Das World Wide Web ist heute das populärste, aber
keineswegs das einzige verteilte Informationssystem im Internet. So zeichnen
sich die anderen Informationssysteme, wie Gopher, Usenet News und WAIS (siehe
Kapitel
2.3), durch ähnliche technische Rahmenbedingungen aus.
Die wesentlichen Gründe für die Popularität des WWW sind:
die Abkehr von der rein zeichen-orientierten Benutzungsoberfläche mit
umfangreichen Befehlssprachen zu einer modernen, intuitiv nutzbaren
graphischen Benutzerschnittstellen,
der multimediale Inhalt, d.h. die Information wird nicht
nur in Texten dargeboten, sondern auch in Graphiken und Bildern, als
ausführbare Programme sowie Ton- und Videodateien mit zahlreichen
Varianten (z.B. variierbare 3-D-Bilder nach Art der virtuellen Realität)
und die
Integration und Standardisierung aller
verschiedenen Dienste und Dateitypen auf den unterschiedlichsten
Betriebssystemplattformen (UNIX, Mac, Windows).
Grundprinzip
Hypertextstruktur, d.h. im fortlaufenden Text oder anderen Dokumenten
(Graphik, Video,Audio) sind Verweise zu anderen Dokumenten bzw. -arten
eingebettet.
Ursprung
Von Tim Berners-Lee (CERN, Schweiz) als Hilfsmittel zur
Unterstützung von räumlich verteilten Forschungsgruppen über das
Internet entwickelt; heute koordiniert (aber keineswegs zentral verwaltet von
der eigens gegründeten
W3-Organisation,
die als gemeinnütziges Konsortium von verschiedenen Firmen und staatlichen
Stellen/Hochschulen getragen wird.
Hauptinhalt
Integratives, multimediales Angebot aller Arten von Informationen der
unterschiedlichsten Quellen - von speziellen Forschungsberichten über
persönliche Angaben bis zu kommerzieller Werbung
Verzeichnisse
systematisch: Yahoo oder Virtual Library, Geographisch: Virtual
Tourist, Master-Index Suchhilfen: Lycos, OpenText und viele andere
Verbreitung
exponentielles Wachstum weltweit in allen Bereichen, mehrere
zehntausend Server, und bis zu 30 Millionen Benutzer (geschätzt)
2
Generalisierte
Zugriffsmethode (URL)
Ein wesentliches Charakteristikum des WWW ist die Integration und
Standardisierung der Zugriffsmechanismen und technischen Protokolle.
Dazu wurden die sog. Unified Resource Locators (URL)
entwickelt, die eine einheitliche Spezifizierung von Informationseinheiten
unterschiedlichster Dienste ermöglicht. Daneben ermöglicht der sog.
Multimedia Information Mail Exchange (MIME) Standard,
ursprünglich zum Austausch multimedialer E-mail geschaffen, eine
einheitliche Spezifizierung verschiedener Dateiformate.
{Methode} das verwendete Protokoll (z.B. HTTP, FTP, news),
{Host} den Namen oder die IP-Nummer des angesprochenen Rechners
{Pfad} die Unterverzeichnisse, auf die zugegriffen wird
{Dokument.ext} den Dokumentnamen mit einer Erweiterung,
die den Dokumentnamen angibt (etwa .html, .txt,
.gif oder .mpeg); bei {Fragment}
handelt es sich um den Bestandteil einer Datei {Ausdruck} eine
Suchformulierung, wobei nur ein eingeschränkter Zeichensatz direkt
dargestellt wird (Leerzeichen durch +, alle andere Zeichen hexdezimal codiert)
Zugriffsmethoden mit der oben dargestellten Struktur sind z.B.:
http - Hypertext Transfer Protocol (in Verbindung mit HTML, s.
Kap.
II.4), sowie
ftp - Dateitransfer, gopher - Gopher-Dienst und wais
- Wide Area Information Service
Von der Standardstruktur weichen -
protokollbedingt - etwas ab:
news -
Usenet
Newsgroups mit der Form news:newsgroup-Struktur, z.B.
news:soc.culture.italian und
news.soc.culture.* für den Hierarchiebereich
aller kulturspezifischen Gruppen.
Hinweis: Die entsprechenden
Mail- SMTP bzw. POP3-Protokolle bzw. News-Server (NNTP), auf die zugegriffen
wird, müssen in den Preferences eingestellt sein.
file - Lokale Dateien, wobei der Rechernname entfallen kann und
Laufwerksbezeichnungen mit zum Pfad gezählt werden. Sonderzeichen werden
umschrieben: z.B.
file:///Macintosh%20HD/Dokumente/Test.html, wobei %20=
Leerzeichen
2.1.2
Relative,
partielle Adresse
Nicht immer muß die vollständige Adresse angegeben werden. Alle
Angaben, die im Vergleich zum aktuellen Dokument gleichbleiben, werden
automatisch ergänzt.
