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Von der Wissenschaft zur Wirtschaft - ein Rück- und Ausblick.

Phobie vor Anglophonie

Region & Nation 98 in Germersheim oder: Saumagen, anglophon

Flagge zeigen im Jahr 2000




Lukrativität ist weiblich: Perspektiven der Frauenförderung 

Susanne Hagemann

… oder vielleicht hätte der Titel lauten sollen: “Nicht schon wieder Frauen!” Meine Tätigkeit als stellvertretende Fachbereichsfrauenbeauftragte bringt es mit sich, dass ich relativ häufig über Frauen rede, und dem Image bekommt das leider nicht besonders gut.

Dabei denke ich gar nicht immer nur an Frauen. Beispielsweise nicht in meiner Eigenschaft als Mitglied der Projektgruppe “Neue Finanzierung”, die sich seit einiger Zeit mit der Finanzmisere des Fachbereichs befasst. In einer der ersten Sitzungen wurde ein Brainstorming durchgeführt: Streng nach den Regeln der Moderationstechnik durften die Mitglieder der Gruppe alles aufschreiben, was ihnen zur Erschließung von Geldquellen durch den Kopf ging. Eine Möglichkeit, die mir einfiel, wenn auch zugegebenermaßen eine etwas riskante, war ein Banküberfall. Und das, obwohl ich keinerlei Karriere als Kriminelle hinter mir habe. Was mir dagegen nicht einfiel, obwohl es mir von Amts wegen als allererstes hätte einfallen müssen, das war die Frauenförderung. Und wenn noch nicht einmal die stellvertretende Frauenbeauftragte die Frauenförderung als Chance begreift, wer soll es dann tun?

Der Begriff Frauenförderung scheint mir derzeit eine Mischung aus Reizwort und Schlaftablette zu sein: Einige reagieren darauf allergisch, andere apathisch. Dabei wären die verschiedenen Frauenförderungsprogramme für unseren Fachbereich eine große Chance. Lukrativität ist weiblich, aber das ist uns noch nicht richtig aufgefallen. Im Jahre 1999 bekamen wir im Rahmen des Programms zur so genannten “Honorierung der Anteilssteigerungen von Frauen in den Fachbereichen” 5035 DM zugewiesen. Und das, obwohl wir, soweit ich nachvollziehen kann, nicht eben viel zur Anteilssteigerung getan haben. Der Titel des Programms ist nämlich nicht nur grammatisch grauenhaft – wie steigert man Frauen? –, sondern auch inhaltlich irreführend. Geld gibt es schon dafür, dass Frauen überhaupt vorkommen. Und wo kommen sie bei uns in honorierungsfähiger Form vor? In der Fachbereichsratssitzung, in der über die Verwendung der Mittel entschieden wurde, wurde die Frage nicht gestellt.

Die Mittel sind zweckgebunden für die Frauenförderung einzusetzen. Ein Teil davon wird der Bibliothek zugute kommen: Dort wird eine Sachgruppe Frauen- und Geschlechterforschung aufgebaut. Außerdem ist ein Preis für die beste Diplomarbeit zur Frauen- und Geschlechterforschung geschaffen worden, der erstmals für den Prüfungstermin WS 1999/2000 vergeben wird. Der Ausschuss zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, der die Preisvergabe übernommen hat, hofft auf zahlreiche Vorschläge. – Wenn wir nächstes Jahr wieder Mittel aus diesem Programm bekommen, wie könnten sie verwendet werden?

Ein anderes Beispiel: Lehraufträge. Es gibt seit Sommersemester 1999 Mittel für Lehraufträge aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung. Der FASK hat bisher insgesamt drei Anträge gestellt. Zwei davon kamen aus der Literaturwissenschaft im Fach Englisch, der dritte von der Frauenbeauftragten. Zwei wurden bewilligt; anstelle des dritten sagte man uns für dasselbe Thema Mittel aus einem anderen Programm zu, dem Fortbildungsprogramm des Frauenbüros. Auch für die Fortbildung von Frauen, einschließlich Studentinnen, gibt es nämlich Geld. Im Sommersemester 1999 wurde beispielsweise mit großem Erfolg eine Veranstaltung zum Thema Internet-Recherche durchgeführt. Aber zurück zu den Lehraufträgen. Wir beklagen seit Jahren wortgewaltig unsere Personalsituation – warum interessiert es dann fast niemanden, wenn es zusätzliche Mittel gibt? Wie wäre es mit einer Fachübersetzungsübung zum Thema Staubsauger oder Waschmaschinen? Wie muss eine Bedienungsanleitung aussehen, damit sie auch eine an Technik nicht interessierte Hausfrau sofort versteht? Ja, ich weiß, auch Männer saugen Staub und waschen Wäsche, die technisch unbegabte Hausfrau ist ein Klischee übelster Sorte, und ich sollte mich schämen. Ich schäme mich. Aber vielleicht bekämen wir trotzdem diesen Lehrauftrag bezahlt. Frauen und Technik, das müsste eine zugkräftige Kombination sein.

Für das Jahr 2000 können Anträge auf Unterstützung größerer Frauenförderungs-Projekte gestellt werden. Jedes Projekt kann mit bis zu 20.000 DM unterstützt werden. Der neu gegründete Ausschuss für Frauenförderung am FASK hat einen Projektantrag zum Thema “Geschlechtsspezifische Kommunikation und Präsentation” ausgearbeitet. Da der Ausschuss kein Monopol auf die Frauenförderung haben kann, soll oder will, kam am 7. Dezember 1999 die Mainzer Senatsfrauenbeauftragte, Dr. Renate Gahn, nach Germersheim, um unseren Fachbereich umfassend über das “Anreizsystem zur Frauenförderung” zu informieren. Durch das Anreizsystem werden sowohl Lehraufträge und Großprojekte als auch die oben erwähnte “Honorierung der Anteilssteigerungen” finanziert. Die Informationsveranstaltung, zu der per Aushang, per Hauspost-Wurfsendung und per FASK-Intranet eingeladen worden war, wurde von insgesamt sechs Personen besucht. Positiv betrachtet: Es waren alle vier Statusgruppen vertreten, und es war ein Mann anwesend. Hoffen wir, dass im neuen Jahr (um nicht schon wieder das Millennium zu beschwören) noch etwas mehr Leute hingehen, wenn es Geld gibt.

Non olet.
 

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