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18. Zusammenfassung und berlegungen

Auf dem Gebiet der RP-Forschung ist noch vieles ungeklärt. Daher existiert eine Vielzahl von Theorien über die Entstehung dieser Netzhauterkrankung. Dies bedingt wiederum eine Vielzahl von Ansätzen für eine mö gliche Therapie.

Da RP eine erbliche Erkrankung ist, scheint es sinnvoll, die Genorte zu bestimmen und somit bei der Behandlung der Ursache anzusetzen. Allerdings gibt es noch viele Formen, bei denen das zugrundeliegende Gen noch nicht bekannt ist. Die Genforschung, die einerseits nützlich ist, wirft allerdings auch Probleme auf. Denn selbst wenn die Genorte gefunden sind, wird es noch einige Zeit dauern, bis eine Gentherapie entwickelt ist. Nicht nur bei RP, sondern auch bei anderen Erkrankungen entsteht somit eine Schere zwischen der Entdeckung von Gendefekten bei einer Genomanalyse und der Mö glichkeit, diese zu beheben. In Anbetracht der Mö glichkeiten pränataler Diagnostik von Krankheiten und Behinderungen und im Zuge der Debatte um die von der EU erstellte Bio-Ethik-Konvention kommen somit schwerwiegende ethische Fragestellungen auf, die in Anbetracht immer knapper werdender Staatshaushalte nicht zuletzt auch durch den Faktor Kosten einer Behinderung zumindest mitbeeinflußt werden kö nnten. Diese Gefahr darf bei aller Hoffnung auf die Mö glichkeit einer Gentherapie nicht unberücksichtigt bleiben.

Auch auf andere Gebiete der Forschung wie der Netzhauttransplantation, der Neurotechnologie, der Behandlung mit Wachstumsfaktoren oder der Entwicklung von optoelektronischen Sehhilfen werden Hoffnungen gesetzt.

Bei einigen Unterformen wurden schon große Fortschritte in der Ursachenforschung erzielt, so daß der Verlauf gestoppt oder zumindest verlangsamt werden kann. Da es so viele Unterformen der RP gibt, und da viele RP-Formen im Zusammenhang mit Syndromen auftreten, liegt der Verdacht nahe, daß es sich bei den Krankheiten, die unter dem Begriff RP zusammengefaßt werden, primär nicht um eine einzige Augenerkrankung mit jeweils unterschiedlichen Begleitsymptomen handelt. Die meisten Unterformen, die unter dem Begriff RP zusammengefaßt werden, haben nichts miteinander gemein außer die Symptomatik eines sich verengenden Gesichtsfeldes, während sie sich in allen anderen Symptomen unterscheiden. Auch die Tatsache der verschiedenen Vererbungsformen bei dem Krankheitsbild der RP spricht dafür, daß die Krankheiten, die heute noch gemäß einem ihrer Leitsymptome unter dem Begriff RP zusammengefaßt sind, vielleicht morgen schon jede einen anderen Namen hat. Die Tatsache, daß es so viele verschiedene Theorien über die Entstehung von RP gibt, kö nnte doch auch darauf hindeuten, daß es für die unterschiedlichen Formen der RP unterschiedliche Entstehungsweisen und somit unterschiedliche Therapieformen gibt. Deshalb wird es vielleicht niemals die eine gültige Theorie über den Entstehungsmechanismus von RP und auch nie die eine gültige Therapie geben. Vielleicht werden deshalb auch Behandlungsmö glichkeiten für weitere Formen von RP nur nach und nach gefunden werden kö nnen.

Da RP bis jetzt noch nicht behandelbar ist, ist es besonders wichtig, sich auf die Mö glichkeiten zu konzentrieren, die bereits existieren. Die Mobilitätsprobleme, die sich aus dem eingeschränkten Gesichtsfeld ergeben, kö nnen durch ein entsprechendes Orientierungs- und Mobilitätstraining angegangen werden. Auch die Nutzung des Restsehvermö gens kann durch die Auswahl von geeigneten Hilfsmitteln gefö rdert werden. Außerdem ist es wichtig, die sozialen und psychischen Probleme von RP-Betroffenen zu erkennen und auf sie einzugehen. Gerade weil es noch keine Mö glichkeiten gibt, diese Netzhauterkrankung zu behandeln, befinden Betroffene sich in einer schwierigen Situation, wobei ihnen bis heute keine andere Wahl bleibt, als diese akzeptieren zu lernen.


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