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Lukrativität ist weiblich: Perspektiven der Frauenförderung

Phobie vor Anglophonie

Region & Nation 98 in Germersheim oder: Saumagen, anglophon

Flagge zeigen im Jahr 2000






Von der Wissenschaft zur Wirtschaft
– ein Rück- und Ausblick

Feier zum Beginn des 54. Wintersemesters, November 1999

Dyrken Elisabeth Ottmers

Acht Jahr habe ich in Germersheim am FASK verbracht. Zuerst als Studentin, dann als Doktorandin, wissenschaftliche Hilfskraft und Dozentin am Institut für Anglistik, Amerikanistik und Anglophonie. Mein berufliches Ziel war die Universitätslaufbahn.

Und jetzt, mittendrin, plötzlich der Wechsel von der Wissenschaft zur Wirtschaft, vom FASK zu einer Unternehmensberatung – warum?

Eigentlich hat mir Germersheim doch viel gegeben: da war am Anfang das Studium, eine solide, gute Basis für das spätere Berufsleben. Die überschaubare Anzahl Studierender habe ich immer als sehr wohltuend empfunden – welch ein Kontrast zu den Schreckensmeldungen von den unerträglichen Verhältnissen an anderen Universitäten! Hunderte von Studierenden in einer Veranstaltung – in Germersheim war und ist so etwas zum Glück unvorstellbar.

Nach Abschluss des Studiums kam für mich dann der Wechsel auf die andere Seite des Pultes. Ich hatte Glück – eine Kollegin ließ sich für 3 Semester beurlauben, und ich bekam in Form einer Viertelstelle die Gelegenheit, "die Seiten zu wechseln" und im Unterricht selber das Ruder in die Hand zu nehmen – eine für mich überaus lehrreiche Erfahrung. Denn wie oft sitzt man als Studierender in einer Veranstaltung und denkt sich "das würde ich ganz anders machen!". Ich hatte diese Chance. Und auch des öfteren die Erkenntnis, dass sich dies manchmal schwerer gestaltet als gedacht.

Ganz andere Aspekte, die eher im organisatorischen Bereich angesiedelt waren, lernte ich kennen, als mich Susanne Hagemann im letzten Jahr in ihr Organisationsteam zur Vorbereitung der 7th International Conference on the Literature of Region and Nation holte. Die Konferenz war für mich eine völlig neue, phantastische Erfahrung – eine Erfahrung, die ich dieses Jahr durch die Mitarbeit am 34. Linguistischen Kolloquium unter der Leitung von Reinhard Rapp wiederholen konnte.

Das Unterrichten und das Organisieren, diese beiden doch so unterschiedlichen Aufgaben, und die Zusammenarbeit mit so vielen netten, interessanten und engagierten Menschen am FASK haben mir sehr, sehr viel Freude bereitet.

Ja, wenn es denn so schön ist – warum gehe ich dann? Und noch dazu weg von der Wissenschaft zur Wirtschaft?

Nun, ich gehe, weil es sich von der Freude an der Arbeit und vom Idealismus allein leider nicht leben lässt. Ich gehe, weil sich bei all dem Schönen am FASK eines nicht einstellen will: eine Perspektive. Denn was bietet sich mir als Nachwuchswissenschaftlerin in der Anglistik? Eine Promotionsstelle? Nein. Eine halbe Promotionsstelle? Wieder nein. Wenigstens eine viertel Promotionsstelle? – "Ach Frau Ottmers, sie wissen doch, wie es aussieht!"

Was bleibt, sind der eine oder andere Vertrag als wissenschaftliche Hilfskraft und das Dasein als freiberufliche Dozentin, also als Lehrbeauftragte. Hilfskraft-Verträge können je nach Finanzlage geradezu eine Rarität sein; zeitlich beschränkt sind sie sowieso und von den daran Interessierten heiß begehrt. Lehraufträge? Das trocken Brot der Akademiker, deren Bezahlung unser Dekan einmal so treffend als "demütigend" bezeichnete. 32,20 DM gibt es pro abgehaltener Stunde. Den Unterricht vorzubereiten, Referate oder Klausuren zu korrigieren und auch Prüfungen abzuhalten, all das ist kostenloses Privatvergnügen seitens der Dozenten.

Was bleibt da als Aussicht? Vielleicht irgendwann wieder einmal eine Urlaubsvertretung? Vielleicht irgendwann sogar einmal eine freie Stelle? Oder ist das dann doch wieder zuviel verlangt? Und wie viele Kollegen werden sich dann darum schlagen?

Und so schwindet er dahin, der Optimismus. Man beginnt, sich umzuorientieren. Für mich begann damit der finanzielle Tanz auf mehreren Hochzeiten – Unterrichtsstunden am FASK und an der Volkshochschule, freiberufliches Übersetzen und ab und zu die Arbeit als wissenschaftliche Hilfskraft. Eines hatten diese Tätigkeiten aber alle gemeinsam – einen sehr wackeligen finanziellen Boden und eine stets ungewisse Zukunft. Aus diesem Grund habe ich sofort zugegriffen, als sich mir die Gelegenheit bot, in der freien Wirtschaft eine Stelle anzutreten, die mir sicherlich Freude machen und mich fordern wird, in deren Verlauf ich meine Promotion fortsetzen kann und die mir zudem eine Perspektive bietet. Es wird bestimmt eine große Veränderung für mich werden – aber ich glaube, auch eine gute Veränderung.

Bei meiner neuen Stelle wird mir so viel von dem zugute kommen, was ich in meinen Germersheimer Jahren gelernt habe: das A und O des Übersetzens; die Erfahrungen, die ich während meiner Auslandssemester sammeln konnte; die organisatorischen Aufgaben; der Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen. Ich verdanke dem FASK sehr viel; man hat mir hier vieles gegeben – nur leider keine akademische Zukunft.
 

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