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14.2. Zusatzuntersuchungen am Auge

Die weiter oben beschriebenen Pigmenteinlagerungen müssen nicht immer vorhanden sein, wie dies z.B. bei der RP sine pigmento der Fall ist. Auch zu Beginn der Erkrankung sind oft noch keine Pigmentierungen zu sehen. Deshalb müssen Zusatzuntersuchungen gemacht werden. Das Auge wird z.B. in farbigem Licht betrachtet.

Mit dem Refraktometer wird die objektive Brechkraft des Auges bestimmt.[220] Hierbei wird ein Strichmuster auf die Netzhaut projiziert und verschieden starke Linsen vorgeschoben, bis die Strichfigur scharf erscheint. Es gibt mittlerweile auch computerisierte Autorefraktometer.[221]

Um Gefäßveränderungen im Augenhintergrund besser erkennen zu kö nnen, gibt es die Mö glichkeit der Fluoreszenzangiographie. Hierbei wird ein Fluoreszenzfarbstoff, Fluoreszein[222] in die Armvene injiziert[223] und der Augenhintergrund durch eine Kamera mit speziellen Filtern beobachtet. Im Falle des Austrittes von Flüssigkeit aus den Gefäßen der Netzhaut oder der Aderhaut ist dies durch zunehmende Helligkeit, Hyperfluoreszenz, zu erkennen und läßt auf einen Defekt der inneren und äußeren Blut-Netzhaut-Schranke schließen.[224]

Die Ultraschalluntersuchung des Auges wird vor allem dann durchgeführt, wenn es nicht mö glich ist, mit dem Ophthalmoskop in das Auge zu sehen, wie dies bei der Katarakt der Fall ist, die bei RP häufig als Komplikation auftritt (s.o.). Mit dem Ultraschall wird z.B. die Achsenlänge des Auges gemessen, um die Brechkraft der einzusetzenden Kunstlinse zu berechnen.[225]

Eine relativ neu entwickelte Untersuchungsmethode ist die Densitometrie, die Messung der Photopigmentdichte in vivo mit Hilfe des Scanning-Laser-Ophthalmoskops (SLO). Hierbei wird nach maximaler Dunkeladaptation die Netzhaut mit einem Laser abgetastet. Nach einer Ausbleichung von ca. 4 Minuten wird dies wiederholt und die Aufnahmen vor und nach der Ausbleichung miteinander verglichen. So kann die Dichte in den Sehzellen sowie der Auf- und Abbau von Sehpigmenten dargestellt werden. Dies dient zur Unterscheidung der verschiedenen Unterformen der RP, bei denen Unterschiede in der Funktion der Photorezeptoraußensegmente vorliegen.[226] Außerdem kann somit festgestellt werden, ob primär ein Defekt im Aufbau der Photopigmente vorliegt. Wenn die anhand der Photopigmentdichte berechnete Abnahme der Empfindlichkeit der Photorezeptoren mit der tatsächlich vorliegenden Abnahme der Empfindlichkeit übereinstimmt, kann die Hauptschadensursache in der Abnahme der Photopigmentdichte angenommen werden. Es handelt sich somit um den regionalen Typ der RP. Wenn die Empfindlichkeitsabnahme grö ßer ist als die Abnahme der Photopigmentdichte, sind noch weitere nachgeschaltete Prozesse im Spiel, und es handelt sich um die diffuse Form.[227]

[220] ebd.

[221] Leydhecker 1992, S 273.

[222] RP Aktuell Nr 58 (IV/95): 17-21, 18.

[223] DRPV: Was ist RP? Bad Nauheim: DRPV, o.J. S 18.

[224] RP Aktuell Nr 58 (IV/95): 17-21, S 18.

[225] Leydhecker 1992, S 275.

[226] Tornow et al., 1993, S 20.

[227] Tornow et al., 1993, S 21.


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