Vorwort



Im Jahr 1997 hat der Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim sein 50jähriges Bestehen gefeiert und im Zusammenhang mit diesem Jubiläum seine Geschichte vorbildlich aufgearbeitet, wie ein namhafter Vertreter einer Schwester- und Konkurrenzeinrichtung kürzlich anerkennend bemerkte. [1] Die Feierstimmung und der nostalgische Rückblick haben jedoch sehr bald wieder dem kraftraubenden Tagesgeschäft weichen müssen. Der immer bestehende und auch stets engagiert angenommene gesellschaftliche Auftrag, die Studierenden des Fachbereichs optimal und insbesondere zukunftsorientiert auszubilden, verband sich mit universitätspolitischen Forderungen nach neuen, der Absicht nach demokratischeren und zugleich ökonomischeren Organisationsstrukturen. Da Geisteswissenschaftler keine Verwaltungsfachleute sind, hat gerade die zweite Aufgabe über viele Semester hinweg wertvolle Energien absorbiert. Dass die administrative Neuordnung mit einem größeren Zugeständnis an Autonomie bei gleichzeitiger Reduktion vor allem der personellen Ressourcen einhergeht, hat die Übergangsphase nicht einfacher gestaltet.

Mit der Erarbeitung und Verabschiedung eines detailliert ausformulierten Struktur-plans für das kommende Jahrzehnt versuchte der Fachbereich sich Leitlinien auf dem Weg ins neue Millennium mitzugeben und seinem Profil noch klarere fachliche Konturen als bisher zu verleihen. Im Zug der Debatte über die Mittel und Wege, wie dieses Ziel zu erreichen sei, stellte sich heraus, dass die Mitglieder der verantwortlichen Gremien einen alles in allem nur sehr unzureichenden Überblick über die wissenschaftlichen Aktivitäten und die Publikationstätigkeit der Angehörigen des Fachbereichs haben und dass daher die Diskussion über Stärken und Defizite im Bereich der Forschung sowie über Präsenz und visibility der MitarbeiterInnen innerhalb der scientific community vorwiegend auf der Basis impressionistischer Urteile geführt wurde und wird.

Die vorliegende Aufstellung wurde mit der Absicht in Angriff genommen, jenen Teil der wissenschaftlichen Leistungen zu erfassen, der eben durch eine Bibliographie darstellbar ist. Viele nicht minder anerkennenswerte Leistungen auf den verschie-densten Gebieten, denen bei einer Evaluierung des Fachbereichs unter Umständen sogar stärkeres Gewicht zugemessen werden könnte als den Veröffentlichungen, bleiben in dieser Liste naturgemäß unerwähnt. Die Beschränkung auf das letzte Jahrzehnt erklärt sich außer mit rein erhebungstechnischen Gründen vor allem aus der Absicht, einen Einblick in das derzeit am Fachbereich vorhandene – sit venia verbo – „intellektuelle Potential“ zu ermöglichen, wobei zu ergänzen ist, dass nicht alle MitarbeiterInnen ihre Publikationen in dieses Verzeichnis aufgenommen sehen wollten. Dass längst in den verdienten Ruhestand versetzte Mitarbeiter ebenso wie noch heute aktive Fachbereichsangehörige schon vor dieser Zeit vielfach Meilensteine gesetzt haben, sollte darüber nicht vergessen werden. Ich erinnere nur an zwei Referenzwerke zum Französischen, die nach wie vor verlegt werden und unter dem Namen ihrer Verfasser bekannt sind, was in der wissenschaftlichen Welt als eine Art Erhebung in den Adelsstand gilt: „der Potonnier“ – das Wörterbuch für Fachleute der Wirtschaft [2] – und „der Reinecke“ – die Wiederholungsgrammatik. [3] Nicht hoch genug eingeschätzt werden kann auch die mühevolle und doch quasi-anonyme Aktuali-sierung von Wörterbüchern, wie Carlos Illig sie „dem Slabý-Grossmann“ [4] über lange Jahre angedeihen ließ.

Da der Personalstand an universitären Einrichtungen generell relativ stark fluktuiert, mussten für die Berücksichtigung der Publikationen einige praktikable Prinzipien eingeführt und respektiert werden. Mehrere Mitglieder des Lehrkörpers, die im Lauf des letzten Jahrzehnts Germersheim verlassen haben, weil sie beispielsweise einen Ruf an eine andere Universität oder eine Fachhochschule  angenommen haben, sind mit ihren Veröffentlichungen bis etwa zum Zeitpunkt ihres Ortswechsels erfasst, sofern es eben möglich war, Kontakt aufzunehmen und entsprechende Informationen einzuholen. Bei Neuzugängen (zu denen auch der Verfasser dieser Zeilen gehört) wurde in der Regel die gesamte Produktion seit 1990 registriert, da sie dieses „geistige Kapital“ ja derzeit hier am Ort in ihre Tätigkeit einbringen.

Die Kategorisierung der Publikationen entspricht keiner gängigen Systematik; sie verfolgt vielmehr den Zweck, dem Benützer eine rasche Orientierung darüber zu ermöglichen, in welchen Bereichen die thematischen Schwerpunkte der Forschungs- und Veröffentlichungstätigkeit am Fachbereich derzeit liegen; auf diese Weise sollte man auch leichter erkennen können, ob der Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft dem im Namen implizit enthaltenen Auftrag seit 1990 in wünschenswerter Weise nachgekommen ist und auf welchen Grundlagen man die Zukunft planen kann.

Germersheim, im September 2001                                                          Wolfgang Pöckl 



[1] Cf. Wolfram Wilss: Wandlungen eines Universitätsinstituts. Vom „Dolmetscherinstitut“ zur „Fachrichtung Angewandte Sprachwissenschaft sowie Übersetzen und Dolmetschen“ der Universität des Saarlandes. St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag 2000, S. 4.

[2] Georges E. Potonnier/ Brigitte Potonnier: Wörterbuch für Wirtschaft, Recht und Handel. Dictionnaire de l’Economie, du Droit et du Commerce. Wiesbaden: Brandstetter. Band 1: Deutsch – Französisch. 3. Aufl. 1997. Band 2: Français – Allemand. 2. Aufl. 1990. 

[3] Walter Reinecke: Französische Wiederholungsgrammatik. Ein Lern-, Übungs- und Nachschlagebuch für Fortgeschrittene. München: Hueber. 5. Aufl. 1978.

[4] Slabý, Rudolf J./ Grossmann, Rudolf/ Illig, Carlos: Diccionario de las Lenguas Española y Alemana/ Wörterbuch der spanischen und deutschen Sprache. Hg. von Carlos Illig. Wiesbaden: Brandstetter. 5. Aufl. 1999.