Kapitel II.2:
Fortgeschrittene Mailfunktionen [1]
Frank Krüger, M.A.
Grundfunktionen siehe Teil I
Die Funktionen, die alle ihre Vorbilder im "traditionellen" Büro haben, im Überblick:
Maillisten sind von dem Aufbau her sehr ähnlich zu der oben beschriebenen Verteilerlisten, die man sich selbst zusammenstellen kann. Im Gegensatz dazu, werden Maillisten aber mehr oder weniger komplett automatisch verwaltet und stehen meist einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung.
Damit entsprechen sie wiederum funktionell den Diskussionsgruppen (Usenet News), die aber technisch anders aufgebaut sind. Vorteil (ggf. bei vielen Nachrichten aber auch ein Nachteil) gegenüber den News ist die Integration der Maillisten in die ganz normale elektronische Post, während die News jeweils extras aktiviert werden müssen und auch einen anderen Client als Anwendung (z.B. Netscape) voraussetzen.
Es gibt drei Arten von Mailing-Listen:
Die Eintragung in eine Liste erfolgt über eine standardisierte, automatisch verarbeitete Mail an einen Listserver. Dabei herrschen folgende Systeme vor (hervorgehobene Wörter sind Variablen, die durch die jeweiligen Werte ersetzt werden müssen):
| Adresse/Listentyp | Befehl zum Abonnieren / | Abmelden |
| listserv@hostname |
Subscribe list yourname
|
signoff list |
| majordomo@hostname |
subscribe list yourname
|
unsubscribe list |
| almanac@hostname |
subscribe list |
unsubscribe list |
| list-request@hostname (Internet
generell) |
anything |
anything |
Außerdem subscribe-Befehl stehen in den meisten Fällen noch zahlreiche andere Befehle zur Verfügung, die - wie auch generelle Informationen - über den Befehl help angefordert werden können. Dagegen ist es durchaus uneinheitlich, ob die Befehle im Subject- oder Textfeld stehen müssen (im Zweifel am besten in beide Felder schreiben). Genauere Informationen bieten meistens die entsprechenden Quellen, wie sie über die Adressen solcher Mailing-Listen (siehe Anhang G, Mailing-Listen) oder die Rubrik Internet-Ressourcen auf dem Server des Fachbereiches) zu erhalten sind.
Auch unser Mail-Gateway, Mercury, unterstützt zusammen mit Pegasus Mail die Einrichtung und automatische Verwaltung von Mailing-Listen. Bei Interesse bitte Frank Krüger (e-mail: krueger@nfask2.fask.uni-mainz.de) ansprechen.
Mailserver bieten im Gegensatz zu Maillisten eine sehr generalisierte Funktionalität für die automatische Verarbeitung von E-Mail-Inhalten.
Dazu gehört einmal die Möglichkeit, ASCII-Texte oder andere Dateien anzufordern und zum anderen im sog. Batch-Betrieb auf Angebote anderer Protokolle bzw. Dienste zuzugreifen. Bei dieser Stapelverarbeitung werden die Befehle nicht interaktiv gegeben, sondern als Liste in das Textfeld der E-Mail geschrieben an einen speziellen Rechner (sog. Gateway) geschickt, der die Befehle abarbeitet und das (hoffentlich gewünschte) Ergebnis zurückschickt.
So können z.B. eine Reihe von größeren Web-Seiten, deren Adressen genau (!) bekannt sind, angefordert werden, ohne auf die ggf. länger andauernde Übertragung warten zu müssen.
Achtung: Auf diesen Seiten enthaltene Grafiken gehören meist nicht zur Datei und werden daher nicht mit übertragen.
Auch für die zwischenmenschliche Kommunikation - Computer verstehen ja sowieso nur genau definierte Befehle - haben sich im Internet bzw. bei der E-Mail und den Usenet News eigene soziale Umgangsformen entwickelt.
Zu den technisch empfehlenswerten Gepflogenheiten gehört etwa, immer ein "Betreff" im Subject-Feld einzugeben, als Zeilenlänge 55-70 Zeichen zu verwenden und Umlaute oder andere Sonderzeichen zu umschreiben - v.a. wenn das Computersystem des Empfängers nicht das gleiche wie das eigene ist.
Das Internet ist zwar mit dem TCP/IP-Protokoll und den darauf aufbauenden Standards (bei E-Mail: RFC822) am weitesten verbreitet, aber beileibe nicht das einzige System. Zahlreiche kommerzielle Netze bzw. Systeme verfügen über abweichende Technik und Adressierungsformen. Um Benutzer in diesen Systemen aber auch Mail zu schicken, bzw. von dort welche zu bekommen sind von den Betreibern dieser Systeme sog. Gateways eingerichtet worden, die zwischen beiden "Welten" vermitteln können.
Generell gilt, daß Leerzeichen und Kommata, die in eigenen Systemen
erlaubt bzw. zur Gliederung der Benutzernamen/-nummer verwendet werden,
im Internet zu einem Punkt (oder anderen eindeutigen Zeichen) umgewandelt
werden (müssen).
Die wichtigsten dieser Systeme und die notwendige Adressierungsformen in und aus dem Internet werden im folgenden aufgeführt[2]:
X.400
Das in Europa lange Zeit favorisierte X.400 (aufbauend auf dem OSI-Modell
hat ein vollständig anderes, ebenfalls aber hierarchisches Adressierungsschema.
Deshalb ist die Umsetzung nicht einfach und am besten an einem Beispiel
zu zeigen:
Aus der Adresse in X.400-Notation
C=de; A=d400-gw; P=net; O=EU; OU=Germany; S=Mueller; GI=Hans
wird die Internet-Adresse Hans.Mueller@germany.eu.net
Zur korrekten (automatischen) Konvertierung dieser Adressen steht
ein Mailserver (adrserv@dfn.d400.de, zu konvertierende X.400-Adresse in
den Haupttext schreiben) bzw. Telnet-Dialogzugang ( telnet:sirius.dfn.de,
Login: adressen) des DFN e.V. zur Verfügung.
Eine ganz eigene Internet-Kultur wird durch die zahlreichen Abkürzungen und Symbole (sog. Smileys) charakterisiert, die auch deutlich den us-amerikanischen Ursprung des Internets zeigen. All Beispiele sind [ Obermayr 1995] entnommen.
(Hierzu ist eine ausführliche Liste mit deutschen Übersetzungen im Internet erhältlich)
Diese kurzen Symbole sollen Stimmungen des Schreibers ausdrücken. Sie lassen sich am besten verstehen, wenn man den Bildschirm (oder seinen Kopf) um 90 Grad nach links dreht.
Alle diese Smileys und noch viel mehr sind sogar in einem eigenen Buch verewigt worden.
[2] : weitere Informationen finden sich in dem über FTP erhältlichen Internetwork-Mail-Guide (ftp://ra.ms.state.edu/pub/docs/internetwork-mail-guide).
[3] : domain steht für die Internet-Domain, also z.B. nfask2.fask.uni-mainz.de
Die URL-Adresse dieser Seite ist: http://www.fask.uni-mainz.de/cafl/kurse/komm/komm-22.html