Prototypensemantik
| Grundthese: Die Bedeutung eines Wortes ergibt sich aus
seiner Zugehörigkeit zu einer Kategorie inhaltlich ähnlicher
Wörter. |
Wir organisieren Bedeutungswortschatz in Feldern.
Was man als prototypisch und was als untypisch empfindet, ist für jeden
Menschen anders.
Im Gegensatz zur Merkmalssemantik haben wir hier graduelle Unterschiede /
ein Kontinuum.
| prototypischer Vogel: |
Spatz, Rotkehlchen |
| untypischer Vogel: |
Pinguin, Kakadu, Vogel Strauß |
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Es geht um die psycholinguistische Frage, wie wir neue Begriffe aufnehmen.
Dröseln wir sie in Merkmale auf?
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Sind Rotkohl und Tomaten Gemüse?
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Sind Sardinen und Quallen Fische?
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Sind Stuhl und Kühlschrank Möbel?
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Wie ordnet man Spiele ein?
(Wittgenstein,
berühmter Sprachphilosoph des 20. Jh.): "der Begriff 'Spiel' ist
ein Begriff mit verschwommenen Rändern..."
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gewinnen, verlieren - aber: Ball an die Wand werfen?
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Geschick - aber: Glücksspiele, Schach, Tennis
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Konkurrenz - aber: Patience (spielt man alleine)
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Sprachliche hedges deuten Zuordnungsschwierigkeiten an:
Uns fällt es nicht selten schwer, etwas in eine bestimmte Kategorie
einzuordnen, "und wir sagen dann etwa Das hat eine rötliche Farbe.
Das ist eigentlich ein Vogel. Das ist eine Art Werkzeug. Das hat
irgendwie einen scheppernden Klang. Mit solchen abschwächenden,
relativierenden Ausdrucksweisen - man spricht von Heckenausdrücken (engl.
hedges) - signalisieren wir eine gewisse Reserve gegenüber einer eindeutigen
Einordnung. Das zu klassifizierende Ding entbehrt offensichtlich gewisser
Eigenschaften, die es zu einem besonders guten Vertreter eines Begriffes
machen würden, ohne dass es andererseits aber auch klar aus dem Begriff
herausfallen würde." (Linke 1996, S. 157).
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Fazit: "Es gibt zweifelsfrei gewisse Aspekte in unserem semantischen Lexikon,
die mit binären Merkmalen korrekt erfaßt werden können. Gerade
aber Alltagsbegriffe (für streng definierte wissenschaftliche Begriffe
mag das anders sein) sind nicht mit semantischen Merkmalen restlos explizierbar,
und sie sind v.a. nicht distinkt, haben keine eindeutigen Grenzen und
können sich überschneiden. Und sie sind nicht kategorial in dem
Sinne, dass die Dinge in der Welt entweder einfach unter sie fallen oder
nicht. Da hilft das Prototypenkonzept eventuell weiter." (Linke 1996, S.
158f.)
siehe
auch

Letzte Bearbeitung:
14. Mai 1999
Erstellt
und bearbeitet von Dora Warth
(nach einer Vorlesung von Prof. Dr. Huber)
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