Ist z.B. die aktuelle Adresse
schema://host/x/y/z so wird
Die meisten
Browser
und Server im WWW - z.B. Netscape - sind in der Lage ganz
verschiedene Dateitypen (die technische Bezeichnung für Dokumentarten) zu
verwalten. Dies geschieht teilweise mit dem Browser selbst oder bei technisch
sehr aufwendigen - und plattformabhängigen - multimedialen Datenformaten
mit Hilfe sog. Helper Applications. Die Kennzeichnung der
Dokumente muß sowohl beim Server als auch beim Client bzw. Browser
eingetragen sein, um korrekt übertragen zu werden.
Folgende
allgemeinen Dateitypen können in Netscape bzw. anderen
graphischen
Browsern
direkt angezeigt werden:
Normaler Text der MIME-Formate
text/plain (Endung .txt) oder HTML-Seiten
(MIME: text/html, Endung: .html,
.htm)
Graphik
bzw. speziell die
MIME-Formate
GIF (für Zeichnungen und Vektorgraphiken allgemein,
Endung.gif) und JPEG (für Fotos und Bitmaps allgemein,
Endung: .jpeg, .jpg, .jpe)
Verzeichnis
Typisches Menüsymbol
für Gopher und FTP, dagegen seltener im eigentlichen Web verwendet.
News
weltweite Diskussionsgruppen im sog.
Usenet
Gopher-Suche
VERONICA-Suchsystem, mit
Suchmöglichkeit nur in Verzeichniseinträgen oder in allen Titeln
Dialogverbindung
Über die Programme
Telnet
aktivierbare Terminalverbindungen z.B. für Bibliothekskataloge
unbekannt
alle anderen Dateitypen, die sonst
nicht definiert sind
Weitere
Dateitypen sind nach dem sog. MIME-Schema definiert, mit dem
alle Dateiformate und Medienarten einheitlich bezeichnet werden können;
und zwar in der Form:
auch andere Dateiformate Postscript bzw.
Encapsulated Postscript Rich Text Format
In Netscape findet sich die (erweiterbare) Liste der Zuweisungen dieser
MIME-Formate zu den sog. HelperApplications unter
Options/Preferences/Helper Applications.
2.1.4
Helper
Applications
Diese Helper Applications sind z.B. verwendbar für:
Fotorealistische Bilder in hoher Auflösung (auch andere Formate als
JPEG und GIF)
JPEGView (Mac)
....( Windows)
Audiodateien
SoundApp (Mac), Mac-spezifisches Format ist
.wav und .aiff
MIDIPlayer (Windows), dem windows-spezifischen Format
.mid
Videofilme, einschließlich Animationen
Sparkle (Mac)
speziell Virtuelle Realität, d.h. mit Möglichkeit zur
Manipulation im drei-dimensionalen Raum beweglicher Objekte
QTVRPlayer (Mac, Quicktime Virtual Reality)
WebSpace (Sun, verwendet sog. VRML, Virtual Reality
Modeling Language)
... (Windows)
3
Web-Funktionen
der Browser
Für den Zugriff auf das World Wide Web ist auf der Seite der Benutzer ein
sog. Browser notwendig, um die Information darzustellen. Dabei handelt es sich
um den sog. Client im Client-Server-Modell, also eine aktive Software, die mit
dem Server (hier ebenfalls lediglich ein bestimmtes Software-Programm und
keineswegs der "physikalische" Rechner) Daten und Informationen aufgrund
bestimmter Protokolle (HTTP, Gopher, FTP, NNTP ...) austauscht.
Als solche Browser sind am Fachbereich im Einsatz:
Netscape 1.x für
Mac,
Windows und Unix: Aktuelle freigegebene Versionen der am weitesten verbreiteten
Browser (ca. 70% Marktanteil)
Netscape 2.0: Erweiterte Funktionalität, etwa
verbesserte Druck-Funktionen, integrierter E-Mail-Client, bisher aber nur in
relativ instabilen Beta-Versionen verfügbar, wo auch jeweils nur ein Teil
der angekündigten Funktionalität verwirklicht ist.
Lynx: Ausschließlich zeichenorientiert, aber
dafür geeignet für den Zugriff per Modem (mit Hilfe von NCSA Telnet
und dem allgemein zugänglichen Benutzerkonto Lynx auf dem Rechner
usun2.fask.uni-mainz.de).