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14.4. Subjektive Untersuchungsmethoden


14.4.1. Sehschrfe

Neben den objektiven Untersuchungsmethoden, bei denen Befunde über das Auge selbst und über bestimmte Funktionen erhoben werden, sind psychophysische, d.h. subjektive Untersuchungsmethoden ebenso wichtig.

Die Sehschärfe wird ermittelt, indem bei bestmö glicher Korrektur (Visus cum correctione, V.c.c.) zwei Punkte getrennt voneinander wahrgenommen werden.

Die Sehleistung, der Visus naturalis, ist das, was ohne Korrektur (Visus sine correctione, V.s.c.) wahrgenommen wird.[256] Als Sehschärfe 1,0 gilt die Wahrnehmung zweier getrennter Punkte unter einem Sehwinkel von 1 Minute.[257]

Bei dem Prinzip von Snellen, das in den USA zur Visusprüfung verbreiteter ist, wird der Sollabstand in Metern, bei dem zwei Punkte in einem Abstand von einer Winkelminute noch getrennt erkannt werden müssen, unter den Bruchstrich und der tatsächlich gesehene Abstand über den Bruchstrich geschrieben. Der Dezimalwert 0,3 entspricht somit dem Wert 5/15 nach Snellen, wobei die beiden Punkte, die normalerweise in einem Abstand von 15 Metern noch getrennt gesehen werden sollten, hier nur noch in einem Abstand von 5 Metern getrennt erkannt werden.[258]

14.4.2. Perimetrie

Bei der RP unabdingbar ist die Gesichtsfeldbestimmung, die Perimetrie[259]. Es gibt zwei Varianten, die kinetische und die statische Perimetrie.

Bei der kinetischen Perimetrie (Isopterenperimetrie) wird ein Punkt in einer Hohlhalbkugel fixiert. Für diese Untersuchung wird meist das Goldmann-Perimeter verwendet. Eine Lichtmarke wird von Hand durch eine hinter der Halbkugel sitzende Person immer näher ins Zentrum der Halbkugel gerückt. Sobald die untersuchte Person diese Lichtmarke sieht, wobei sie den Mittelpunkt im Auge behalten muß, gibt sie ein akustisches Signal, das an dieser Stelle auf einem Vordruck notiert wird. Die Lichtmarke nähert sich systematisch von allen Punkten aus der Peripherie, so daß nach Verbindung dieser Punkte ein Ring entsteht, der als Isoptere bezeichnet wird. Die Untersuchung wird mit immer schwächeren Lichtmarken wiederholt, wobei sich die Ringe immer enger um die Fovea ziehen. Man erhält eine Struktur ähnlich den "Hö henlinien eines Berges auf einer Landkarte"[260]. Der Abstand dieser Ringe, die als Isopteren bezeichnet werden, ist das Empfindlichkeitsgefälle der Netzhaut. Alle Punkte, die auf derselben Isoptere liegen, haben dieselbe Netzhautempfindlichkeit. Die nächstschwächere Lichtmarke wird von diesen Punkten auf der Netzhaut dann somit nicht mehr, sondern nur noch weiter innen zur Fovea hin wahrgenommen. Bei der RP ergibt sich typischerweise ein konzentrisch eingeschränktes Gesichtsfeld.[261]

Die Lichtmarken werden nach ihrer Grö ße und Helligkeit unterteilt. Eine rö mische Zahl von I - V gibt die Breite des Winkels an, auf dem die Lichtmarke auf die Halbkugel projiziert wird, was somit ihrer Grö ße entspricht. Jede dieser rö mischen Zahlen wird noch einmal mit Hilfe arabischer Zahlen von 1-4 unterteilt (z.B. I1, I2, I3, I4). Ein Buchstabe von a-e gibt die Leuchtdichte (cd/m<=) an. Eine Lichtmarke wird standardisiert z.B. als IV4e angegeben.

Bei der kinetischen Perimetrie ergeben sich jedoch Probleme, da so ein Ringskotom nicht festgestellt werden kann, ebensowenig wie inselartige Sehausfälle, da das Signal ja bereits in der Peripherie gegeben wurde.

