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17.2. Vergr erungs- bzw. Verkleinerungshilfen

Einige RP-Betroffene verwenden Vergrö ßerungshilfen wie Lupen, Lesestab oder Lupenbrillen und auf die Brille aufsteckbare Monokulare. Bei Tunnelblick ist eine Vergrö ßerung jedoch problematisch, da sie das Gesichtsfeld noch mehr verkleinert.

RP-Betroffene benö tigen außerdem eine stärkere Beleuchtung und benutzen daher oft Lupen mit einer eingebauten Lichtquelle, wobei dies je nach Bedarf eine normale Glühbirne, eine Halogenbirne oder eine Energiesparlampe, die weniger starke Schatten wirft, sein kann. Solche Lupen kö nnen zwar überall eingesetzt werden, sind aber aufgrund der Batterien oft sehr schwer. Lupen kö nnen eine bis zu 15fache Vergrö ßerung haben.[380]

Wenn der Sehrest auf einen Visus von 0,02-0,1[381] herabgesunken ist, ist ein Bildschirmlesegerät angezeigt. Eine Videokamera nimmt die auf einem Lesetisch liegende Vorlage auf, die auf einem Großbildschirm dargestellt wird. Am Bildschirm kö nnen dann Parameter wie Grö ße, Kontrast, Farbe, Grundfarbe, Negativ-Darstellung (weiß auf schwarzem Grund), Positivdarstellung (schwarz auf weißem Grund), etc. eingestellt werden.

In bezug auf den Einsatz eines Bildschirmlesegerätes müssen einige Dinge beachtet werden, da sich besonders bei RP-Betroffenen einige Probleme im Zusammenhang mit Vergrö ßerungshilfen ergeben. Besonders beim "Tunnelblick", bei dem das Gesichtsfeld konzentrisch eingeschränkt ist, entsteht ein Dilemma. Zum Lesen ist einerseits eine Sehschärfe von mindestens 0,4 und andererseits ein Gesichtsfeld von über 5[infinity] erforderlich.[382] Durch eine entsprechende Vergrö ßerung wird zwar das Bild grö ßer, jedoch wird dadurch auch das Gesichtsfeld kleiner. Durch eine Verkleinerung paßt zwar mehr Information in das sehr kleine Gesichtsfeld, jedoch verringert sich dadurch der Visus. Deshalb sollte ein Bildschirmlesegerät gewählt werden, bei dem eine mö glichst kleine Vergrö ßerungsstufe eingestellt werden kann.

Außerdem ergeben sich Schwierigkeiten in bezug auf die Sicherstellung einer geringen Strahlenbelastung von Bildschirmen im Allgemeinen, sowohl vor allem für den Bildschirm eines Lesegerätes als auch für Computerbildschirme. In der MPR-II-Norm[383] und auch in zwei neueren Normen wird von einem Arbeitsabstand von 60 cm ausgegangen.[384] Bei Sehgeschädigten ist der Abstand zum Bildschirm jedoch wesentlich geringer, so daß diese Normen hier nicht greifen, wobei diese Geräte aber gerade speziell für Sehbehinderte hergestellt werden. Da auch dickere Bücher mit dadurch nach innen gebogenem Seitenrand oder Aufschriften auf gewö lbter Oberfläche lesbar gemacht werden müssen, sollte die Tiefenschärfe einen breiten Bereich von etwa +/- 10 cm Abstand umfassen.[385]

Die Bildfrequenz sollte mehr als 60 Hz betragen, da unter diesem Wert unangenehmes Flimmern auftritt. Flimmerfreiheit wird erst bei Frequenzen über 60 Hz erreicht.[386]

Sehbehinderte haben Schwierigkeiten, die Schärfe des Bildes einzustellen. Daher sind bereits einige Geräte mit Autofocus entwickelt worden (Magnilink 309, 602, 609 oder FRANK AUDIODATA "VideoLight"), so daß die Schärfe nicht jedesmal wieder neu von Hand nachgestellt werden muß.

Die Bedienung des Bildschirmlesegerätes ist für Sehbehinderte teilweise umständlich, da die Bedienknö pfe am Monitor angebracht sind, während die Hände sich am Kreuztisch befinden und darauf das Lesegut festhalten. Der Blick muß daher ständig zwischen Bedienknö pfen und Monitor hin- und herwandern. Somit ergeben sich zwei Probleme. Zum Einen ist es gerade für RP-Betroffene aufgrund des eingeschränkten Gesichtsfeldes schwierig, die richtige Stelle im Text wiederzufinden. Außerdem muß sich das Auge beim Hin- und Herwandern zwischen Bildschirm und Bedienpanel jeweils an die entsprechende Helligkeit anpassen. Die Adaptationsgeschwindigkeit ist jedoch bei vielen Sehbehinderten und auch bei RP-Betroffenen verringert. Daher wäre die Entwicklung einer Bedienungsmö glichkeit vom Kreuztisch aus wünschenswert.[387]

[380] Gerull, 1995, S 10.

[381] Gerull, 1995, S 9.

[382] pers^nliche Mitteilung, Brief von Dr Konrad Gerull (Gesch%ftsbereich Hilfsmittel der DRPV) 23.12.95, S 2.

[383] Richtwerte des schwedischen Mefl- und Pr[cedilla]frats f[cedilla]r elektrische und magnetische Felder von EDV-Bildschirmen, in Deutschland auch "Schwedennorm" genannt nachzulesen bei DGB Technologieberatung e.V. Berlin (HG): Der richtige Bildschirm Berlin Juni 1995, S 50.

[384] pers^nliche Mitteilung, Brief von Dr Konrad Gerull (Gesch%ftsbereich Hilfsmittel der DRPV), 25.3.95, S 2.

[385] pers^nliche Mitteilung, Brief von Dr Konrad Gerull cc. Herr Schreck, 25.3.95, S 2.

[386] Gerull 1995, S 9.

[387] vgl. Dunkeladaptationstest S, Lichtschutzbrillen S


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