonologische System der jeweiligen Sprache angepaßt werden muß.

[464] Schmitt 1985, S 84.

[465] RP Aktuell Nr 58 (III/95): 17-21, S 17.

[466] RP Aktuell Nr 58 (III/95): 17-21, S 18.

[467] MMW vol. 137, 1995 No 1/2, S 15.

[468] Klin. Mbl.Augenheilk. vol. 204 (1994): 211-216, S 214.

[469] Klin. Mbl. Augenheilk. vol. 199 (1991): 325-329, S 326.

[470] Klin. Mbl. Augenheilk. vol. 204 (1994): 211-216, S 214.

[471] Klin. Mbl. Augenheilk. vol. 196 (1990): 273-274, S 273.

[472] Ophthalmologe vol. 91 (1994): 329-332, S 330.

[473] Schmitt 1985, S 89.

[474] M[cedilla]nch. med. Woch. vol. 137.1/2 (1995): S 15.

[475] Schmitt 1985, S 91.

[476] Schmitt 1985, S 94.

[477] Schmitt 1985, S 98.

[478] ebd.

[479] Schmitt 1985, S 102.

[480] Schmitt 1985, S 129.

[481] Schmitt 1985, S 123.


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