Derartige Sehausfälle werden besser mit der statischen Perimetrie (Profilperimetrie) erfaßt. Die Lichtmarken leuchten an bestimmten Punkten des Gesichtsfeldes auf, wobei sie jedesmal heller werden, um die Reizschwelle des jeweiligen Punktes auf der Netzhaut zu ermitteln. Dadurch wird ein Profilschnitt durch das Gesichtsfeld gelegt. Das Raster, in dem die Punkte getestet werden, kann sehr fein angelegt werden.[262] Diese Untersuchung ist sehr zeitaufwendig. Deshalb gibt es mittlerweile die programmgesteuerte statische Rasterperimetrie (automatisierte Perimetrie), die mit rechnergestützten Systemen arbeitet. Wenn das Signal gegeben wurde, wird nach einer gewissen Zeit zur Überprüfung eine schwächere Lichtmarke gesetzt. Wenn das Signal nicht gegeben wird, erscheint etwas später an dieser Stelle eine stärkere Lichtmarke.[263] Der Vorteil dieser Methode besteht darin, daß sie unabhängig von einer untersuchenden Person durchgeführt werden kann, und daß sie genauere Ergebnisse liefert. Jedoch erfordert sie eine hohe Konzentration desjenigen, der untersucht wird. Das in der Literatur häufig erwähnte Tübinger Perimeter wird von Hand bedient und kann sowohl zur statischen als auch zur kinetischen Perimetrie eingesetzt werden. Zur Erkennung des Ausfalles von Zapfen und/oder Stäbchen wird die Zwei-Farben-Schwellenperimetrie bei Dunkeladaptation durchgeführt. Bei dieser stäbchen- und zapfenselektiven statischen Perimetrie werden rote und blaue Lichtmarken verwendet, wobei Zapfen die roten Lichtmarken (650nm) und Stäbchen blaue und grüne Lichtmarken (500nm) wahrnehmen.[264] Die Farbperimetrie eignet sich besonders gut, um einen diffusen von einem regionalen Typ der adRP zu unterscheiden.[265]

14.4.3. Farbtests

Zur Feststellung, inwieweit die Zapfen betroffen sind, werden auch Farbtests durchgeführt, da die Zapfen für das Farbsehen zuständig sind. Ein häufig durchgeführter Test ist die Prüfung mit Ishihara-Tafeln. In einem Feld befinden sich verschieden farbige Punkte, die jeweils die Form einer Zahl haben. Bei bestimmten Farbsinnesstö rungen werden diese Zahlen entweder gar nicht erkannt, oder es werden falsche Zahlen aus dem Punktebild herausgelesen.[266]

14.4.4. Prfung der Dunkeladaptation

Die Dunkeladaptation wird mit einem Adaptometer gemessen. Sie erreicht ihren Hö hepunkt normalerweise nach ca. 35 Minuten.[267] Nach 40minütigem Aufenthalt im Dunkeln wird angegeben, ab welcher kleinsten Lichtstärke ein Signal wahrgenommen wird. Bei RP-Betroffenen ist die Stäbchenendschwelle erhö ht. Mit dem Nyktometer wird die Dämmerungsschärfe gemessen mit Hilfe von einfachen Konturen, die mit verschiedenen Kontrasten zum Umfeld mit und ohne Blendung gezeigt werden.[268]

[256] Leydhecker 1992, S 280.

[257] ebd.

[258] Leydhecker 1992, S 281.

[259] Leydhecker 1992, S 282.

[260] Leydhecker 1992, S 284.

[261] Leydhecker 1992, S 284.

[262] Leydhecker 1992, S 285.

[263] Leydhecker 1992, S 287.

[264] Krastel, 1995, S 558.

[265] Opthalmologe vol. 89 (1992): 5-21, S 11.

[266] Leydhecker 1992, S 289.

[267] Leydhecker 1992, S 290.

[268] Leydhecker 1992, S 290.


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